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Anschläge in Paris : Das ist der flüchtige Attentäter

  • Aktualisiert am

Gefährliches Individuum: Die französische Polizei ist auf der Suche nach Abdeslam Salah. Bild: Twitter

Die französische Polizei hat ein Foto des flüchtigen Attentäters von Paris veröffentlicht. Eine Warnung schicken die Beamten gleich mit: Der 26-jährige Abdeslam Salah sei gefährlich.

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          Die Ermittler in Frankreich zeigen nun das Gesicht eines vermutlichen Attentäters von Paris. Es handelt sich um den französischen Staatsbürger Abdeslam Salah, ein 26 Jahre alter Mann, der in Belgien geboren wurde. Er sei 1,75 Meter groß und hat braune Augen. Die französische Polizei bittet die Bevölkerung um ihre Hilfe: Jeder Hinweis, wo sich der Verdächtige gerade aufhalten könnte, soll unverzüglich an sie gehen. Dennoch warnen sie vor ihm: Er sei gefährlich und man solle sich besser von ihm fernhalten.

          Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf einen mit den Ermittlungen vertrauten französischen Beamten, die Polizei suche einen Mann aus dem Großraum Paris. Die französische Nachrichtenagentur AFP meldete, die Ermittler seien auf drei Brüder gestoßen: Einer ist bei den Anschlägen gestorben. Der zweite wurde in Belgien festgenommen, ohne dass klar sei, ob er bei den Anschlägen mitgewirkt hat. Der Aufenthaltsort des dritten Mannes ist den Behörden nicht bekannt – er könnte den Angaben zufolge einer der gestorbenen Attentäter oder möglicherweise flüchtig sein. Nach Informationen der britischen BBC soll es sich dabei um den Mann handeln, der einen grauen Volkswagen Polo gemietet hatte, der in der Nähe des Konzertsaals Bataclan gefunden wurde. Alleine dort ermordeten die Terroristen 89 Menschen.

          Schon zu Beginn der Untersuchungen hatten die Behörden von acht Angreifern gesprochen, allerdings fand die Polizei an den Tatorten nur sieben tote Terroristen vor. Sechs hatten sich mit ihren Sprengstoffgürteln in die Luft gesprengt, der siebte starb durch Polizeikugeln. In Frankreich hat die Polizei mittlerweile sechs Menschen festgenommen, die mit dem bislang einzigen sicher identifizierten Täter Omar Ismail Mostefai verwandt sind.

          Wo was passierte: Die Schauplätze der Gewalt in Paris

          Eine Spur der Attentäter führt auch nach Belgien. Wie die Brüsseler Staatsanwaltschaft nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga mitteilte, sollen zwei der getöteten Attentäter zuletzt im Großraum Brüssel gelebt haben. Es handele sich um zwei Personen mit französischen Pässen.

          Bereits am Samstag hatten die belgischen Behörden insgesamt sieben Personen festgenommen – bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Ob sie in die Anschläge verwickelt sind, war Sonntag noch unklar. Einer der Männer soll aber am Freitag in Paris gewesen seien. „Man kann davon ausgehen, dass es sich um ein Netzwerk handelt“, sagte die Bürgermeisterin Françoise Schepmans am Sonntag im TV-Sender RTBF.

          Belgien ist in den vergangenen Jahren immer wieder Schauplatz gewesen, wenn es um islamistische Anschläge ging. Insbesondere führten die Spuren nach Brüssel. Der Brüsseler Stadtteil Molenbeek gilt als ein problematischer Stadtteil. Die Quote der Menschen ohne Arbeit lag zuletzt bei rund 30 Prozent. Mehr als ein Viertel der rund 95.000 Einwohner hat keinen belgischen Pass.

          In den vergangenen Jahren gab es mehrere Anschläge islamischer Fundamentalisten, die von Einwohnern dieses Viertels verübt oder organisiert wurden. So führte auch im August 2015 nach einem Angriff auf einen Thalys-Hochgeschwindigkeitszug eine Spur nach Molenbeek. Ein 25 Jahre alter Marokkaner hatte im Hochgeschwindigkeitszug Amsterdam-Paris um sich geschossen. Fahrgästen gelang es, den Mann niederzuringen.

          Einer der Attentäter der Anschlagsserie in Paris unter anderem auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ im Januar hatte ebenfalls Verbindungen nach Belgien. Ein Mann aus Charleroi hatte mit dem Terroristen Amedy Coulibaly über den Kauf eines Autos und von Waffen verhandelt. Coulibaly hatte in einem koscheren Supermarkt in Paris Geiseln genommen und vier Menschen erschossen. Er selbst wurde anschließend von der Polizei getötet. Bei einem Anti-Terror-Einsatz im ostbelgischen Verviers wurden eine Woche später zwei mutmaßliche Islamisten erschossen.

          Belgien gilt als eines der am stärksten durch Terrorismus gefährdeten Länder in Europa. Hintergrund ist die im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße hohe Zahl von Menschen, die als Dschihadisten in das Bürgerkriegsland Syrien gezogen sind. Nach Schätzungen von Sicherheitsbehörden stammen rund 500 Kämpfer in dem Krisengebiet aus Belgien.

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