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Islamische Extremisten : Organhandel-Vorwürfe gegen IS

  • Aktualisiert am

IS-Kämpfer patroullieren in ihrer Hochburg Rakka auf einem als authentisch eingestuften Propagandabild Bild: AP Photo/Militant Website

Wenn das Opfer ein „Ungläubiger“ sei, könnten seine Organe entnommen werden, soll der IS bestimmt haben. So steht es in muslimischen Rechtsauskünften, die Amerikas Regierung jetzt veröffentlicht hat.

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          Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat angeblich die Organentnahme auch von lebendigen Gefangenen für zulässig erklärt. Voraussetzung sei, dass es sich um „Ungläubige“ handle und dass dadurch das Leben eines Moslems gerettet werden könne, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Bezug auf Dokumente, die der amerikanischen Regierung in die Hände gefallen seien.

          Die Authentizität dieser Fatwas, muslimischer Rechtsauskünfte, könne nicht unabhängig geklärt werden, so Reuters. Sie nährten jedoch den Verdacht, dass der IS sich auch über Organhandel finanzieren könnte.

          „Das Leben und die Organe des Ungläubigen müssen nicht respektiert werden und dürfen straffrei genommen werden“, heißt es in der Fatwa laut einer englischen Übersetzung. Die auf Januar 2015 datierten Dokumente hätten amerikanische Spezialkräften im Mai bei einer Kommandoaktion gegen den IS-Kommandeur Abu Sajjaf erbeutet, sagte Brett McGurk, der in Präsident Barack Obamas Regierung für die globale Anti-IS-Koalition zuständig ist. Offenbar gehe es Washington mit der Veröffentlichung darum, Unterstützung für sein Vorgehen gegen den IS zu gewinnen, schreiben die Reuters-Journalisten.

          Saudi-Arabien: Schlüsselrolle oder Nährboden für Terror?

          Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier setzt im Kampf gegen den IS unterdessen auf Saudi-Arabien. Dem Land komme als muslimische Führungsmacht „eine Schlüsselrolle“ zu, sagte Steinmeier den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Man brauche die islamische Welt, um dem IS den ideologischen Nährboden zu entziehen. Deshalb sei es gut, dass die „islamischen Staaten den Terrorismus gemeinsam bekämpfen wollen“. Saudi-Arabien hat nach eigener Darstellung mehr als 30 muslimisch geprägte Länder für ein Bündnis gegen den IS gewonnen.

          Saudi-Arabien mit seinem streng wahhabitischen Herrscherhaus gilt Kritikern allerdings als mitverantwortlich für das Erstarken des extremistischen Islamismus, als „Nährboden des Terrors“.

          Steinmeier verteidigt Bundeswehr-Beteiligung

          Steinmeier wies darauf hin, dass der IS im vergangenen Jahr rund ein Viertel des von ihm besetzten Territoriums verloren habe. Dies sei auf die Luftangriffe der internationalen Koalition zurückzuführen sowie auf den Kampfeinsatz der kurdischen Peschmerga im Irak. Die Bundeswehr hilft der Miliz mit Ausbildern und Waffen.

          Inzwischen unterstützt die Bundeswehr auch die Luftangriffe gegen den IS in Syrien. Steinmeier verteidigte die Entscheidung: „Die Bedrohung durch den IS endet nicht an Deutschlands Grenzen. Deshalb kann die Antwort nicht heißen: Türen schließen, Rollläden runterziehen, Licht ausschalten und hoffen, dass es nur den Nachbarn trifft, bei dem noch Licht brennt“.

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