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„Eagles of Death Metal“ : Die Band, die den Terror überlebte

Kurz vor dem Angriff: Die „Eagles of Death Metal“ auf der Bühne im Bataclan Bild: AFP

Als Terroristen die Konzerthalle Bataclan in Paris stürmten, standen die „Eagles of Death Metal“ auf der Bühne. Die Band will vor allem eines: Spaß am Leben verbreiten. Den Anschlag überlebten alle Mitglieder.

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          Sätze, die vielleicht albern, allenfalls ein bisschen daneben wirkten, als sie gesagt wurden, stecken nun, einen Tag, nachdem der Terror abermals nach Paris gekommen ist, voll trauriger Absurdität. Vor zwei Monaten gaben die beiden Frontmänner der kalifornischen Band „Eagles of Death Metal“, deren Auftritt in der Konzerthalle Bataclan am Freitagabend zum Zentrum des größten Terroranschlags in Frankreichs jüngerer Geschichte wurde, dem Musikmagazin „Rolling Stone“ ein Interview. Das Gespräch kam auch auf den Terror.

          Andreas Nefzger

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Als es um die Frage ging, warum die Band nach sieben Jahren mit „Zipper Down“ wieder ein Album herausgebracht habe, sagte Joshua Homme, der auch Gründungsmitglied der Rockband „Queens of the Stone Age“ ist: „Die Abwesenheit von Musik der Eagels of Death Metal hatte eine wirklich schlechte Nebenwirkung. Da war der ganze Ärger im Mittleren Osten und diese ganzen anderen Dinge, und das tat uns leid. Wir wollten das nicht dadurch verursachen, dass wir keine Musik herausbringen.“ Und auf die Nachfrage des Reporters, ob das neue Album im Kern also eine Antwort auf den Terrorismus sei, sagte Homme: „Ja. Wir bringen eine Platte heraus und die Menschenrechte sind besser, der Welt geht es besser, die Leute verdienen mehr Geld, es gibt weniger Wut, die Menschen gehen respektvoller mit Frauen und Homosexuellen um und sind überhaupt freundlicher zueinander.“

          Zwei Monate, nachdem Homme, der selbst nicht mit nach Paris fuhr, diese Sätze so kindisch dahergesagt hat, wird wohl nie wieder jemand den Namen „Eagles of Death Metal“ aussprechen können, ohne damit tatsächlich Gedanken an den Terror zu wecken. Auf dem Konzert der Band im Bataclan boten sich die grässlichsten Bilder einer grässlichen Nacht. Mehrere unmaskierte Männer stürmten die ausverkaufte Halle und feuerten mit Sturmgewehren in die Menge. Von den geschätzten 1000 Menschen im Saal waren am Ende mindestens 80 tot. Ob auch Mitglieder der Band unter den Opfern sind, war zunächst unklar. Im offiziellen Twitter-Account der Band hieß es am Abend: „Wir versuchen im Moment noch, die Sicherheit und den Aufenthalt von allen in der Band und der Crew herauszufinden.“

          Kurz darauf gab es zumindest für die Familien und Fans der Bandmitglieder Entwarnung: Alle Musiker haben den verheerenden Angriff überlebt, einige Crewmitglieder werden aber noch vermisst, berichtete die „Washington Post“. Die Frau des Bandmitglieds Julian Dorio sagte demnach, ihr Mann habe sie angerufen, „um mir zu sagen, dass er mich liebt und dass er in Sicherheit ist“. Dorios Mutter habe bestätigt, dass ihr Sohn und die andere Bandmitglieder den Angreifern entkommen seien. Julian Dorio, der nicht zur Kernbesetzung der „Eagles of Death Metal“ zählt, war für die Tournee als Schlagzeuger mit nach Europa gereist. Wenige Stunden vor dem Konzert erkundete er Paris auf dem Fahrrad und ließ seine Fans über Twitter und Instagram wissen, wie schön es dort sei.

          Als dann in der Nacht die Schüsse fielen, war Dorio auf der Bühne. Er und seine Kollegen spielten ungefähr das sechste Lied, als der Terror begann. So schilderte es Dorios Bruder Michael im Interview mit dem amerikanischen Lokal-Fernsehsender WSB-TV: „Sie hörten es, bevor sie irgendetwas sahen, sie hörten Maschinengewehrfeuer. Es war laut, lauter als die Band, und sie warfen sich auf den Bühnenboden.“ Der Band und einigen Crewmitgliedern sei es dann gelungen, durch eine Tür im Backstage-Bereich zu fliehen, die direkt auf eine Straße führt. Von dort seien sie dann zur nächsten Polizeiwache geeilt.

          Ein Detail, das in den ersten Stunden nach der Attacke bisweilen falsch berichtet wurde (was an einem Abend wie diesem aber sicherlich kein schlimmes Vergehen ist), betrifft die musikalische Ausrichtung der Band. Vielfach war von einem Heavy-Metal-Konzert die Rede, was irgendwie auch nahelag, lässt doch schon der Name der „Eagles of Death Metal“ auf eine besonders harte und düstere Musik schließen. Tatsächlich aber machen die „Eagles of Death Metal“ Blues-Rock der Siebziger, angereichert mit – wie die New York Times treffend beschreibt – einer „hohen Dosis Humor“.

          Ohne ihnen zu nahe zu treten, kann man sagen, dass die Frontmänner Joshua Homme und Jesse Hughes ausgemachte Kindsköpfe sind, wofür ihr Interview mit dem „Rolling Stone“ ja schon Beweis genug ist. In ihrem Feldzug gegen Terrorismus und das ganze restliche Unbill, so lässt sich das Gespräch zusammenfassen, haben sie eine Waffe: Spaß und nichts als Spaß. Das Leben gegen den Tod.

          War in Paris dabei: Frontmann Jesse Hughes Bilderstrecke

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