Frauen und IS : Der Traum von der idealen islamischen Ehe
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Maskierte spanische Polizistinnen führen am 16. Dezember 2014 in Melilla eine schwarz verhüllte Frau ab. Sie wird verdächtigt, Frauen angeworben zu haben, sich der Terrormiliz des „Islamischen Staates“ in Syrien und Irak anzuschließen. Bild: Reuters
Unter den Verdächtigen der Terrorserie von Paris sind nicht nur Männer. Bei der Erstürmung einer Wohnung durch die Polizei am Mittwoch sprengte sich eine Frau in die Luft. Was bringt junge Frauen aus dem Westen dazu, sich dem IS anzuschließen?
Eine Cousine des Hauptverdächtigen der Pariser Anschläge hat sich der Festnahme durch die französische Polizei entzogen, indem sie sich mit einem Sprengstoffgürtel selbst getötet hat.
Bekannt ist schon lange, dass der „Islamische Staat“ nicht nur Männer anzieht, sondern auch Frauen. Immer häufiger folgen auch junge Frauen aus Deutschland dem Ruf des IS zum Kampf in Syrien oder im Irak. So stellen Frauen etwa ein Zehntel der ausländischen Kämpfer des IS.
IS-Kämpferinnen haben ein Pamphlet herausgegeben, mit dem sie im Westen Mädchen und Frauen rekrutieren. Das zunächst auf Arabisch abgefasste Pamphlet wendet sich an junge und alleinstehende Frauen und erzeugt bei ihnen die romantische Vorstellung, einen jungen Dschihadisten zu heiraten und im IS-Gebiet eine „ideale islamische Ehe“ führen zu können.
Es suggeriere eine „islamische Utopie“, sagt Hamideh Mohaghaghi, islamische Theologin von der Universität Paderborn, die die Schrift ins Deutsche übersetzt und kommentiert hat („Frauen für den Dschihad. Das Manifest der IS-Kämpferinnen“, Verlag Herder 2015).
Die Verfasserinnen gehören einer rein weiblichen Brigade mit dem Namen „Khansa“ an. Sie entwerfen ein Frauenbild, das sich völlig von der emanzipierteFrau im Westen absetzt.
Als Ideal, das sich an der Frühzeit des Islams orientiert, propagieren sie, dass eine Frau ihrem Mann dient, sie Kinder aufzieht und nicht außerhalb des Hauses arbeitet. Emanzipation bringe den Frauen Unglück. Heiraten solle sie im Alter zwischen 9 und 16 Jahren. Nirgends sei in der Schrift zu erkennen, dass dieses Frauenbild hinterfragt werde, sagt Mohagheghi.
Frauen berichten : Entkommen aus der Sklaverei des IS
Zahlreiche Videos kursieren indessen, die auch kämpfende Dschihadistinnen zeigen, in langen Mänteln und der Kalaschnikow im Anschlag. Auch bei der Khansa-Brigade beteiligen sich die Frauen aktiv an Grausamkeiten. Das Pamphlet und die Videos legen nahe, dass die Frauen nicht weniger fanatisch sind als die Männer.
Für viele junge Frauen stehe bei ihrer Ausreise nach Syrien die Hoffnung im Vordergrund, dort den idealen Ehemann zu finden, der im IS auf sie warte, sagt die Islamismus-Forscherin Susanne Schröter von der Universität Frankfurt. Zu diesem Zweck kursieren in den Sozialen Medien auch Fotos von attraktiven Männern, von „Traum-Dschihad-Boys“.