https://www.faz.net/aktuell/politik/kampf-gegen-den-terror/nach-anschlaegen-von-paris-muslimische-verbaende-rufen-zu-gesellschaftlichem-zusammenhalt-auf-13915526.html

Nach Anschlägen von Paris : Muslimische Verbände rufen zu gesellschaftlichem Zusammenhalt auf

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die acht größten muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland wollen sich stärker gegen eine Radikalisierung junger Muslime einsetzen. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilen sie die „niederträchtigen und barbarischen Anschläge“ von Paris.

          2 Min.

          Nach den Anschlägen von Paris haben die acht größten muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland in einer gemeinsamen Erklärung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgerufen und sich zugleich gegen eine Diskriminierung von Flüchtlingen gewandt. In der am Montag in Köln veröffentlichten Erklärung kündigen die muslimischen Verbände an, nun „im engen Austausch mit gesellschaftlichen Akteuren“ über Aktivitäten zu beraten, „um die Reihen der Friedliebenden zu stärken“. Zugleich verurteilen sie die Attentate in Paris als „niederträchtige und barbarische Anschläge“.

          „Es ist wichtiger denn je, den gesellschaftlichen Frieden zu stützen und zu stärken“, heißt es in dem Papier mit dem Titel „Gesellschaftlicher Zusammenhalt - jetzt erst recht“. „Die Mörder von Paris irren, wenn sie glauben, sie seien die Vollstrecker eines göttlichen Willens.“

          Die Verbände bekunden zudem ihre Entschlossenheit, gegen Terror und jede Form von Gewalt einzustehen. Flüchtlinge müssten nach den Attentaten weiter unterstützt werden: „Gerade in dieser schwierigen Zeit müssen wir mit allen gesellschaftlichen Kräften auch den Flüchtlingen helfen, die Zuflucht bei uns suchen. Wir müssen ihrer Stigmatisierung entgegenwirken.“

          Die beste Antwort auf Terrorismus sei, „Hass, Zwietracht und Angst nicht in unsere Herzen eindringen zu lassen“. Vielmehr müssten die Menschen „das Bündnis der Friedliebenden erweitern und dies demonstrativ zeigen“.

          Das „Gebot der Stunde“ sei auch, „die Verantwortlichen weltweit“ aufzufordern, „Unterdrückung, Tyrannei und Kriegen im Nahen Osten, in Afrika und überall auf der Welt mit allen Mitteln, die unsere freiheitlichen und demokratischen Werte zulassen, entgegenzuwirken“.

          Vertreter der acht muslimischen Verbände waren am Samstag in Köln auf Einladung des Koordinationsrates der Muslime (KRM) zu Beratungen über die Situation nach den Terroranschläge zusammengekommen. Unterzeichner der Erklärung sind neben den vier KRM-Mitgliedern Türkisch-Islamische Union (Ditib), Islamrat, Zentralrat der Muslime (ZMD) und Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ) die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken, die Islamische Gemeinschaft der Schiiten, der Verband Ahmadiyya Muslim Cemaat sowie der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland.

          Die Erklärung dieser in der Deutschen Islam-Konferenz vertretenen Organisationen wird von weiteren Migrantenverbänden unterstützt. Nach Angaben von KRM-Sprecher Zekeriya Altug repräsentieren die Religionsgemeinschaften nahezu alle organisierten Muslime in Deutschland und zwischen 60 und 70 Prozent der hier insgesamt lebenden Muslime, deren Zahl demnach auf rund vier Millionen geschätzt wird.

          KRM-Sprecher Altug sagte vor Journalisten in Köln, nach den Abschlägen von Paris müsse Botschaft hierzulande lauten: „Wir stehen zusammen im Schulterschluss gegen diejenigen, die uns auseinander dividieren wollen.“

          Zurückhaltend äußerte sich Altug über eine nun womögliche gestiegene Gefahr von anti-muslimischen Anschlägen auf Moscheen. „Das Sicherheitsproblem für Moscheen hat es auch vorher gegeben.“ Zuletzt seien „zwei- bis dreimal so viele Anschläge“ gezählt worden wie noch vor wenigen Jahren. In der aktuellen Situation hätten die muslimischen Religionsgemeinschaften aber „natürlich Sicherheitsbedenken bezüglich unserer Moscheen“.

          Weitere Themen

          Ukraine dementiert Einschluss von Lyssytschansk

          Ukraine-Liveblog : Ukraine dementiert Einschluss von Lyssytschansk

          Pro-russische Separatisten melden, Lyssytschansk sei umzingelt +++ Kiew: Russen versuchen verlorene Positionen im Osten zurückzuerobern +++ Bundesnetzagentur fürchtet einen Totalausfall russischer Gaslieferungen +++ alle Entwicklungen im Liveblog.

          Gewaltsame Proteste vor Parlamentsgebäude in Tobruk Video-Seite öffnen

          Libyen : Gewaltsame Proteste vor Parlamentsgebäude in Tobruk

          Die Demonstranten warfen in der Nacht zu Samstag Steine und entzündeten Feuer vor dem libyschen Parlamentsgebäude in der Stadt Tobruk. Sie verlangen die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen. Auch in der Hauptstadt Tripolis war es zu Protesten gekommen.

          Topmeldungen

          Verletzte sich auf dem von vielen Reitern gelobten Kurs: Allstar, hier mit Reiterin Rosalind Canter

          Chaos bei Reit-Veranstaltung : Blut und Tränen

          Ein totes Pferd sorgt für Bestürzung beim CHIO in Aachen, dem eigentlich größten Fest der Reiterei. Auch um die deutsche Dressur-Größe Isabell Werth gibt es reichlich Wirbel.
          Rachenabstrich in einem Testzentrum des Roten Kreuzes in Frankfurt am Main

          Corona-Herbst : Die FDP hat Zeit, das Land nicht

          Viel spricht dafür, dass die Bundesregierung das Land ein weiteres Mal weitgehend unvorbereitet in den Corona-Herbst schickt. Jeder kann sehen, wer dafür die Verantwortung trägt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.