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Nach Anschlägen von Brüssel : Belgiens gefährliche Terroristenjagd

  • Aktualisiert am

Dieser Verdächtige wurde von der Polizei angeschossen, er soll Sprengstoff in seinem Rücksack bei sich getragen haben. Bild: Reuters

Kontrollierte Sprengungen, ein angeschossener Verdächtiger, drei Männer in Gewahrsam: Die belgische Polizei versuchte am Karfreitag mit aller Macht, flüchtige Terroristen und mögliche Hintermänner festzusetzen. Auch in Deutschland gab es Festnahmen.

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          Nach mehreren Anti-Terror-Einsätzen am Freitag hält die belgische Justiz drei der insgesamt sechs Festgenommenen in Gewahrsam. Unter ihnen sei ein Mann, der in unmittelbarer Nähe des Gebäudes der Staatsanwaltschaft in der Brüsseler Innenstadt aufgegriffen wurde, teilte die Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. Bei einer der Festnahmen kam es durch kontrollierte Sprengungen zu mehreren Explosionen. Der belgische Sender RTBF berichtete, einer der Festgenommenen habe einen Koffer mit Sprengstoff bei sich getragen.

          Die Ermittler äußerten sich nicht dazu, in welchem Zusammenhang dieser Mann zu den Anschlägen vom Dienstag mit mindestens 31 Toten steht. Spekulationen, wonach der Mann der noch flüchtige Verdächtige vom Flughafen-Terrorkommando sein könnte, wurden laut Medienberichten zunächst nicht bestätigt. In Forest und Schaerbeek seien zwei Männer mit Namen „Tawfik A.“ und „Salah A.“ festgenommen worden, hieß es in der Mitteilung. Der Name des dritten Festgenommenen wurde nicht genannt. Die französische Polizei hatte am Donnerstag den 34 Jahre alten Reda Kriket festgenommen, der Verbindungen zu dem mutmaßlichen Drahtzieher der Pariser Anschläge vom November, Abdelhamid Abaaoud, gehabt haben soll.

          Die belgische Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag zudem Angaben aus Polizeikreisen, wonach es sich bei dem zweiten Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen um Najim Laachraoui handelte. Dieser war zuvor im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesucht worden, bei denen mehrere Attentäter am 13. November 130 Menschen getötet hatten.

          Laut Staatsanwaltschaft wurde Laachraouis DNA auf Sprengsätzen gefunden, die bei den Pariser Anschlägen verwendet wurden, sowie auf einem in der Pariser Konzerthalle Bataclan gefundenen Stofffetzen. Demnach handelte es sich bei den Sprengsätzen um eine Bombe, die am Fußballstadion gefunden wurde, sowie um eine Sprengstoffweste.

          Laachraoui war einer von zwei Selbstmordattentätern, die sich Dienstagmorgen am Brüsseler Flughafen Zaventem in die Luft gesprengt hatten. Bei dem zweiten handelte es sich um Ibrahim El Bakraoui. Dessen Bruder Khalid El Bakraoui sprengte sich etwa eine Stunde später im Brüsseler Europaviertel in einer U-Bahn in die Luft. Insgesamt wurden bei den Anschlägen 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt.

          Auch in Deutschland nahm die Polizei zwei Männer fest, die zum Umfeld der Brüssel-Attentäter gehören könnten. Offiziell bestätigten die Behörden am Freitag zwei Festnahmen in Gießen und im Raum Düsseldorf.

          Video : Explosionen und Verletzter bei Polizeirazzia in Brüssel

          Unter den Todesopfern der Anschläge von Brüssel ist auch eine Frau aus Aachen. Das teilte die Aachener Polizei am Freitag mit. Die Frau galt nach den Anschlägen in der belgischen Hauptstadt am Dienstag zunächst als vermisst, ihr Mann wurde schwer verletzt in ein belgisches Krankenhaus eingeliefert.

          „Nach heutigen Hinweisen der belgischen Polizei teilen wir mit, dass die bislang als vermisst geltende Ehefrau als ein Todesopfer des Anschlages am Brüsseler Flughafen identifiziert wurde“, hieß es in einer Erklärung der Aachener Polizei.

          Aus dem Auswärtigen Amt war am Donnerstag verlautet, dass unter den Verletzten auch deutsche Staatsangehörige „im einstelligen Bereich“ seien. Bis auf eine schwerverletzte Person hätten diese aber die Krankenhäuser wieder verlassen können. Aus dem Ministerium hieß es zudem bereits, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Deutsche auch unter den Todesopfern seien.

          Der Ort des Attentats auf die Metro-Station in Brüssel war auch drei Tage nach dem Anschlag noch abgesperrt.
          Der Ort des Attentats auf die Metro-Station in Brüssel war auch drei Tage nach dem Anschlag noch abgesperrt. : Bild: AFP

          Aus französischen Polizeikreisen hieß es, die Razzia am Freitag stehe im Zusammenhang mit der Festnahme eines Islamisten bei Paris vom Vortag. Am Donnerstag war in Argenteuil ein Mann festgenommen worden, der Verbindungen zu dem mutmaßlichen Drahtzieher der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, gehabt haben soll. Nach Angaben von Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve wurde durch die Festnahme ein „im fortgeschrittenen Stadium geplantes Attentat in  Frankreich vereitelt“ worden.

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