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Berlin unterstützt Frankreich : Regierung schickt Tornados  nach Syrien

Ein Tornado der Bundeswehr wird im September 2007 beim Bundeswehrlager Camp Marmal in Masar-i-Scharif überprüft Bild: dpa

Deutschland will Tornados für Aufklärungsflüge nach Syrien schicken, um Frankreich im Kampf gegen die Extremistenmiliz IS zu unterstützen. Das kündigte der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion an. Aber es bleibt nicht beim Einsatz der Tornados.

          Deutschland wird nach Angaben aus der Unionsfraktion sechs „Tornado“-Aufklärungsflugzeuge in den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) schicken. „Wir werden nicht nur die Ausbildungsmission im Nordirak stärken, sondern in Syrien unter anderem mit RECCE-Aufklärungstornados unser Engagement im Kampf gegen den IS-Terror vorantreiben“, sagte der Obmann der CDU/CSU-Fraktion, Henning Otte, am Donnerstag in Berlin. Die verteidigungspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen waren am Mittag über die Pläne der Bundesregierung informiert worden, den von Frankreich vorangetriebenen Militäreinsatz gegen den IS zu unterstützen. Die von den Tornados gemachten Aufklärungsbilder sollen allen beteiligten Ländern der Koalitionsstreitkräfte zur Verfügung gestellt werden.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Neben dem Einsatz von Tornados will sich Deutschland nach Angaben aus Parlamentskreisen auch mit einem Airbus-Tankflugzeug an dem Einsatz der Koalitionsstreitkräfte beteiligen. Zusätzlich soll ein Satellit der Bundeswehr über Syrien eingesetzt werden. Die von dem Satelliten gemachten Bilder über Stellungen des IS sollen auch dem französischen Militär zur Verfügung gestellt werden.

          Fregatte „Hamburg“ soll Flugzeugträger Begleitschutz geben

          Auf Wunsch des französischen Präsidenten François Hollande wird die Fregatte „Hamburg“ der Bundesmarine den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ Begleitschutz geben. Von dem Flugzeugträger aus starten französische Kampfjets ihre Einsätze gegen den IS. In Berlin hieß es, damit sei die Bitte der Franzosen nach zusätzlicher militärischer Hilfe durch Deutschland erfüllt. „Der IS ist nur militärisch zu schlagen, daher darf es keine Denkverbote für unser Engagement im Kampf gegen den islamistischen Terror geben“, erklärte Otte. Alle Bitten der Allianz gegen den IS und Frankreichs müssten „ergebnisoffen“ geprüft werden.

          Das Verteidigungsministerium wollte die Pläne zunächst nicht kommentieren. Derzeit laufen noch die letzten Abstimmungen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den zuständigen Minister, die um 13 Uhr zu einer Sitzung zusammengekommen sind.

          Arnold: Tornado-Einsatz auch ohne UN-Mandat

          Nach Ansicht des SPD-Verteidigungspolitikers Rainer Arnold ist ein Einsatz von Bundeswehr-Aufklärungstornados über Syrien auch ohne ein UN-Mandat möglich. Zwar müssten völkerrechtliche Fragen geklärt werden, doch er halte dies für machbar, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion am Donnerstag im Saarländischen Rundfunk (SR). „Ein UN-Mandat wäre besser, aber es gibt ja aus der letzten Woche eine Resolution der Vereinten Nationen und die Selbstverpflichtung der Europäer, den Partnern beizustehen. Beides zusammen ist tragfähig", sagte Arnold.

          Tornados sind zweisitzige Kampfflugzeuge, von denen seit 1981 fast 360 Stück an die Bundeswehr ausgeliefert wurden. Heute verfügt die deutsche Luftwaffe nach eigenen Angaben noch über 85 Kampfflugzeuge dieses Typs. Die Basisversion IDS (Interdiction Strike) ist für Luftangriffe und zur Unterstützung von Bodentruppen aus der Luft konzipiert, ein Teil davon – sogenannte Recce-Tornados - speziell für die Aufklärung gerüstet. „Recce“ basiert auf dem englischen Wort „reconnaissance“ – zu deutsch „Aufklärung“ oder „Erkundung“.

          Aufklärung in Echtzeit

          In einem Behälter unter dem Rumpf tragen die Maschinen optische Kameras und einen Infrarotscanner mit sich. Tornados dieser Art kamen zum Beispiel während des Balkankonflikts und in Afghanistan zum Einsatz, aber auch bei den Hochwasserkatastrophen an Rhein, Donau, Oder und Elbe.

          Seit 2009 ist die neueste Generation des Systems verfügbar – das digitale Aufklärungssystem „RecceLite“ (Reconaissance Litening Targeting Pod). Mit Hilfe eines hochauflösenden elektro-optischen Sensors und eines Infrarot-Sensors sammelt es bei Tag und Nacht digitales Bildmaterial aus niedriger und mittlerer Höhe. Die Ergebnisse des Aufklärungsfluges können in Echtzeit an die Bodenstation übertragen werden.

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