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Attentäter von Paris : Sind noch Terroristen auf der Flucht?

  • Aktualisiert am

Eine französische Polizistin kontrolliert in Straßburg ein Auto. Bild: dpa

Östlich von Paris haben Ermittler ein weiteres Auto entdeckt, das einem Terrorkommando wohl als Fluchtauto diente. Unklar ist jedoch, ob die Täter weiter auf der Flucht sind, oder bereits in Belgien gefasst wurden.

          Mindestens einem Terrorkommando scheint nach den Anschlägen von Paris zunächst die Flucht gelungen zu sein. Französische Ermittler stellten am Sonntag ein weiteres Auto östlich von Paris sicher, wie der Sender Europe 1 berichtete. Aus Justizkreisen verlautete, dass in dem Fahrzeug Kalaschnikow-Schnellfeuergewehre gefunden worden seien. Der schwarze Seat soll nach Einschätzung der Ermittler von den Terroristen benutzt worden sein, die vor mehreren Cafés und Restaurants wahllos Menschen erschossen. Unklar blieb, ob der oder die Täter weiter auf der Flucht sind, oder bereits am Samstag in Belgien gefasst wurden.

          Nachdem bereits am Freitagabend Augenzeugen berichtet hatten, dass die Angreifer in der Konzerthalle Bataclan in einem schwarzen Polo mit belgischem Nummernschild vorgefahren waren, startete die belgische Polizei am Samstag in der Gemeinde Molenbeek nahe der Hauptstadt einen Großeinsatz. Von dort soll der in Paris entdeckte Mietwagen stammen, der von einer Person mit französischem Pass geliehen worden sei, die in Belgien lebte, wie Molins berichtete.

          Bei der Razzia durchsuchte die Polizei mehrere Wohnungen und nahm Personen fest. Eine davon hat sich auf jeden Fall am Freitagabend in Paris aufgehalten. Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft haben die Behörden in vier konkreten Fällen ihre belgischen Kollegen um Amtshilfe gebeten. Der Brüsseler Stadtteil war nach Anschlägen schon häufiger Schauplatz von Razzien gewesen – etwa nach dem versuchten Attentat auf einen Thalys-Hochgeschwindigkeitszug im August. Belgien gilt als eines der am stärksten durch Terrorismus gefährdeten Länder Europas.

          Die Täter hatten Sturmgewehre

          Unterdessen wir das Bild, das sich die Ermittler vom Tathergang machen, immer genauer. Nach den neuesten Informationen, die der Staatsanwalt am Samstagabend in Paris mitteilte, deutet vieles auf eine lange und generalstabsmäßig geplante Attacke hin. Insgesamt habe es drei Teams von Terroristen gegeben, die koordiniert und nahezu gleichzeitig vorgegangen seien, erklärte François Molins.

          Darüber hinaus hätten die bisherigen Ermittlungen ergeben, dass alle Attentäter Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow benutzt hätten. Auch die Art der verwendeten Sprengstoffwesten sei „absolut gleich“ gewesen. Insgesamt sind nur sehr wenige Informationen über die vermeintlichen Attentäter bestätigt. Verbrieft ist bislang, dass bei den Angriffen am späten Freitagabend mindestens sieben Terroristen zu Tode gekommen sind. Sechs davon sprengten sich selbst in die Luft, einer wurde von der Polizei erschossen. Außerdem sind nach neuen offiziellen Angaben nun mindestens 129 Menschen bei den Anschlägen getötet worden. Dazu gebe es 352 Verletzte, 99 davon seien akute Notfälle.

          Die Oper in Sydney erstrahlt in den französischen Nationalfarben. Bilderstrecke

          Mindestens einer der Attentäter soll zudem ein 29 Jahre alter französischer Staatsbürger gewesen sein. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, sei er den Behörden wegen seiner Radikalisierung bekannt und mehrfach vorbestraft gewesen – allerdings niemals wegen seiner Verbindung zu dschihadistischen Netzwerken. Wie französische Medien berichten, sei der Mann anhand seiner Fingerabdrücke identifiziert worden. Der Vater und der Bruder des Mannes wurden in Polizeigewahrsam genommen, wie aus Ermittlerkreisen verlautete.

          Täter hatte Ticket für Länderspiel

          Molins erklärte zudem, dass es am Stadion Stade de France, wo das Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland stattfand, drei Explosionen gegeben habe. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, habe einer der Täter ein Ticket für das Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland gehabt. Einem Sicherheitsbeamten zufolge sei seine Sprengstoffweste allerdings bei der Einlasskontrolle entdeckt worden. Des Weiteren wurden sechs Angehörige eines der Selbstmordattentäter aus dem Pariser Konzertsaal „Bataclan“ in Polizeigewahrsam genommen. Das berichtet der französische Fernsehsender BFMTV. Die Befragung von Angehörigen gehört in solchen Fällen zu den Ermittlungen.

          Mindestens zwei der Attentäter als Flüchtlinge über die Türkei nach Griechenland gekommen und damit in die Europäische Union eingereist zu sein. Wie das Ministerium für Bürgerschutz in Athen am Samstag mitteilte, sei der Inhaber eines Passes, der an einem der Tatorte in Paris gefunden worden sei, am dritten Oktober auf der griechischen Insel Leros „als Flüchtling registriert worden“. Das habe ein Abgleich der Daten der griechischen und französischen Behörden ergeben. Details zu dem zweiten mutmaßlichen Attentäter sind bislang nicht bekannt. Das Ministerium wisse zudem nicht, durch welche anderen Länder die beiden Personen dann weiter in Richtung Frankreich gereist seien.

          Ob der Inhaber des Passes ursprünglich aus Syrien stammte, ist derzeit unklar. Zwar ist nach offiziellen Angaben bislang lediglich ein syrischer Pass bei einem Attentäter gefunden worden, allerdings wurde dem französischen Nachrichtensender BFMTV zufolge mittlerweile auch ein ägyptischer Pass sichergestellt.

          Nach Angaben des französischen Senders Europe 1 schätzt das gerichtsmedizinische Institut in Paris das Alter der meisten Attentäter auf 15 bis 18 Jahre.

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