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Kerry in Paris : „Die Angriffe werden verstärkt“

Der amerikanische Außenminister John Kerry am Dienstag vor dem Amtssitz des französischen Präsidenten. Bild: dpa

Der amerikanische Außenminister hat in Paris mehr Angriffe auf den IS versprochen. Nach einem Treffen mit Frankreichs Hollande forderte er auch eine Einbindung Russlands.

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          Amerika lässt Frankreich im Kampf gegen den Terror nicht allein. „Wir werden unsere Anstrengungen im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat intensivieren“, sagte der amerikanische Außenminister John Kerry nach einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande im Elysée-Palast. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) kontrolliere inzwischen Dreiviertel der syrischen Landesgrenzen. Dies könne nicht hingenommen werden, sagte Kerry. „Die Angriffe werden verstärkt“, sagte der Außenminister. Er betonte ausdrücklich, dass auch Russland in die Beratungen mit einbezogen werden soll. Frankreich hat unterdessen offiziell die EU-Partner um militärischen Beistand gebeten.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Wir werden den Islamischen Staat gemeinsam besiegen“, sagte der amerikanische Außenminister John Kerry bereits am Montagabend nach seiner Ankunft vor der amerikanischen Botschaft in Paris, die in die Farben der Trikolore-Farbe getaucht war. Kerry bestätigte, dass Präsident Barack Obama den französischen Präsidenten nächste Woche in Washington empfangen wird, um über die nächsten Etappen im Syrien-Einsatz und über die geplante UN-Resolution zu beraten.

          Hollande wiederum macht Druck auf Washington und Moskau, den IS zu zerstören. Die bisherigen Luftoperationen der von Amerika geführten Allianz werden als nicht effizient angesehen. Frankreich will die Operationen gegen IS fortan mit Russland koordinieren. Geplant ist ein Gespräch Hollandes mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in den nächsten Tagen.

          Der Besuch Kerrys wird in Paris auch als Geste verstanden, um die Irritationen über die mangelnde amerikanische Anteilnahme nach den Januar-Anschlägen zu beseitigen. Amerika hatte als einzige große Macht nur seine Botschafterin zu dem Solidaritätsmarsch der Staats- und Regierungschefs am 11. Januar in Paris entsendet. Auch ging Amerika nach französischen Angaben bislang außerordentlich sparsam mit der Weitergabe von Aufklärungsmaterial im syrisch-irakischen IS-Gebiet an Frankreich vor. Das hat sich nun geändert und ermöglicht der französischen Luftwaffe verstärkt IS-Stellungen zu bombardieren. Präsident Hollande dankte in Versailles ausdrücklich für die amerikanische Unterstützung. „Ich danke unseren amerikanischen Verbündeten, die uns nützlicherweise ihre Hilfe bei dieser Operation erwiesen haben“, sagte Hollande.

          In Frankreich wächst der Unmut über die zögerliche Haltung der EU-Partner. Führende Stimmen der Opposition kritisierten, die EU begnüge sich mit Solidaritätserklärungen, betrachte den Kampf gegen IS aber weiterhin als französisches Anliegen. Auch Hollande mahnte die europäischen Partner, vor allem Deutschland, dazu, sich nicht von dem Krieg gegen den Terror auszunehmen. „Europa kann nicht weiter mit der Idee leben, dass die Krisen in ihrem Umfeld sie nichts angehen. Die Frage der Flüchtlinge ist direkt mit dem Krieg in Syrien und im Irak verknüpft“, sagte Hollande. Er sagte, die Terrororganisation IS sei nicht nur ein Feind Frankreichs. „IS ist ein Feind Europas“, sagte Hollande. Der Präsident beschwerte sich, dass die europäischen Grenzkontrollen, um sich vor dem Feind zu schützen, „nicht effizient“ seien.

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