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„Gestapo des IS“ : Ehemaliger Dschihadist sagt in Düsseldorf aus

  • -Aktualisiert am

Das Oberlandesgericht Düsseldorf ist stark gesichert. Bild: dpa

Nils D. soll Mitglied einer Spezialeinheit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ gewesen sein. Nun beginnt in Düsseldorf der Prozess gegen ihn. Er spekuliert wahrscheinlich auf eine milde Strafe.

          Am Mittwoch beginnt im Oberlandesgericht Düsseldorf der Prozess gegen den Salafisten Nils D. Der junge Mann aus Dinslaken am Niederrhein war vor einigen Jahren zum Islam konvertiert und radikalisierte sich dann binnen kurzer Frist mit einer Gruppe Gleichgesinnter. Wie ein gutes Dutzend anderer junger Salafisten aus Dinslaken setzte er sich Ende 2013 nach Syrien ab. Die Gruppe nannte sich nach einem Dinslakener Stadtteil „Lohberger Brigade“ und hatte in Syrien nachweislich auch Kontakt zum späteren Paris-Attentäter Abdelhamid Abaaoud. Eines der Brigade-Mitglieder posierte zudem mit einem abgetrennten Kopf in der Hand im Internet.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Fünf der insgesamt 13 selbsternannten Brigadisten sind mittlerweile tot, fünf sind traumatisiert und desillusioniert nach Deutschland zurückgekehrt, sollen auf einem guten Weg der Reintegration sein. Heimkehrer Nils D. muss sich vor Gericht verantworten, weil er nach eigener Auskunft beim "Sturmtrupp" des IS in Syrien war. Diese Spezialeinheit, eine IS-Geheimpolizei, die Deserteure gnadenlos verfolgt, foltert und hinrichtet, gilt wegen ihrer vielen deutschen Mitglieder als „Gestapo des IS“. Nils D. bestreitet, selbst an Gewalttaten beteiligt gewesen zu sein.

          Der junge Mann ist wertvoll für die Terror-Ermittler in Deutschland. Denn in den zwei Dutzend Vernehmungen seit seiner Festnahme vor einem Jahr und auch in einem Prozess am Oberlandesgericht Celle gegen zwei Syrien-Heimkehrer Ende vergangenen Jahres gab er umfangreich Auskunft: über IS-Interna, sich und andere deutsche IS-Kämpfer. In Celle berichtete der Mann aus Dinslaken, in Syrien Folterungen und Hinrichtungen miterlebt zu haben. „Kniend von hinten“ seien von einem Scharia-Gericht Verurteilte erschossen oder „mit dem Schwert“ geköpft worden. Hernach habe der IS die Leichname gekreuzigt und mehrere Tage lang zur Abschreckung öffentlich ausgestellt.

          Im Zeugenstand in Celle sagte D. auch: „Wenn man sich abkehren will vom IS, ist man automatisch ein toter Mann.“ In seinem eigenen Prozess dürfte Nils D. nun trotzdem viele weitere Details offenbaren – um im Gegenzug eine mildere Strafe zu erhalten und nach seiner Haft unter anderer Identität ein neues Leben anzufangen.

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