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Kommentar : Auf Nummer sicher

In Alarmbereitschaft: Polizisten im Münchner Hauptbahnhof Bild: Andreas Müller

So richtig schlau wird man aus den ersten Informationen nicht, die über die mutmaßlichen Anschlagspläne in München bekannt geworden sind. Trotzdem: Die bayerische Polizei hat richtig gehandelt.

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          So richtig schlau wird man aus den ersten Informationen nicht, die über die mutmaßlichen Anschlagspläne in München bekannt geworden sind. Der Hauptbahnhof der bayerischen Hauptstadt wäre ohne Zweifel ein attraktives Ziel für den sogenannten „Islamischen Staat“, weil er in aller Welt als Symbol der deutschen Willkommenskultur bekannt geworden ist. Die Terrorbande will ja verhindern, dass ihr die Einwohner ihres „Staats“ davonlaufen; außerdem ist die großzügige Aufnahme von Flüchtlingen durch „Ungläubige“ ein Problem für ihre Propaganda. Aber um Mitternacht wären wohl nicht allzu viele Leute in dem Bahnhof gewesen, auch keine Flüchtlinge. Und Pasing? Dieser ganz normale Stadtteil scheint so gar kein Merkmal zu besitzen, das die Aufmerksamkeit von Terroristen erregen könnte.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Trotzdem hat die Münchner Polizei richtig gehandelt. Wenn so kurzfristig eine offenbar mit konkreten Hinweisen versehene Anschlagswarnung eingeht, dann muss die Allgemeinheit geschützt werden. Die Abriegelung der möglichen Tatorte war eine angemessene Reaktion, sogar noch eine recht begrenzte. Dass man sich in der Silvesternacht auch in Brüssel nur noch mit der Absage einer öffentlichen Veranstaltung zu behelfen wusste, zeigt, dass die Polizei in ganz Europa derzeit auf Nummer sicher geht. Das ist vertretbar, sollte auf Dauer aber durch stärker vorausschauende Konzepte zum Schutz des gesellschaftlichen Lebens ergänzt werden. Denn es kann noch nicht einmal ausgeschlossen werden, dass der IS oder andere Gruppen die Nachrichtendienste gezielt mit falscher Information füttern, um auf diese Weise Unruhe zu stiften oder die westliche Reaktionsfähigkeit zu testen.

          Eine ernste Anschlagsgefahr gibt es in Deutschland nicht erst seit den Attentaten von Paris. Unser Land ist ein leuchtendes Aushängeschild der freien Welt, welche die Dschihadisten zerstören wollen, und es ist seit langem am Kampf gegen ihr Unwesen beteiligt – früher in Afghanistan, heute im Irak und in Syrien. Dass die Gefahr größer ist als von ein paar Jahren, hat viele Gründe, vor allem aber einen: die Existenz eines großen terroristischen Herrschaftsgebiets vor den Toren Europas. Die Vernichtung des IS ist die erste und wichtigste Voraussetzung dafür, dass auch in Deutschland die Sicherheitslage wieder besser wird.

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