https://www.faz.net/-gpf-8hrlt

Geplanter Anschlag in Düsseldorf : Ein lange befürchtetes Szenario

  • -Aktualisiert am

Beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe wird ein Terrorverdächtiger dem Haftrichter vorgeführt. Bild: dpa

Die drei mutmaßlichen Terroristen des „Islamischen Staates“ kamen über die Balkanroute nach Deutschland. Ihr geplanter Anschlag in Düsseldorf wurde vereitelt. Bekannt wurden ihre Pläne aber nicht durch Geheimdienste.

          Als Ralf Jäger (SPD) am Donnerstagmorgen in den Innenausschuss des Landtags kommt, um sich den bohrenden Fragen der Abgeordneten zu dem Anschlag zweier jugendlicher Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) auf den Sikh-Tempel in Essen zu stellen, weiß der nordrhein-westfälische Innenminister schon, dass sich wenig später eine völlig neue Nachrichtenlage entwickeln wird. Sie beginnt um kurz vor elf Uhr mit einer Meldung aus Herne. Dort hatte am frühen Morgen ein Spezialeinsatzkommando der Polizei die Wohnung eines Syrers gestürmt, der einen Sprengstoffanschlag im Raum Berlin geplant haben soll. Doch offensichtlich lässt sich der Verdacht nicht erhärten; der 25 Jahre alte Syrer muss wieder freigelassen werden.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Wenig später wird ein weitaus brisanterer IS-Fall bekannt: Generalbundesanwalt Peter Frank hat in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg drei Männer aus Syrien festnehmen lassen, die im Auftrag des IS in der Düsseldorfer Altstadt ein ähnliches Massaker vorbereitet haben sollen wie es eine Pariser Terrorzelle im vergangenen November tatsächlich verübte. Nach Erkenntnissen der Ermittler planten die nun Festgenommenen, dass sich zunächst zwei Selbstmordattentäter auf der Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorfer Zentrum in die Luft sprengen sollten. Anschließend sollten weitere Attentäter möglichst viele Passanten mit Gewehren und Sprengsätzen töten.

          Hunderte Bars, Restaurants und Gaststätten

          Ein Anschlag im Zentrum der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt würde der Machart des Anschlags auf das Pariser Nachtleben gleichen. Die Düsseldorfer Altstadt ist eine bekannte Amüsiermeile, die gerne auch als „längste Theke der Welt“ bezeichnet wird. Der Superlativ soll den Umstand beschreiben, dass es im „Städtchen“ (wie die Düsseldorfer sagen) auf nur einem Quadratkilometer mehrere hundert Bars, Restaurants und Gaststätten gibt.

          Zwar hat die Bundesanwaltschaft keine Hinweise dafür, dass die Beschuldigten, die Medienberichten zufolge zuletzt in Flüchtlingsunterkünften gelebt haben sollen, unmittelbar vor einem Attentat standen. Beruhigend scheint das jedoch nicht. Dafür sind die Informationen der Ermittler über die mutmaßlichen IS-Terroristen und ihre Pläne zu konkret. Einer der Beschuldigten, Abd Arahman A. K., soll bereits 2013 in Syrien für die Terrorvereinigung „Jabat al-Nusra“ Sprenggürtel und Granaten gebaut haben. Seine Aufgabe soll es gewesen sein, für den geplanten Angriff in Düsseldorf Sprengstoffwesten herstellen. A. K. reiste schon im Oktober 2014 nach Deutschland ein. Ebenso wie er kamen nach Erkenntnissen der Ermittler auch Saleh A. und Hamza C. im direkten Auftrag der IS-Führung aus Syrien nach Deutschland – mit dem konkreten Auftrag für einen Anschlag in Düsseldorf.

          Weitere Themen

          „Nun ruht er in Frieden“

          Die Opfer aus Christchurch : „Nun ruht er in Frieden“

          50 Menschen sind bei dem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland ums Leben gekommen. Eine Erinnerung an die Opfer des grausamen Attentats, das wohl aus einer rassistischen Ideologie heraus begangen wurde.

          Erdogan droht nach Moschee-Attentat mit Vergeltung Video-Seite öffnen

          Erste Opfer beigesetzt : Erdogan droht nach Moschee-Attentat mit Vergeltung

          Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sorgen für Unmut in der neuseeländischen Regierung. Erdogan hatte die Anschläge als Angriffe auf den Islam und auf die Türkei verurteilt und drohte Menschen mit antimuslimischer Gesinnung Vergeltung an.

          Trikottausch im Weißen Haus Video-Seite öffnen

          Soccer und Nato : Trikottausch im Weißen Haus

          Donald Trump und Brasiliens ultrarechter Staatschef Jair Bolsonaro haben bei ihrem ersten Treffen große Einigkeit demonstriert. Trump brachte sogar eine Nato-Mitgliedschaft des südamerikanischen Landes ins Spiel.

          Topmeldungen

          Nach Moschee-Attentat : Erste Opfer von Christchurch beigesetzt

          Neuseeland will der Opfer am Freitag mit zwei Schweigeminuten gedenken. Unterdessen bestellt Australiens Premier Morrison den türkischen Botschafter ein: Die Äußerungen Erdogans hinsichtlich des Anschlags seien „sehr beleidigend“.
          Thomas Gottschalk versucht sich an einer neuen Literatursendung im Bayerischen Rundfunk.

          TV-Kritik: „Gottschalk liest?“ : Prominenz statt Kompetenz

          Die erste Ausgabe von „Gottschalk liest?“ ist ein Desaster für den Fernsehstar. Kritische Bemerkungen sind im Konzept der Sendung nicht vorgesehen, doch sowohl Publikum als auch Gäste verweigern den von Gottschalk angestrebten witzigen Grundton.

          Besuch in Washington : Trump und Bolsonaro „Seite an Seite“

          Bei ihrem ersten Treffen bieten Trump und Bolsonaro ein Bild der Einigkeit. Die gemeinsamen Werte, die sie betonen, decken sich in vielem mit der Agenda der Rechten in den Vereinigten Staaten und Brasilien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.