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Chronologie : So verlief die Terrornacht

  • Aktualisiert am

Polizeieinsatz an einem Café „La Belle Equipe“ in der Rue de Charonne Bild: AFP

Laute Explosionen während des deutsch-französischen Freundschaftsspiels sind der Anfang. Dann breitet sich der Terror über Paris aus. Eine Chronologie der Ereignisse.

          Seit dem späten Freitagabend erschrecken Schießereien, Explosionen und eine Geiselnahme an mehreren Schauplätzen Paris. Eine Übersicht der Ereignisse:

          21.30 Uhr – Im Pariser Stade de France spielt das französische Fußballnationalteam gegen die Mannschaft aus Deutschland. Explosionen sind während der ersten Halbzeit zu hören. Kurz danach kreisen Helikopter über dem Stadion. Das Spiel läuft weiter.

          22.30 Uhr – Die Polizei meldet eine Schießerei im 10. Arrondissement der französischen Hauptstadt. Tatort ist das kambodschanische Restaurant Le Petit Cambodge. Von mehreren Toten ist die Rede.

          22.45 Uhr – Mehrere Medien melden eine Geiselnahme in der Pariser Konzerthalle Bataclan während eines Auftritts der amerikanischen Rockband „Eagles of Death Metal“.


          Terror in Paris

            Die Terroristen schlugen in der Nacht zum 14. November an mehreren Orten kurz nacheinander zu. Eine Übersicht.

            Konzertsaal Bataclan


            DPA

            Mindestens vier schwer bewaffnete, unmaskierte Männer stürmen während eines Rockkonzerts in das Gebäude und eröffnen das Feuer. Dabei schreien sie „Allahu Akbar“ (Gott ist groß). Es folgt eine fast dreistündige Geiselnahme in dem Konzertsaal am Boulevard Voltaire. „Ich habe sie ganz klar zu den Geiseln sagen hören ,Hollande ist Schuld, euer Präsident ist Schuld, er hat nicht in Syrien einzugreifen.' Sie haben auch über den Irak gesprochen“, berichtet der 35-jährige Augenzeuge Pierre Janaszak später. Ein anderer sagt: „Die Typen sind gekommen, sie haben am Eingang begonnen zu schießen.“ Die Polizei stürmt den Konzertsaal kurz vor 0.30 Uhr, der Einsatz ist gegen 01.00 Uhr beendet. Hundert Menschen sind tot, darunter vier Angreifer. Drei von ihnen haben sich mit einem Sprengstoffgürtel selbst in die Luft gesprengt. Der vierte, der auch einen solchen Gürtel trägt, wird von Polizeikugeln getroffen und beim Fallen explodiert auch sein Sprengstoff.

            Fußballstadion Stade de France


            AP

            Fast zeitgleich zum Angriff auf den Konzertsaal ereignet sich um 21.20 Uhr in der Umgebung des Stadions im Norden von Paris eine erste Explosion. Dort soll nächstes Jahr im Juli das Finale der Fußball-Europameisterschaft stattfinden und nicht weit davon, in Bourget, soll am 30. November die große, internationale Klimakonferenz abgehalten werden. Es folgen weitere Explosionen, eine in der Nähe eines McDonald's-Restaurants. Präsident Hollande, der bei dem Fußballspiel Frankreich-Deutschland am Freitagabend ebenso anwesend war wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), wird sofort in Sicherheit gebracht. Die Ein- und Ausgänge zum Stadion werden abgeriegelt. Vier Menschen werden bei der Detonation getötet, darunter drei Angreifer, die wie im Bataclan Sprengstoffgürtel zünden.

            Rue de la Fontaine au Roi


            DPA

            Wenige hundert Meter vom Bataclan entfernt ist die Terrasse der Pizzeria „La Casa Nostra“ das Ziel eines Anschlags. Fünf Menschen werden durch Schüsse aus einer automatischen Waffe getötet, wie der 35 Jahre alte Augenzeuge Mathieu berichtet. „Es waren mindestens fünf Tote um mich herum, andere auf der Straße, überall Blut.“ Ein anderer Zeuge sieht „einen schwarzen Ford Focus“, aus dem geschossen wird.

            Boulevard Voltaire


            DPA

            Nach Angaben aus Justizkreisen gibt es auch dort einen Angriff mit einem Toten. Unklar ist aber, wie weit dieser Ort vom Bataclan entfernt ist. Später heißt es, ein Attentäter habe auf dem Boulevard Voltaire seinen Sprengstoffgürtel zur Explosion gebracht und sei tot.

            Rue Alibert/Rue Bichat


            AFP

            Etwas weiter nördlich kommt es an der Ecke der Straßen Bichat und Alibert zu Schüssen auf der Terrasse des Restaurants „Le Petit Cambodge“. Dort werden 14 Menschen getötet. „Es war surreal, alle lagen am Boden, niemand bewegte sich“, erzählt eine Augenzeugin. Rue de Charonne: Ähnliche Szenen spielen sich etwas weiter östlich in der Rue de Charonne ab, wo 18 Menschen getötet werden. Ein Mann berichtet, er habe „zwei, drei Minuten“ lang Schüsse gehört. Nach seinen Angaben waren ein Café und ein japanisches Restaurant das Ziel der Schüsse.

            Rue de Charonne


            AFP

            Ähnliche Szenen spielen sich etwas weiter östlich in der Rue de Charonne ab, wo 18 Menschen getötet werden. Ein Mann berichtet, er habe „zwei, drei Minuten“ lang Schüsse gehört. Nach seinen Angaben waren ein Café und ein japanisches Restaurant das Ziel der Schüsse.


          22.50 Uhr – Das Spiel der deutschen Nationalmannschaft im Stade de France geht zu Ende. Die Spieler verlassen das Stadion aufgrund der angespannten Sicherheitslage nicht.

          23.00 Uhr – Frankreichs Präsident François Hollande verfolgt die Angriffswelle im Pariser Innenministerium. Ein französischer Fernsehsender berichtet von mindestens 40 Toten.

          23.25 Uhr – Im Einkaufszentrum von Les Halles in der Innenstadt kommt es zu einer weiteren Schießerei, wie der Hörfunksender Europe 1 meldet.

          23.40 Uhr – Die französische Regierung wird zu einer Sonder-Kabinettssitzung für Mitternacht in den Präsidentenpalast zusammengerufen.

          23.47 Uhr – Die Stadtverwaltung ruft die Pariser Bürger über Twitter auf, wegen der Anschläge zuhause zu bleiben.

          23.54 Uhr – Präsident Hollande erklärt den Ausnahmezustand und lässt alle Grenzen schließen. Er spricht von „bisher nie dagewesenen Terrorangriffen“ und mehreren Dutzend Toten. Er habe militärische Verstärkung angeordnet, um weitere Anschläge zu verhindern.

          00.10 Uhr – Im französischen Fernsehen ist von mehr als 60 Toten die Rede.

          00.17 Uhr – Französische Ermittler sprechen im Zusammenhang mit den Explosionen in der Nähe des Fußballstadions von einem Selbstmordattentat.

          00.21 Uhr – Aus der Konzerthalle Bataclan sind Explosionen zu hören. In der Umgebung sind auch Schüsse zu hören.

          00.30 Uhr – Aus Sorge vor weiteren Anschlägen in Paris werden fünf Linien der Untergrundbahn geschlossen. Betroffen sind die Metro-Linien 3, 5, 8, 9 und 11, die durch die Stadtviertel führen, in denen sich Tatorte befinden. Auch der Busverkehr wird unterbrochen.

          00.45 Uhr – Der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Hendrik Große-Lefert, bestätigt in Paris im ARD-Fernsehen, dass sich die deutsche Fußball-National-Elf nach dem Testspiel gegen Frankreich in Paris noch in den Kabinen der Stadions aufhält. „Alle sind angespannt“, sagt er.

          00.50 Uhr – Die Polizei stürmt die Konzerthalle Bataclan. Reporter berichten von lauten Explosionen.

          01.03 Uhr – Präsident Holland sagt seine Teilnahme am G20-Gipfel in der Türkei ab.

          01.31 Uhr – Die Behörden gehen von etwa 100 getöteten Menschen bei der Geiselnahme in der Konzerthalle Bataclan aus, sagt ein Sprecher der Stadtverwaltung. Bei den anderen Attentatsorten habe es Dutzende weitere Tote gegeben.

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