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Sicherheitsstudie : Deutsche Extremisten reisen kaum noch in den IS

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Raqqa im Juni 2014: Die Stadt in Syrien gilt als Hochburg des „Islamischen Staates“. Bild: Reuters

Die Sogwirkung des „Islamischen Staates“ in Syrien und Irak ist erloschen. Das geht aus einer Studie von Polizei und Verfassungsschutz hervor. Entwarnung gibt sie dennoch nicht.

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          Nur noch wenige Islamisten reisen aus Deutschland in die Kampfgebiete der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien und im Irak. Die Reisen der IS-Unterstützer seien „nahezu zum Erliegen gekommen“, steht nach Informationen von Süddeutscher Zeitung (Donnerstag), NDR und WDR in einer gemeinsamen Studie des Verfassungsschutzes und der Polizei. Sie solle Ende November auf der Innenministerkonferenz im Saarland vorgelegt werden. Es sei die bisher umfassendste Untersuchung der deutschen Dschihad-Szene, an der sich Behörden aus Bund und Ländern beteiligten.

          Die Ausrufung eines Kalifats durch den IS im Juni 2014 habe Islamisten weltweit „in bisher nicht da gewesenem Maß emotionalisiert und mobilisiert“, heißt es in dem Papier. Allein aus Deutschland hätten sich „zu Hochzeiten“ fast Hundert Personen im Monat auf den Weg in die Region gemacht. Bereits ein Jahr später habe es einen „drastischen“ Rückgang gegeben: Zwischen Juli 2015 und Juni 2016 hätten „durchschnittlich weniger als fünf Ausreisen pro Monat“ stattgefunden.

          Konkret beschäftigten sich die Behörden in der Studie mit der Radikalisierung von 784 Menschen, die in den vergangenen viereinhalb Jahren nach Syrien oder in den Irak reisten. Bei rund einem Viertel der aufgeklärten Fälle gibt es demnach einen Zusammenhang mit organisierten Koran-Verteilungen. Am Dienstag hatte das Bundesinnenministerium die Organisation „Die wahre Religion“ verboten, die für solche Aktionen bekannt war.

          „Kaum mehr eine Sogwirkung“

          Zugleich werde in der Studie aber darauf hingewiesen, dass der IS seine Anhänger auffordere, „nicht mehr in das Kalifat auszureisen, sondern in ihren Heimatländern Anschläge zu begehen“. Ob dies mit den rückläufigen Ausreisezahlen zusammenhänge, könne nicht beantwortet werden.

          Das Kalifat entfalte „kaum mehr eine Sogwirkung“, schrieben die Experten. Als mögliche Gründe nannten sie den wachsenden militärischen Druck auf den IS in der Region sowie die von „Gewalt und Brutalität gekennzeichneten Lebensbedingungen“ im Kalifat. Außerdem hätten verstärkte Ausreisekontrollen und der Entzug von Pässen zu dem Rückgang beigetragen. Dennoch finde die Ideologie des Terrormiliz immer noch viele Anhänger, wie die Anschläge in Ansbach und Würzburg vor mehreren Monaten bewiesen, heißt es in der Studie.

          Am Donnerstag berät die Kerngruppe der internationalen Anti-IS-Koalition in Berlin. Bei den Gesprächen im Auswärtigen Amt auf Ebene der politischen Direktoren geht es um einen Austausch über den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz, wie vorab aus dem Außenministerium verlautete. Die Koalition unterstützt die Offensiven gegen den IS im irakischen Mossul und im syrischen Raqqa, dem Hauptquartier der Dschihadisten. Das Treffen in Berlin wird vom Außen-Staatssekretär Markus Ederer und dem Sonderbeauftragten der amerikanischen Regierung für den Kampf gegen den IS, Brett McGurk, eröffnet.

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