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Pakistan : Religionslehrer sprengt sich auf Spielplatz in die Luft

  • Aktualisiert am

Lahore am Tag danach: Mitarbeiter der Spurensicherung am Ort der Detonation. Bild: Reuters

Auf einem Spielplatz im pakistanischen Lahore ist eine 20-Kilo-Nagelbombe explodiert: 70 Menschen sterben, die Zahl der Verletzten ist inzwischen auf 340 gestiegen. Der Selbstmordattentäter der Taliban war wohl muslimischer Religionslehrer – sein Ziel: Christen.

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          Nach dem blutigen Taliban-Anschlag auf einen Park voller Familien am Ostersonntagabend in Pakistan ist die Zahl der Todesopfer auf 70 gestiegen. Unter ihnen seien 25 Kinder und sieben Frauen, sagte der Polizeichef des Stadtbezirks, Mohammad Iqbal, der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Auch der Attentäter kam ums Leben. Rund 340 Menschen seien verletzt worden, sagte Deeba Shahnaz Akhtar, eine Sprecherin der Rettungsbehörde der Provinz Punjab.

          Der Attentäter hatte sich in der Nähe eines Spielplatzes in die Luft gesprengt. Nach offiziellen Angaben brachte er etwa 20 Kilogramm Sprengstoff zur Explosion. Der Park war an einem der ersten warmen Abende des Jahres besonders gut besucht gewesen. Auch viele christliche Familien waren dort, um Ostern zu feiern. Nach Polizeiangaben sollen 15 Christen unter den Opfern gewesen sein.

          Der Täter konnte mittlerweile als ein 28 Jahre alter Mann aus Süd-Punjab identifiziert werden. Nach Medienberichten war er Lehrer an einer Religionsschule. Rekrutiert hatte ihn die pakistanische Taliban-Gruppe Jamaat ul-Ahrar. „Wir haben das Attentat von Lahore begangen, weil Christen unser Ziel sind“, sagte Ehsanullah Ehsan, Sprecher der radikalen Taliban-Gruppierung Jamaat-ul-Ahrar, am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

          Der Anschlag hat das Leben in der Sieben-Millionen-Stadt gelähmt. Eine dreitägige Trauerzeit wurde angesetzt. Schulen blieben geschlossen, am Montagmorgen gab es kaum Verkehr. Ministerpräsident Nawaz Sharif besuchte am Morgen Opfer in Kliniken. Er rief dazu auf, die Streitigkeiten in der Gesellschaft zu begraben, um dem Terrorismus mit Stärke entgegenzutreten.

          Seitdem im Dezember 2014 pakistanische Taliban in einer von der Armee betriebenen Schule in Peshawar 136 Kinder getötet hatten, hat die Armee ihre Operationen gegen Extremisten massiv erweitert. Dem Terrorismus werde das Rückgrat gebrochen, wiederholen Armeechef und -sprecher. Die Zahl der Anschläge und ihrer Opfer ging 2015 auch stark zurück. Doch allein in den vergangenen zwei Monaten gab es drei große Anschläge.

          Minderheiten schützen

          Die christliche Minderheit macht in Pakistan nur 1,6 Prozent der rund 200 Millionen Einwohner aus. Vor einem Jahr wurden bei zwei Selbstmordanschlägen auf Kirchen in Lahore 17 Menschen getötet. Die Angriffe führten zu Ausschreitungen tausender Christen, die den Behörden vorwarfen, nicht genug für ihren Schutz zu tun. Der jüngste Anschlag dürfte das ohnehin angespannte Verhältnis der Konfessionen weiter belasten.

          Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif verurteilte die Tat und erklärte, er empfinde „Schmerz und Kummer über den traurigen Verlust von unschuldigen Leben“. Armeechef Raheel Sharif kündigte an, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Indiens Regierungschef Narendra Modi rief seinen Kollegen Sharif an, um ihm sein Mitgefühl und seine Unterstützung auszusprechen.

          Papst: „feiges und sinnloses Verbrechen“

          Der Papst hat den Anschlag als „feiges und sinnloses Verbrechen“ verurteilt. „Das heilige Osterfest ist von einem abscheulichen Attentat mit Blut befleckt worden, das viele unschuldige Menschen in den Tod gerissen hat, größtenteils Familien der christlichen Minderheit“, sagte Franziskus am Montag. Er sei den Angehörigen der Opfer nah und bitte die Gläubigen, ebenfalls für die Toten und ihre Lieben zu beten.

          Die pakistanischen Behörden rief der Papst auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um der Bevölkerung Sicherheit zu garantieren, besonders den religiösen Minderheiten. „Ich wiederhole noch einmal, dass Gewalt und mörderischer Hass nur zu Schmerz und Zerstörung führen“, so das Kirchenoberhaupt. „Respekt und Brüderlichkeit sind der einzige Weg, um Frieden zu erreichen.“

          Pakistanische Polizei am Anschlagsort in Lahore

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat den Selbstmordanschlag vom Ostersonntag in Pakistan als „entsetzlichen Akt des Terrorismus“ verurteilt. Die Verantwortlichen  müssten zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte er am Sonntag in New York. Zugleich forderte er die Regierung des mehrheitlich muslimischen Landes auf, alle Bürger einschließlich religiöser Minderheiten zu schützen. Auch die EU, die Vereinigten Staaten und der Vatikan verurteilten den Anschlag.

          Die Talibangruppe Jamaat-ul-Ahrar ist für besonders perfide Attacken in Pakistan verantwortlich. Im März vergangenen Jahres verübte die Terrororganisation Bombenanschläge auf christliche Kirchen in Lahore. Mindestens 15 Menschen wurden damals getötet und rund 70 verletzt. In 2014 gab es mehrere Anschläge, unter anderem auch auf eine politische Partei. Die Jamaat-ul-Ahrar hatte sich 2014 von der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) abgespalten, schloss sich ihr später aber wieder an.

          Der Selbstmordattentäter sprengte sich an einem Spielplatz in die Luft.

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