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Kampf gegen den IS : Irakische Armee beginnt Offensive auf Ramadi

  • Aktualisiert am

Irakische Soldaten in ihrem Lager bei Ramadi Bild: AP

Seit Wochen versucht die irakische Armee, die vom IS kontrollierte Stadt Ramadi zurückzuerobern. Ob die Zivilbevölkerung vor dem angekündigten Angriff auf die Provinzhauptstadt fliehen konnte, ist unklar.

          Die irakische Armee ist am Dienstag in das Zentrum der Stadt Ramadi vorgestoßen. Mit der Offensive will sie die Extremistenmiliz „Islamischer“ Staat (IS) vertreiben, die die Hauptstadt der westlichen Provinz Anbar seit Mai besetzt hält. Der Angriff habe in den frühen Morgenstunden begonnen, sagte ein Militärsprecher. Zuvor hatte die Armee monatelang die Nachschublinien des IS unter Beschuss genommen.

          „Unsere Streitkräfte dringen zum Regierungskomplex im Stadtzentrum vor“, sagte Militärsprecher Sabah al-Numani. Die Luftwaffe unterstütze die Bodentruppen bei den Kämpfen. Der irakische Geheimdienst schätzt die Zahl der in Ramadi verbliebenen IS-Kämpfer auf 250 bis 300. Am Sonntag hatte die Luftwaffe über Ramadi Flugblätter abgeworfen, in denen die Bevölkerung aufgefordert worden war, die Stadt binnen 72 Stunden zu verlassen.

          Begonnen hatte der Angriff am Euphrat. Die Soldaten hätten den Fluss über eine Brücke überquert, die Pioniere nach der Zerstörung durch den IS wieder repariert hätten. Die Flussüberquerung sei die komplizierteste Phase gewesen, da die Gegner Scharfschützen und Selbstmordattentäter gegen die Soldaten eingesetzt hätten, sagte der Militärsprecher.

          Sollte die Rückeroberung des 100 Kilometer westlich von Bagdad gelegen Ramadi gelingen, würde dem IS die zweite größere Stadt entrissen. Im April hatte die Armee die Extremisten bereits aus Tikrit vertrieben. Die Großstädte Mossul und Falludscha sind noch in deren Händen.

          Insgesamt musste der IS im abgelaufenen Jahr deutliche Gebietsverluste hinnehmen. Das sogenannte Kalifat schrumpfte zwischen Januar und dem 14. Dezember um rund 12.800 auf nun 78.000 Quadratkilometer, wie der militärische Branchendienst „IHS Jane's Conflict Monitor“ schätzt. Dies entspreche einem Minus von rund 14 Prozent.

          Viel Territorium ging demnach im Norden Syriens entlang der Grenze zur Türkei an kurdische Einheiten verloren. Im Irak waren es unter anderem die Stadt Tikrit, die Stadt Baidschi samt der großen Erdölraffinerie dort sowie ein Teil der wichtigen Verbindungsstraße zwischen Mossul und der IS-Hochburg Raqqa, was der Analyse zufolge den Transport von Gütern und Kämpfern erschwert.

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          Gebietsgewinne verzeichnete die vom selbst ernannten Kalifen Abu Bakr al Bagdadi angeführte sunnitische Miliz bei ihrem Vorstoß im Westen Syriens, unter anderem über die historische Oasenstadt Palmyra.

          In seinem Herrschaftsgebiet hat der IS ein Gewaltmonopol mit Polizei und Geheimdienst errichtet, kassiert Steuern und betreibt eine eigene Justiz. Die Extremisten beherrschen zudem das Bildungssystem, organisieren Sozialunterstützung und verteilen Saatgut an Bauern.

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