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Luftschläge gegen IS : Treffer an empfindlicher Stelle

Die französischen Kampfflugzeuge fliegen wieder Luftangriffen gegen den IS. Bild: dpa

Die amerikanischen und französischen Luftangriffe nach der Terrorserie in Paris sollen den IS deutlicher als bisher schwächen. An einer anderen Front steht die Terrormiliz ebenfalls unter militärischem Druck.

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          Die Luftangriffe amerikanischer Kampfflugzeuge, die am Montag etwa 100 Tanklastwagen des IS zerstörten, sind schon geplant worden, bevor die dschihadistischen Terroristen ein Blutbad in Paris anrichteten. Sie sollten das IS-Regime an einer empfindlichen Stelle treffen, denn der Verkauf von Erdöl ist eine wichtige Einkommensquelle des IS.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die „New York Times“ zitierte amerikanische  Regierungsmitarbeiter mit den Angaben, es seien in der Nähe der Stadt Deir al Zor zwei Dutzend 500-Pfund-Bomben auf 295 Lastwagen abgeworfen worden. Die Ziele seien ferner mit Bordkanonen beschossen worden.

          Zuvor hatten französische Kampfflugzeuge Ziele in der syrischen IS-Hochburg Raqqa bombardiert. Am Sonntagabend griffen sie nach Angaben des Verteidigungsministeriums einen Kommandoposten, eine Rekrutierungsstelle, ein Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungscamp an.

          Paris fliegt seit mehreren Wochen schon einzelne Angriffe auf den IS auch in Syrien, nachdem sich Frankreich etwa ein Jahr lang auf Ziele im Irak beschränkt hatte. Nach den Terrorangriffen vom Freitag auf Paris dürfte sich das Militärengagement in Syrien verstärken.  

          Das IS-Regime in der Levante ist zuletzt an mehreren Fronten unter Druck geraten. Am Wochenende verkündete der Präsident von Irakisch-Kurdistan, Massud Barzani, den Sieg seiner Peschmerga-Einheiten in der nordirakischen Stadt Sindschar, die sie mit der Hilfe amerikanischer Luftangriffe und auch jezidischer Milizen aus den Händen der Dschihadisten befreien konnten.

          Diese hatten sich in Richtung der irakischen Bastion Mossul und in Richtung Raqqa zurückgezogen – nicht ohne in Sindschar vorher Sprengfallen zu legen. Mit der Schnellstraße Nummer 47, welche durch die Stadt läuft ist nun eine wichtige Verbindungsroute zwischen dem syrischen und dem irakischen IS-Territorium unterbrochen worden, auch wenn die Dschihadisten – zumindest bis zum Winter – noch auf kleine Überlandstraßen ausweichen können. 

          Einnahme der IS-Hauptstadt Raqqa als schwieriges Ziel

          Im Norden Syriens hatte sich eine Allianz vor allem aus kurdischen und arabischen Brigaden aber auch turkmenischen und christlichen Kämpfern gebildet, die mit amerikanischer Unterstützung – auch durch Spezialkräfte am Boden – auf Raqqa vorrücken sollen.

          Doch mehrere Presseberichte aus der Region legen nahe, dass es große Probleme gibt. Es herrscht Misstrauen gegenüber den mit der als Terrorgruppe geführten kurdischen PKK verbündeten YPG-Einheiten, welche die Allianz gegen den IS dominieren. Außerdem sind die anderen Kräfte der Allianz offenbar wenig diszipliniert und schlecht ausgerüstet.     

          Auch den schlagkräftigen Peschmerga-Einheiten im Nordirak stehen wohl noch verlustreiche Tage bevor. Es dürfte nicht so allzu einfach sein, die angestrebte Pufferzone einzurichten, welche die jezidischen Siedlungsgebiete um Sindschar vor den Angriffen des IS schützen soll.

          Mossul ist nicht weit entfernt und es drohen immer die gefürchteten Selbstmordangriffe, welche die Dschihadisten mit Autos führen, die sich mit Sprengstoff präpariert haben, und für deren Abwehr meist nur die rare Munition der Panzerabwehrwaffen taugt. 

          Der IS verfügt indes nicht nur über Kämpfer mit Todessehnsucht, sondern  über erfahrene Militärplaner aus der Sicherheitstechnokratie des früheren Saddam-Hussein-Regimes; sie waren immer wieder zu beachtlichen logistischen Leistungen im Stande.

          Immer wieder ist es dem IS gelungen, zurückzuschlagen. Vergangenen Frühjahr wurden die Dschihadisten aus dem irakischen Tikrit vertrieben – keine zwei Monate später eroberten sie die Provinzhauptstadt Ramadi.  

          In einer früheren Version des Artikels war davon die Rede, dass amerikanische Luftwaffensoldaten „From Paris with love“ auf die Bomben und Raketen geschrieben hätten, mit denen Stellungen des „Islamischen Staates“ (IS) in Syrien angegriffen werden sollten. Inzwischen sind berechtigte Zweifel aufgekommen, ob die dazu per Twitter verbreiteten Fotos mit der Inschrift echt sind. Deshalb hat FAZ.NET die Passage entfernt. 

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