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Terrorprozess gegen Sven Lau : Weggefährten in den Dschihad

  • -Aktualisiert am

Im Zeugenstand sagte Dominic Musa Schmitz am Dienstag, der Angeklagte Sven Lau habe sich vor einigen Jahren noch klar gegen Gewalt ausgesprochen. Bild: dpa

Der Salafisten-Prediger Sven Lau soll die islamistische Terrormiliz in Syrien mit Geld und Nachtsichtgeräten versorgt haben. Im Oberlandesgericht Düsseldorf berichtete ein Aussteiger aus der Szene über ihn.

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          Der Terrorprozess gegen den Salafisten-Prediger Sven Lau am Düsseldorfer Oberlandesgericht war bisher eine zähe Veranstaltung. Der 35 Jahre alte Angeklagte, dem die Bundesanwaltschaft vorwirft, eine islamistische Terrormiliz in Syrien mit Geld und Nachtsichtgeräten unterstützt und zwei deutsche Kämpfer an sie vermittelt zu haben, verteidigt sich „schweigend“ wie sein Anwalt gleich zu Beginn der Hauptverhandlung formulierte. Seine Frau, seine Mutter und seine Schwiegermutter machten am folgenden Prozesstag von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Am Dienstag begann nun die erste Zeugenaussage.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Dominic Musa Schmitz, ein Aussteiger aus der Salafisten-Szene, berichtete ausführlich über sein Leben und über Sven Lau. Die beiden jungen Männer kennen sich aus Mönchengladbach, wo Lau den zwischenzeitlich aufgelösten Verein „Einladung zum Paradies“ führte. Schmitz gehörte dort eine Zeit lang zum engsten Kreis um Lau und Pierre Vogel.

          Kurz nach seinem Übertritt zum Islam gab ihm Vogel den Namen Musa (arabisch für Moses). Für Lau stellte Schmitz als eine Art persönlicher Referent Video-Botschaften ins Internet und unterstützte so die Missionierungsarbeit. Auch die beiden Salafisten, die Lau laut Anklage nach Syrien vermittelt hat, kannte er. 2010 sagte Schmitz sich vom Salafismus los; Anfang des Jahres veröffentlichte er ein Buch über seine „Zeit in der islamistischen Parallelwelt“.

          Mord an einer Ägypterin war ein Wendepunkt für die salafistische Szene

          Im Zeugenstand sagt Schmitz am Dienstag, als er Lau 2005 kennengelernt habe, habe der Prediger sich noch klar gegen Gewalt ausgesprochen. Menschen, die nur Aggression und Hass in sich trügen, ekelten ihn an, habe Lau einmal zu ihm gesagt. Doch hätten sich Lau und dessen Prediger-Freund Vogel sich über die Jahre verändert. Ein Wendepunkt für die salafistische Szene in Deutschland sei der Mord an einer aus Ägypten stammenden Frau im Landgericht Dresden gewesen.

          Anfang Juli 2009 hatte ein aus Russland stammender Islam-Hasser die Muslimin mit mehr als einem Dutzend Messerstichen getötet. Der Tod der jungen Frau sei für viele salafistische Jugendliche ein Signal gewesen, sagte Schmitz. „Es hieß nun, alle hassen uns hier, nur weil wir Muslime sind.“ Schmitz verwies auf einen späteren Missionierungs-Auftritt im Internet, in dem Lau gesagt habe: „Wir sind nicht wie Christen, Haut ihr uns auf die eine Wange, halten wir nicht die andere hin, dann gibt’s einen Kieferbruch!“ Lau und Vogel hätten sich in der Folge zudem mit militanten Kräften in der Szene verbündet.

          Laut Bundesanwaltschaft soll Lau von Deutschland aus als verlängerter Arm der in Syrien aktiven Terrororganisation Jamwa (Armee der Auswanderer und Helfer) unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe agiert haben. Lau wird in der Anklageschrift als Mann mit hoher suggestiver Kraft auf Jugendliche beschrieben, der versuche, seine Glaubensbrüder dazu zu bewegen, sich am bewaffneten Dschihad zu beteiligen und der auch mehrfach selbst ins Kriegsgebiet reiste.

          Zur Frage, wie genau Lau die beiden in der Anklage aufgeführten Männer dazu motiviert haben soll, sich am „Heiligen Krieg“ zu beteiligen, kann Schmitz am Dienstag keine vertiefenden Angaben machen. Mehrfach weist er darauf hin, dass Information in seinem Buch, die das Gericht besonders interessierten, von seinem Ghostwriter beigesteuert worden seien.

          Ausdrücklich bestätigt Schmitz aber, dass Konrad S., der einst zu den engsten Vertrauten Laus in Mönchengladbach gehörte, sich ihm gegenüber per WhatsApp-Nachricht aus Syrien dazu bekannt habe, Mitglied der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zu sein. Laut Anklage soll Lau bei einem seiner Syrien-Aufenthalte Einfluss auf die Zusammensetzung der von Konrad S. geführten Einheit genommen haben. Das Oberlandesgericht hat deshalb zu Beginn des Prozesses den Hinweis erteilt, dass es erwäge, Lau nicht nur wegen Unterstützung, sondern auch wegen Mitgliedschaft im IS zu verurteilen.

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