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Nach Anschlägen in Paris : Israel kritisiert französische Geheimdienste

In diesen Zeiten braucht man Mut. Ein Herz und das Wort „Courage“ sind auf die Tür des Restaurants Casa Nostra gemalt, das am Freitagabend beschossen wurde Bild: dpa

Israelische Terrorfachleute kritisieren die französischen Geheimdienste: Nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ hätten sie nichts dazugelernt.

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          Israelische Terrorfachleute sind sich nach den Anschlägen in Paris einig. „Die Geheimdienste haben versagt“, sagt Boaz Ganor. Nicht nur für den Direktor des „International Institute for Counterterrorism“ ist das, was am Freitagabend geschah, ein weiterer Beweis dafür, wie wenig die französischen Geheimdienste seit den Attentaten auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und den koscheren Supermarkt in Paris im Januar dazugelernt haben. Nach Ganors Ansicht haben die französischen Sicherheitsbehörden offenbar nicht mitbekommen, dass die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in den vergangenen Monaten ihre Strategie gewechselt hat. Die Chance, rechtzeitig mehr zu wissen, sei ungenutzt geblieben.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zunächst habe sich der IS in Europa damit begnügt, Einzeltäter zu inspirieren und zu radikalisieren und sich mit seinen Aktivitäten auf den Nahen Osten konzentriert. Die Großaktion am Freitag zeige jedoch, dass der IS seine Vorgehensweise grundlegend geändert hat: Die koordinierten Anschläge setzten eine monatelange Vorbereitung und zahlreiche Beteiligte voraus. Möglicherweise hätten sich die Geheimdienste aber weiter zu sehr auf die „einsamen Wölfe“ konzentriert, sagte Ganor dieser Zeitung.

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          Der israelische Geheimdienstkenner Ronen Bergman von der Zeitung „Jediot Ahronot“ hat den Eindruck, dass Frankreich seit Januar einfach „weitergeschlafen“ habe, statt den Sicherheitsapparat grundlegend zu reformieren. Westliche Geheimdienstler berichteten, dass Frankreich weiterhin zögere, Informationen mit Partnern zu teilen und den eigenen Antiterrorkampf besser international zu koordinieren, sagt Bergman dieser Zeitung. Manche sprächen dabei von „Arroganz“ und einem falsch verstandenen Stolz, Schwierigkeiten einzugestehen.

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          Hinweise aus Amerika

          So habe Frankreich vor zwei Wochen aus Amerika Hinweise darauf erhalten, dass sich die Kommunikation zwischen IS-Mitgliedern im Nahen Osten und möglichen französischen Unterstützern zuletzt deutlich intensiviert habe. Frankreich habe darauf aber nicht präventiv reagiert, sondern vor allem den Schutz seiner Auslandsvertretungen verstärkt. „Durch eine effektive Kombination von geheimdienstlicher Tätigkeit und präventiven Operationen lässt sich Terrorismus besiegen“, sagt Bergman - und nennt als Beispiel den erfolgreichen Kampf Israels gegen den Selbstmordterror der Hamas.

          Die Zeitung „Maariv“ hielt am Sonntag verstärkte Geheimdienstaktivitäten nicht mehr für ausreichend. Europäer, Amerikaner und ihre arabischen Partner müssten einsehen, dass „IS und Al Qaida ausgelöscht werden müssen“. Letztlich seien dafür Bodentruppen nötig. Das Problem sei, dass die westliche Öffentlichkeit „maximale Sicherheit fordert, um ihren Alltag fortzusetzen, aber nicht bereit ist, den Preis zu zahlen, der dafür nötig ist“.

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