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Islamistischer Terror : Ausweitung der Kampfzone

Triumphzug: Kämpfer der Terrormiliz IS bei einer Parade im Januar 2014 im syrischen Raqqa, der sogenannten Hauptstadt des „Islamischen Staates“ Bild: AP

Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt erreichte der islamistische Terror gefährlichere Eskalationsstufen. Die Attentatsserie von Paris ist nicht die Endstation des Krieges, der die Terrorherrschaft des „Islamischen Staates“ ausweiten soll.

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          Es war der vierte Terroranschlag des „Islamischen Staats“ in diesem November außerhalb seines Herrschaftsgebiets in Syrien und im Irak. Erst tötete der Anschlag auf ein Flugzeug über dem Sinai russische Urlauber, dann schoss in einer amerikanischen Ausbildungseinheit nahe Amman ein jordanischer Polizist im Namen des IS auf Soldaten, am Donnerstag richteten Selbstmordattentäter in Beirut ein Blutbad an – und nun in Paris der vierte Terroranschlag.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          „Im Herzen Europas beginnt ein Krieg.“ So lautet der erste Satz eines E-Buchs, das im Juni bekannt wurde und den Titel trägt: „Wie man im Westen überlebt“; als „Handbuch für Mudschahedin“ gibt es Dschihadisten Ratschläge für die Planung von Anschlägen in Europa. In diesem Monat wird der Satz wahr, der islamistische Terror erreiche eine neue Eskalationsstufe. Al Qaida hatte, in der Sprache Bin Ladins, von Afghanistan aus seit 1993 gegen die „Kreuzritter und Zionisten“ sowie das Haus Saud gekämpft.

          Darüber hinaus reichte dann der Terror des IS; seit Abu Musab al Zarqawi 2004 einen Vorläufer des IS im Irak gründete, richtete er sich gegen die „Feinde Allahs“, also jene, die sich dem IS in den Weg stellten. Das war aber nicht die Endstation des Terrors.

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          Eine neue Eskalationsstufe

          Heute, ein gutes Jahrzehnt später, erreicht der islamistische Terror eine neue Eskalationsstufe. Seit dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 ist klargeworden, dass sich Al Qaida und IS zusammenschließen – in der Terrornacht von Paris hat sich das bestätigt.

          Der Terror der kommenden Jahre zeichnet sich damit ab: Nicht mehr einzelne Gruppen werden terrorisiert. Nun wird der Rest der Welt mit Krieg überzogen. Sie ist nun „Kriegsgebiet“, auf Arabisch „Dar harb“.

          Die traditionelle islamische Theologie hatte die Welt noch in „das Gebiet des Islams“ (Dar al islam) und „das Gebiet des Kriegs“ (Dar al harb) unterteilt. Dieses „Gebiet des Kriegs“ hatte Grenzen; ausgespart waren vom Krieg die nichtislamischen Länder, die einen Vertrag mit einem islamischen Herrscher hatten. Der neue Terror erkennt das nicht mehr an. Durch den Wegfall des Artikels „al“ wird der Krieg in alle Länder der „Ungläubigen“ getragen, der Krieg unterliegt keinen Beschränkungen mehr. Für diesen totalen Krieg gibt es einen Namen, „Dschihad“, und ein Ziel: über die vielen IS-Ableger die Herrschaft eines weltweiten Kalifats.

          Parade in Raqqa: IS-Kämpfer posieren auf Panzern im Juni 2014
          Parade in Raqqa: IS-Kämpfer posieren auf Panzern im Juni 2014 : Bild: AP

          Die heutige Ideologie des Dschihad hat sich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt. Vorausgegangen war unter ägyptischen Intellektuellen eine Diskussion, wie die islamische Welt auf die Überlegenheit der westlichen Kolonialmächte reagieren soll.

          Zunächst hatte sich der Reformtheologe Muhammad Abduh (1849 bis 1905) an die Elite seines Landes gewandt und die Wiederbelebung des verschwundenen kulturellen Erbes gefordert. Auf ihn folgte Hassan al Banna (1906 bis 1949).

          Er identifizierte einen Werteverfall, appellierte an die Gesellschaft und wollte mit der Organisation der Muslimbruderschaft, die er 1928 gründete, die Menschen zu einem reinen Islam hinführen, um ihnen Rückhalt und Identität gegenüber dem überlegenen Westen zu geben.

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