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Militärallianz gegen den IS : Begleitschutz für Paris

Die Fregatte „Sachsen“ beim Abschuss eines Flugkörpers. Bild: Bundeswehr

Der Einsatz der Bundeswehr im syrischen Luftraum steht bevor: Deutschland möchte seinem Nachbarn vor allem bei der Aufklärung helfen – doch wie soll das aussehen?

          Die Bundeswehr will im syrischen Luftraum und vor der syrischen Küste die modernste Aufklärungs- und Informationsgewinnungs-Technik zum Einsatz bringen, über die sie gegenwärtig verfügt. Sowohl die Aufklärungsdaten der Satelliten, als auch die Bilder der Tornado-Aufklärungsflugzeuge stellen zusätzliche und präzisere Daten über mögliche Angriffsziele bei den Luftangriffen gegen die Terrormilizen des „Islamischen Staates“ (IS) zur Verfügung.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Das genaue Mandat der Mission, das vom Bundestag zu bestätigen sein wird, muss erst noch formuliert werden. Die Bundesregierung legt allerdings jetzt schon Wert auf den Hinweis, dass die militärischen deutschen Beiträge, die in Aussicht genommen sind, nicht als direkte, bilaterale Militärhilfe für Frankreich zu verstehen sind, sondern als Beitrag für die unter amerikanischer Führung kämpfende „Koalition der Willigen“, dass also die gewonnenen Zieldaten allen Nationen, welche Luftangriffe über Syrien fliegen, zur Verfügung gestellt werden können.

          Dies gilt jedoch nicht für die Entsendung einer deutschen Fregatte vom Typ 124, die an der Seite des französischen Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“ zur Luftraumüberwachung beitragen soll. Diese zum Schutz des französischen Trägers erwogene Maßnahme wäre eine direkte Antwort auf eine entsprechende französische Bitte. Auch für die Fregatte gilt: Sie ist für diese Aufgabe das am besten ausgerüstete Schiff, über das die Bundeswehr verfügt. Die Fregatten der „Sachsen“-Klasse galten bei ihrer Indienststellung vor knapp einem Jahrzehnt als Prototyp der Kriegsschiffe des 21. Jahrhunderts, bei denen nicht länger Kanonen, Raketen und Torpedos die aussagekräftigsten Anhaltspunkte für die Kampfkraft liefern, sondern die Fähigkeiten der Erfassungstechnik: Radar-, Rechner- und Informationstechnik.

          Die „Hamburg“, die jetzt voraussichtlich den Begleitschutz der „Charles de Gaulle“ übernimmt, aber auch die „Sachsen“ – beides Fregatten vom Typ 124 – haben schon Erfahrungen mit solchen Aufgaben gesammelt; die Hamburg war zuletzt vor zwei Jahren an der Seite des amerikanischen Flugzeugträgers Eisenhower im Persischen Golf unterwegs. Die aktuelle Gefahr eines Angriffs aus der Luft auf den französischen Träger wird in deutschen Verteidigungskreisen als gering erachtet; nach dieser Einschätzung verfügt der IS gegenwärtig nicht (mehr) über einsatzfähige Kampfflugzeuge. Allenfalls eine Bedrohung durch Raketenbeschuss ist denkbar, wenn auch nicht wahrscheinlich.

          Gemeinsame Wege bei der Satelliten-Aufklärung

          Die deutsche Satellitentechnik ergänzt die Aufklärungsfähigkeiten der Franzosen über dem Einsatzgebiet: Die Satelliten SAR-Lupe der Bundeswehr sind seit einem Jahrzehnt im All. Ihre Anschaffung wurde nach dem Kosovo-Krieg Ende des vorigen Jahrhunderts als notwendig erachtet, da damals die deutsche Luftwaffe und andere europäische Nato-Staaten weniger Aufklärungs-Informationen von amerikanischer Seite erhielten, als erhofft. Bei der Entwicklung der Satelliten-Aufklärung wollten Frankreich und Deutschland vor mehr als einem Jahrzehnt gemeinsame Wege gehen. Das gelang zwar nicht, doch wurde dann ein komplementärer Ansatz daraus: Die Helios-2-Satelliten der Franzosen haben in ihrer optischen Technik eine höhere Auflösung, dafür sind die deutschen Satelliten mit ihrer Radartechnik wetterunabhängig und fähig, auch nachts Bewegungen am Boden zu erfassen.

          Die sechs Aufklärungs-Tornados, welche die Luftwaffe jetzt für den Einsatz über Syrien melden will, sogenannte Recce-Tornados (abgeleitet vom englischen Aufklärungsbegriff Reconaissance), wurden zur Zielerfassung im Kosovo-Krieg, aber auch über Afghanistan eingesetzt. Die neueste Version ihrer Erfassungsgeräte ist seit rund fünf Jahren im Einsatz, sie nimmt optische und Infrarot-Bilder aus niedriger und mittlerer Höhe auf, die ohne Zeitverzug an Bodenstationen weitergeleitet werden können.

          Mit der Bereitstellung eines Tankflugzeugs vom Typ Airbus A310 kann die Bundesregierung zunächst nur den Franzosen Unterstützung bei deren Luftangriffen gewähren. Die Luftbetankung von Kampfflugzeugen ist eine jener Fähigkeiten, die innerhalb des Nato-Bündnisses als zu wenig ausgeprägt markiert sind; es herrscht also ein Mangel an Flugzeugen. Der deutsche Tanker ist für die Franzosen wichtig, weil der Luftwaffen-Airbus schon für die Betankung der französischen Kampfflugzeuge vom Typ Mirage und Rafale zugelassen (zertifiziert) ist, nicht aber für amerikanische Flugzeuge.

          Betankung wird von Eindhoven gesteuert

          Schwierigkeiten, die sich in der Luftbetankung durch unterschiedliche Betankungssysteme und Flugzeugtypen ergeben, waren während des Nato-Luftkrieges über Libyen offenbar geworden. Deutschland hatte sich daran zwar nicht beteiligt; es stellte seine Tankflugzeuge aber fortan für multinationale Übungen zur Verfügung. Die Betankung französischer Kampfflugzeuge wurde im Zuge der Mali-Mission vor mehr als einem Jahr erstmals geübt, seither sind die deutschen Airbus-Tanker zur Versorgung der französischen Flugzeuge zugelassen.

          Der Versuch, die Betankung verschiedener Flugzeugtypen so flexibel wie möglich zu machen und die Zulassungen entsprechend zu erweitern, wird mittlerweile vom Europäischen Lufttransportkommando in Eindhoven gesteuert; einer gemeinsamen Aufsichtsbehörde mehrerer Nato-Nationen, die unter anderem Zugriff auf deutsche, französische, belgische, niederländische und luxemburgische Militärtransporter nehmen kann.

          Die Beispiele der Betankungshilfe und der Satellitenüberwachung zeigen, auf welch vielfältige Weise deutsche und französische militärische Fähigkeiten miteinander verschränkt sind. Allerdings blieb am Donnerstag noch offen, ob neben der Fregatte, die Teil des französischen Flugzeugträgerverbands sein wird, auch die Flugzeuge direkt einem französischen Kommando unterstellt werden, oder ob die Bundeswehr sie als eigenen Beitrag in die multinationale Koalition hinein meldet, die unter amerikanischer Führung über syrischem Luftraum agiert.

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