https://www.faz.net/-gpf-8hgxx

Kampf gegen den Terror : Doppel-Offensive gegen IS-Hochburgen

  • Aktualisiert am

Irakische Truppen greifen Stellungen des „Islamischen Staats“ in Falludscha an. Bild: AP

Nachdem die irakische Armee die vom „Islamischen Staat“ gehaltene Stadt Falludscha angreift, sieht sich die Terrormiliz nun auch Angriffen in Raqqa ausgesetzt. An den Angriffen will sich auch Russland beteiligen.

          Die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) ist mit einer Doppel-Offensive gegen ihre Hochburgen Raqqa in Syrien und Falludscha im Irak konfrontiert. Eine kurdisch-arabische Allianz startete am Dienstag mit mehreren tausend Kämpfern einen Angriff bei Raqqa im Norden Syriens, nachdem die irakische Armee am Montag auf Falludscha im Westen des Irak vorgerückt war. In Raqqa wurden laut syrischer Beobachtungsstelle für Menschenrechte 22 IS-Kämpfer getötet.

          Der Angriff in der Provinz Raqqa werde von der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition unterstützt, gaben die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) über den Kurzbotschaftendienst Twitter bekannt. „Wir starten eine Operation, um den Norden von Raqqa zu befreien“, hieß es weiter. Die SDF verfügen insgesamt über rund 25.000 kurdische und 5000 arabische Kämpfer.

          Die SDF-Einheiten hätten Angriffe in den ländlichen Regionen bei Raqqa begonnen, dadurch erhöhe sich der Druck auf die Stadt selbst, sagte Steve Warren der Sprecher des amerikanischen Militärs in Bagdad. Er veranschlagte die Zahl der IS-Kämpfer in Raqqa auf 3000 bis 5000. Warren wollte sich nicht festlegen, wann eine Eroberung Rakas gestartet werden könnte. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien teilte mit, bei den Luftangriffen auf Raqqa und nördlich der Stadt seien 22 IS-Kämpfer getötet worden.

          Die IS-Miliz hat weite Landesteile im Irak und in Syrien erobert und in den von ihr gehaltenen Gebieten einen islamischen Gottesstaat ausgerufen. Die Vereinigten Staaten fliegen seit Sommer 2014 gemeinsam mit Verbündeten Luftangriffe auf IS-Stellungen. Für den Kampf am Boden setzt Washington in Syrien auf kurdische Verbände sowie gemäßigte arabische Milizen. Raqqa gilt als die faktische Hauptstadt des „Kalifats“ der Dschihadisten. Wenn Raqqa falle, „dann ist das der Anfang vom Ende des Kalifats“, sagte Warren.

          Falls die Vereinigten Staaten die IS-Organisation tatsächlich „eliminieren“ wollten, dann müssten sie sie „an mehreren Fronten gleichzeitig angreifen“, sagte Fabrice Balanche vom Washington Institute. Inzwischen wäre es „nicht schwer“, die Straße zwischen Raqqa und der IS-Hochburg Mossul im Norden Iraks abzuschneiden. Damit würde mit dem „Mythos von einem transnationalen Islamischen Staat“ aufgeräumt.

          Vorwürfe an den Westen

          Auch Russland ist an der Seite des syrischen Machthabers Baschar al-Assad am Kampf gegen Dschihadisten in Syrien beteiligt. Moskau kündigte nun seine Bereitschaft an, beim Gefecht um Raqqa mit der westlichen Koalition sowie mit der kurdisch-arabischen Allianz zusammenzuarbeiten. Außenminister Sergej Lawrow sagte nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Tass bei einem Aufenthalt in Usbekistan, Russland sei „bereit zu seiner solchen Abstimmung“.

          Raqqa sei „eines der Ziele der Anti-Terror-Koalition, so wie Mossul im Irak“, sagte Lawrow. Diese Städte hätten „viel effizienter und schneller“ vom IS zurückerobert werden können, wenn das Militär aus den Vereinigten Staaten und Russland schon länger koordiniert vorgegangen wären.

          Im Irak hatte Ministerpräsident Haider al-Abadi in der Nacht zu Montag im Staatsfernsehen erklärt: „Wir beginnen den Einsatz zur Befreiung Falludschas“. Auch das militärische Oberkommando teilte mit, die Offensive auf die vor knapp zweieinhalb Jahren vom IS eingenommene Stadt rund 50 Kilometer westlich von Bagdad laufe.

          Weitere Themen

          Kurz fordert Entlassung von Innenminister Kickl Video-Seite öffnen

          Regierungskrise in Österreich : Kurz fordert Entlassung von Innenminister Kickl

          Im Zuge des Ibiza-Skandals hat Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz die Entlassung von FPÖ-Innenminister Herbert Kickl gefordert. Er habe Präsident Alexander van der Bellen Kickls Entlassung "vorgeschlagen", sagte Kurz. Wegen der Entlassung von Kickl will die rechtspopulistische FPÖ wie angekündigt sämtliche Minister aus der Regierung abziehen.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Boden : Von der Musterehe zum Rosenkrieg

          Aus den Rissen in der türkis-blauen Koalition wurden durch die Ibiza-Affäre in beeindruckender Geschwindigkeit Gräben. Die Neuwahl ist für Sebastian Kurz eine Chance, mehr Stimmen für die ÖVP zu gewinnen – aber sie birgt auch ein großes Risiko.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.