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Paris in Terror-Angst : Alle laufen los. Bloß wohin?

  • -Aktualisiert am

Plötzlich ist der Place de la Republique – bis auf ein paar Polizisten. Bild: dpa

In Paris braucht es im Augenblick nicht viel, um Panik auszulösen. Ein Knall – und alle erwarten das nächste Attentat und flüchten: Szenen vom Place de la République.

          Es hat gedauert, bis sich die Pariser nach dem Massaker wieder auf die Straßen getraut haben – achtundvierzig Stunden. Am Sonntagabend ist es soweit: Die Bars und Cafés, die Boulangerien und Supermärkte rund um die Place de la République sind nicht nur geöffnet, sie sind auch voller Menschen.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Noch am Samstag hatten Angst und Ungewissheit für gespenstische Stille in diesem Viertel gesorgt. Sämtliche Jalousien waren heruntergelassen, kein Auto fuhr, und es wagten sich kaum Passanten nach draußen. Jetzt muten die Straßen rund um den Konzertsaal Bataclan, in dem am Freitagabend mehr als achtzig Menschen ermordet worden sind, wie eine fröhliche Fußgängerzone an. Die Pariser haben sich diese Straße zurückerobert, und fast scheint es, als wollten sie das feiern – indem sie am Sonntag einfach nachholen, was sie am Samstag haben ausfallen lassen.

          Wie fragil dieser Anschein von Normalität ist, zeigt sich schon wenig später. Auch wenn es sich als falscher Alarm herausstellte, ist bezeichnend, wie wenig es braucht, um die Menschen in Panik zu versetzen: In einer Nebenstraße der Rue Réaumur rast ein junger Mann auf einem Moped entlang, er ruft „Partez! Partez!“, „Lauft, lauft!“, und sofort beginnen alle zu rennen, ohne zu wissen wohin, nur weg aus dieser Straße.

          Am Ende stellt sich heraus: Es war „nur“ ein Feuerwerkskörper.

          Kaum angekommen an der fünf Minuten entfernten Place de la République, auf der sich hunderte Menschen versammelt haben, um gemeinsam zu trauern, kommt die Panik aus einer anderen Richtung. Plötzlich rennen die Menschen aus der Rue du Temple hinauf, Schreie sind zu hören, sofort gerät der ganze Platz in Bewegung. Wir rennen zurück in die Rue Réaumur, vorbei an zwei Polizisten, die ihre Waffen recken, irgendwohin, die Treppen hinauf, und rechts hinein in den Eingang eines Theaters.

          Der Patron am Empfang schaut erschrocken, besinnt sich schnell und geht gemessenen Schrittes zur Tür, schließt sie ab und lässt den Rollladen herunter. Wir stehen starr im Flur, zücken die Handys, einer sagt: „An Saint-Paul im Marais ist geschossen worden.“ Schon bald wissen wir, dass das nicht stimmt.

          Der Flur des Theaters, dessen Vorstellung trotz allem gerade beginnt – man hört lateinamerikanischen Gesang aus dem rotgepolsterten Saal –, leert sich langsam, die Ersten wagen einen Schritt hinaus und lassen sich vom Blick auf die keineswegs angespannt wirkenden Polizisten am Fuß der Treppe beruhigen.

          Beim Gang über die Place de la République und seine Nebenstraßen sieht man eine Frau am Boden sitzen, eine andere weint ins Telefon, ein Hubschrauber ist aufgestiegen, er kreist über dem Viertel. Und dann kommt die Nachricht: Jemand hat offenbar einen Feuerwerkskörper gezündet. Ein schlechter Scherz. Zumal in einer Stadt, die noch lange nicht bereit ist, Knallgeräusche mit etwas anderem als Bedrohung zu verbinden.

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