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Prozess gegen Salafist : Islamist Sven Lau wegen Terrorverdachts vor Gericht

  • -Aktualisiert am

Verhaftung Laus am 15. Dezember 2015 in Mönchengladbach Bild: dpa

Sven Lau gilt als einer der begabtesten Selbstdarsteller der deutschen Salafistenszene. Von Gewalt aber distanzierte er sich. In Düsseldorf muss er sich nun vor Gericht verantworten. Er soll eine Terrorgruppe in Syrien unterstützt haben.

          Der bisher letzte spektakuläre Auftritt von Sven Lau war alles andere als freiwilliger Natur. Mitte Dezember nahmen Spezialkräfte der nordrhein-westfälischen Polizei im Auftrag des Generalbundesanwalts den 35 Jahre alten Mann, der als einer der bekanntesten deutschen Salafistenprediger gilt, in seiner Heimatstadt Mönchengladbach fest. Es gibt eine Fotografie von dem Zugriff. Darauf ist zu sehen, wie zwei vermummte Beamte den orientierungslosen Lau in eine dunkle Limousine bugsieren: Lau trägt eine große blickdichte Brille auf der Nase und klobige Kopfhörer auf den Ohren. Es sieht aus, als werde der „Staatsfeind Nummer eins“ abgeführt.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Sven Lau, der sich selbst „Abu Adam“ nennt, gilt schon lange als einer der begabtesten Selbstdarsteller und Wichtigtuer der Salafistenszene in Deutschland. Mit maximaler medialer Wirkung gelang es ihm vor genau zwei Jahren, eine Missionierungsprovokation zu erzielen. In orangefarbenen Warnwesten mit der Aufschrift „Sharia Police“ ging Lau gemeinsam mit einer Handvoll seiner Anhänger in Wuppertal „auf Streife“. Besucher von Spielhallen, Diskotheken und Sonnenstudios forderten die selbsternannten Sittenwächter dazu auf, keinen Alkohol zu trinken, kein Glücksspiel zu betreiben, keine Musik zu hören. Sogar die Bundesregierung sah Anlass zu scharfen Reaktionen. Von Gewalt distanzierte sich Lau öffentlich und wurde auch vom Verfassungsschutz lange Zeit nicht dem dschihadistischen Teil der Salafistenszene in Deutschland zugerechnet.

          Wegen Terrorverdacht vor Gericht

          Doch von diesem Dienstag an muss sich der Prediger vor einem der Staatsschutzsenate des Oberlandesgerichts Düsseldorf wegen Terrorverdachts verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft Lau vor, ein aktiver Unterstützer der Terrorvereinigung „Armee der Auswanderer und Helfer“ (JAMWA) gewesen zu sein, die eng mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verbunden ist. Nach Überzeugung der obersten deutschen Ankläger war Lau von Deutschland aus als verlängerter Arm von JAMWA tätig. Lau habe als „eine Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige, insbesondere aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf“, gewirkt.

          Zwei Salafisten soll Lau mit Hilfe eines der bekanntesten dschihadistischen Schleuser zu JAMWA nach Syrien gelotst haben. Bei einem der beiden Männer handelt es sich um den zwischenzeitlich in Stuttgart zu viereinhalb Jahren Haft verurteilten Ismail I., der Lau in den Vernehmungen schwer belastet hat. Lau soll die Terrorvereinigung unter dem Deckmantel humanitärer Hilfeleistungen unterstützt haben - unter anderem soll er mehrere Fahrzeuge besorgt haben. „Helfen in Not“ heißt ein Verein, den Lau unterstütze. Verfassungsschützer hatten den vor drei Jahren gegründeten Verein schnell im Verdacht, nicht nur humanitäre Hilfe zu leisten, sondern auch als eine Art Reisebüro für Dschihad-Willige zu fungieren. Bald fiel den Ermittlern auf, dass auch aus Laus Umfeld junge Männer und Frauen nach Syrien verschwanden.

          Ende September 2013 war Lau dann auch selbst in Syrien, wo er 250 Euro an Ismail I. übergeben und den Auftrag erhalten haben soll, Nachtsichtgeräte im Wert von mehr als 1400 Euro für die Terroreinheit zu kaufen. Diese brachte er laut Anklage wenig später entweder selbst oder über eine islamistische Hilfsorganisation in das JAMWA-Basislager nach Syrien.

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