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Attentäter von Nizza : Noch keine Beweise für Kontakte zu Terrornetzwerk

  • Aktualisiert am

Nach dem Anschlag patrouillieren Soldaten in Nizza. Bild: AP

Die Sicherheitskräfte in Frankreich suchen nach möglichen Hintermännern des Anschlags von Nizza. Beweise für Kontakte des Täters zu Terrornetzwerken gibt es laut Innenminister Bernard Cazeneuve bislang noch nicht.

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          Mit einer Schweigeminute hat Frankreich der Opfer des Anschlags von Nizza gedacht. Am Tatort auf dem berühmten Strandboulevard der Mittelmeer-Stadt versammelten sich am Montagmittag Tausende Menschen. Der zu der Gedenkfeier angereiste Premierminister Manuel Valls wurden von der Menge ausgebuht, wie der Sender BFMTV berichtete. Präsident François Hollande hielt im Pariser Innenministerium an der Seite von Vertretern der Sicherheitskräfte inne.

          Die französischen Ermittler haben noch keine Beweise für Kontakte des Attentäters von Nizza zu extremistischen Gruppierungen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hätten die Ermittler keine Belege für Verbindungen von Mohamed Lahouaiej-Bouhlel zu „terroristischen Netzwerken“ gefunden, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Montagmorgen im Radiosender RTL. Klar sei aber, dass es sich um einen „terroristisches Attentat“ handle.

          Die Tat vom Donnerstagabend, bei der der 31 Jahre alter Tunesier mit einem Lastwagen auf der Strandpromenade von Nizza 84 Menschen tötete und mehr als 300 Menschen verletzte, trage die Handschrift der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS), sagte Cazeneuve. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein „sehr gewalttätiger“ Psychopath nach einer raschen Radikalisierung ein „derart scheußliches Verbrechen“ begehe.

          Die französische Regierung geht davon aus, dass sich der Attentäter von Nizza sehr schnell radikalisiert hat und dass er Helfer hatte, die ihn logistisch unterstützten und ihm auch eine Waffe besorgten. Mehrere Menschen wurden in Polizeigewahrsam genommen und wurden verhört. Die IS-Miliz hatte den Anschlag am Samstag für sich beansprucht und den Täter als „Soldaten“ des IS bezeichnet. Die Erklärung wird jedoch von Sicherheitsexperten als vage eingeschätzt und enthält kein Täterwissen.

          Am Montagnachmittag will der Pariser Staatsanwalt François Molins die Öffentlichkeit am Montagnachmittag über den Stand der Ermittlungen informieren. Die Behörde kündigte eine Pressekonferenz für 16.30 Uhr an.

          Am Sonntagabend saßen sieben Personen aus dem Umfeld Lahouaiej-Bouhlels in Polizeigewahrsam, wie die französische Nachrichtenagentur AFP meldete. Mehr als 200 Ermittler werteten den SMS-Verkehr des Mannes aus, der am Donnerstagabend in der südfranzösischen Stadt mit einem Kühllastwagen in eine Menschenmenge gerast war und von der Polizei am Steuer erschossen wurde.

          Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Lieferwagenfahrer die Bluttat an der Côte d’Azur sorgfältig geplant. Den Miet-Truck, den er als Mordinstrument verwendete, habe er bereits am 4. Juli reserviert und am 11. Juli abgeholt, meldete AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise. Am Dienstag und Mittwoch (12. und 13. Juli) habe er den Tatort erkundet.

          Unter den Festgenommenen ist laut AFP auch ein albanisches Ehepaar. Der Mann soll dem Tunesier eine Pistole Kaliber 7.65 besorgt haben, mit der dieser auf Polizisten schoss, bevor diese ihn erschossen. In einer kurz vor der Tat am Abend des französischen Nationalfeiertags verschickten SMS soll er weitere Waffen verlangt haben.

          Die Zahl der Toten könnte noch steigen. Denn am Sonntag schwebten immer noch 18 der mehr als 300 Verletzten in Lebensgefahr.

          Der französische Premierminister Manuel Valls warnte, dass der Terrorismus für lange Zeit den Alltag des Landes bestimmen werde. Der Islamische Staat wolle die westlichen Demokratien zerstören, sagte er in einem Interview der Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche“.

          Über das Wochenende hatte sich deutlich ein islamistischer Hintergrund der Tat abgezeichnet, nachdem Lahouaiej-Bouhlel zunächst als unreligiös beschrieben worden war. Die Vernehmungen mehrerer der Festgenommenen deuteten darauf hin, dass der Mann sich seit recht kurzer Zeit dem radikalen Islam zugewandt habe, meldete AFP. Er habe auch aufgehört, Alkohol zu trinken, berichtete die Zeitung „Le Parisien“. Nach anderen Medienberichten leerte er kurz vor der Tat sein Konto und schickte 100.000 Euro an seine Familie in Tunesien.

          Bei Polizei und Geheimdienst war der Tunesier nicht als Islamist aktenkundig geworden. Die der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahestehende Nachrichtenagentur Amak bezeichnete ihn am Samstag aber als „Soldat“ des IS.

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