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Terror auf Weihnachtsmärkten : Fürchtet euch nicht

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Wie immer: Auch in Augsburg lässt sich niemand vom Besuch des Weihnachtsmarkts abschrecken. Bild: dpa

Im Jahr 2000 wurden vier algerische Islamisten auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt gehindert, eine Bombe zu zünden. Doch seitdem gelten auch Weihnachtsmärkte als mögliches Ziel. Wie kontrolliert die Polizei solche in Deutschland? Sieben Beispiele.

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          Düsseldorf – Die Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH hatte in diesem Jahr eigentlich auf Besucherrekorde gehofft auf den sieben Märkten in der Innenstadt. Daraus wird wohl nichts werden. Auch der Handelsverband Deutschlands, der bisher mit eine Umsatzanstieg in der konsumstarken Adventszeit von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr hoffte, befürchtet Einbußen. Die Stimmung wird ja auch nicht dadurch besser, dass zum Beispiel in Köln mehr private Sicherheitskräfte über die Märkte schlendern, dass die Buden-Betreiber aufgerufen werden, wachsamer zu sein, und dass nun auch auf dem größten hessischen Weihnachtsmarkt in Frankfurt die Polizei mit Streifen und Posten mehr Präsenz zeigt.

          Hamburg – Hamburg gilt inzwischen als „Weihnachtshauptstadt Nordeuropas“, der Budenzauber wird auch konsequent vermarktet. Die 16 Weihnachtsmärkte in der Stadt ziehen von Jahr zu Jahr mehr Besucher an. Zwölf Millionen Gäste allein im Dezember waren es im vergangenen Jahr, unter ihnen viele Ausländer. Der Markt auf dem Rathausplatz ist besonders beliebt. Ebenso der „frivole Weihnachtsmarkt“ Santa Pauli auf dem Spielbudenplatz im Vergnügungsviertel. Nach den ersten Tagen lässt sich sagen: Der Andrang in Hamburg ist so groß wie immer, auch die Stimmung. Von Terrorgefahr ist kaum die Rede. Die Polizei setzt auch nicht mehr Kräfte ein. „Es gibt keinen Grund, sich einschüchtern zu lassen“, hieß es aus der Innenbehörde. Hamburg Tourismus erwartet Zahlen wie im Vorjahr, „ein Plus von fünf Prozent wäre wünschenswert“.

          Weihnachtsmärkte : Ein mulmiges Gefühl bleibt

          Erfurt – An der Sicherheitslage auf den Thüringer Weihnachtsmärkten hat sich nach Auskunft des Innenministeriums in Erfurt während der vergangenen Tage „grundsätzlich nichts verändert“. Die Wachsamkeit sei erhöht, und die Sicherheitsbehörden schauten sich die Lage an. Es gebe keine konkreten Hinweise, sondern nur eine abstrakte Gefahr – und die gebe es bekanntlich immer, etwa wenn man bei Glatteis rausgehe oder wenn man Auto fahre.

          München – „Keine Angst vorm Krampus“, wird auf einem Plakat auf dem Münchner Weihnachtsmarkt am Marienplatz verkündet. Es ist keine Anspielung auf terroristische Gefahren, sondern eine Einladung an Kinder, sich mit bayerischem Brauchtum in der Adventszeit vertraut zu machen, bei dem wilde Gesellen mit Fellgewändern und Masken einen Kontrapunkt zum heiligen Nikolaus setzen. Die Stimmung am Marienplatz ist entspannt. Viele Familien mit kleinen Kindern sind zur Mittagszeit gekommen, um Currywürste und andere typisch bayerische Schmankerl zu genießen. Es patrouillieren nicht mehr Polizisten als in anderen Jahren durch die Budengassen; nur eine Zivilstreife, die in einem schwarzen BMW eine nahe Straße passiert, eine Polizeikelle sichtbar im Fahrzeug liegend, deutet auf eine erhöhte Wachsamkeit hin.

          Berlin – Der Spandauer Weihnachtsmarkt sei angenehm drängelfrei gewesen, berichteten Berlin-Besucher aus Bonn, offensichtlich nicht für Touristen gemacht, sondern für Spandauer und Berliner. Zwar gehört die Frage: „Sollte man 2015 auf den Besuch der Weihnachtsmärkte verzichten?“ zu denen, die viel und ausgiebig erörtert werden. Doch Weihnachten gleicht in Berlin ohnehin mehr der Kirmes als der stillen Einkehr und ist daher noch mehr als anderswo Geschmackssache. Die „Top 10“ werden auf der offiziellen Internetseite Berlins genannt, an erster Stelle der am ehesten als ruhig und gesittet geltende am Gendarmenmarkt. Er kostet Eintritt, so ist eine gewisse Kontrolle möglich. Und es gibt Regeln, die „nach Paris“ jeder versteht: „Das Mitbringen von Koffern, Trolleys und großen Rucksäcke ist nicht gestattet“. Die hübscheste Kulisse hat der Markt vor dem Schloss Charlottenburg, der bei Touristen derartig populär ist, dass Anwohner noch Monate später gereizt auf den Geruch aller im Glühwein verwendeten Gewürze reagieren lässt.

          Wiesbaden – Die Wiesbadener haben sich bisher an den Rat ihres Landesvaters Volker Bouffier gehalten, ihr Leben wie immer zu führen und also auch auf den – wirklich besonders schönen – Weihnachtsmarkt zu gehen. Zwar hat der kleine Wintereinbruch dazu geführt, dass mancher Glühweinfreund lieber in seiner Villa im Taunus geblieben ist, sonst, so ist bei der Stadt zu erfahren, ist alles wie gehabt. Vermutlich, weil alles ein bisschen anders als sonst ist: Die Polizei führt mehr Kontrollen aus, verdeckte und offene, wie es heißt. Bislang sei es rund um die 130 in den Farben Blau und Gold gestalteten Stände nicht zu Auffälligkeiten gekommen. Das wird auch den größten Nikolaus der Welt freuen, der für Dienstag und Mittwoch auf dem sogenannten Sternschnuppen-Markt erwartet wird.

          Stuttgart – Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt ist an diesem Mittwoch von Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) eröffnet worden. Eine Nachrichtenagentur meldete: „Keine Zwischenfälle bei Eröffnung.“ Die waren eigentlich auch nicht erwartet worden, denn der Polizei sind keine akuten Anschlagspläne bekannt, es gibt aber eine abstrakte Gefährdung. Die Besucher werden zur Wachsamkeit aufgerufen, die Polizei verstärkt ihre Streifendienste, des kann auch schon einmal Kontrollen geben. Sonst soll sich an den insgesamt 29 Markttagen angesichts der Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus aber nichts ändern. Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt – 1692 erstmals urkundlich erwähnt – zählt mit etwa vier Millionen Besuchern und 4200 Quadratmetern Standfläche zu den großen in Deutschland, beliebt ist er vor allem bei Touristen aus der Schweiz, die gern zum Einkaufen und Glühweintrinken in die baden-württembergische Landeshauptstadt kommen. „Wir sind sensibilisiert, wir haben für alle Fälle ein flexibles Personalkonzept, wir stellen jetzt aber keine Polizisten mit Maschinenpistolen auf den Markt, weil es nur eine abstrakte Gefahr gibt und wir auch nicht zusätzlich verunsichern wollen“, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Polizeipräsidiums.

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