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Festnahme in Bayern  : Führt eine Spur nach Montenegro?

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Erhöhte Alarmstufe: In Paris und in ganz Frankreich patrouillieren Polizisten an den neuralgischen Stellen wie hier am Eiffelturm Bild: Reuters

Die bayerische Polizei hat vor kurzem einen Mann aus Montenegro festgenommen, der ein umfangreiches Waffenarsenal im Auto mit sich führte und zum Kreis der Paris-Attentäter gehören könnte. Montenegro gilt schon lange als Rekrutierungsgebiet des „IS“ auf dem Balkan.

          Bei der Terrorserie in Paris weist eine Spur nach Bayern. Fahnder der bayerischen Polizei nahmen in der vergangenen Woche einen Mann aus Montenegro fest, dessen Wagen sich als Waffen- und Sprengstoffarsenal erwies. Nach Angaben des bayerischen Landeskriminalamts wurden acht Maschinenpistolen des Typs Kalaschnikow mit Munition, zwei Pistolen, ein Revolver, zwei Handgranaten und 200 Gramm TNT-Sprengstoff sichergestellt. Eine Auswertung des Navigationsgeräts des Wagens und des Mobiltelefons der Mannes deuten darauf hin, dass er auf dem Weg nach Frankreich war.  Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ist sich ziemlich sicher: Es gebe eine  „begründete Annahme“, dass ein Zusammenhang zwischen die Festnahme in Bayern und der Pariser Terrorserie bestehe.

          Der Mann wurde am 5. November festgenommen – neun Tage vor den verheerenden Verbrechen in Paris. Er sitzt seither in Traunstein in Untersuchungshaft sitzt und schweigt. Zu seiner Identität machen die Ermittler keine Angaben; nur sein Alter von 51 Jahren ist bekannt. Er war am 5. November in einem VW-Golf mit montenegrinischen Kennzeichen auf der Autobahn von Salzburg nach München unterwegs. Bei Bad Feilnbach ging er der bayerischen Polizei gegen 8 Uhr morgens ins Netz. Im Motorraum des Golfs entdeckten die Fahnder einen Pistolenknauf, der unter einem Plastikabdeckung heraus ragte. Experten des Landeskriminalamts wurden herbeigerufen, die den Wagen zerlegten und auf ein professionell gebautes Waffenversteck stießen.

          Herrmann: Verdacht auf terroristische Absichten liegt nahe

          Für den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist die Beweislage relativ eindeutig: Wenn jemand Handgranaten und Sprengstoff transportierte, liege der Verdacht nahe, „dass es sich um terroristische Absichten handelt, beziehungsweise jemand den Terroristen Waffen liefert.“

          Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks soll das bayerische Landeskriminalamt unmittelbar nach der Festnahme des Montenegriner Kontakt mit französischen Sicherheitsbehörden aufgenommen habe. In Paris sei aber zurückhaltend reagiert worden: Die deutsche Polizei möge ein Rechtshilfeersuchen stellen, falls sie aus Frankreich Informationen benötigten. Das bayerische Innenministerium sagt dazu nur, dass das Landeskriminalamt die Festnahme und den Waffenfund an das Bundeskriminalamt (BKA) gemeldet habe; das BKA macht keine Angaben.

          Rekrutierungsgebiet des IS auf dem Balkan

          Montenegro ist eines der Rekrutierungsgebiete des IS auf dem Balkan. Im vergangenen Jahr gab es Berichte, wonach der montenegrinische Geheimdienst bis zu 300 Islamisten überwacht. Aus Montenegro sollen IS-Terroristen in einer zweistelligen Zahl in den syrischen Bürgerkrieg gezogen sein. Die bayerischen Fahnder haben bei den Ermittlungen auch Kontakt zu Behörden in Montenegro aufgenommen; in seiner Heimat soll der Mann bislang der Polizei und dem Geheimdienst nicht aufgefallen sein.

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