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Attentat in Nizza : Vom Schläger zum Islamisten in kurzer Zeit

  • Aktualisiert am

Hat hier ein extremer Islamist gewohnt? Blick in die Wohnung des Attentäters. Bild: AP

Der Attentäter von Nizza hatte wohl doch ein islamistisches Motiv. Darauf deuten mehrere Aussagen aus seinem Umfeld hin.

          Frankreichs Premierminister Manuel Valls ist davon überzeugt, dass der Attentäter von Nizza ein radikaler Islamist war - wenn auch erst seit kurzem. Erste Ermittlungen zeigten, „dass sich der Attentäter sehr schnell radikalisiert hat“, sagte Valls der Sonntagszeitung „Journal du Dimanche“. Aus Polizeikreisen berichtete am Samstag die Nachrichtenagentur AFP, dass Vernehmungen von vier Festgenommenen aus dem näheren Umfeld des Attentäters von Nizza diese These stützen.

          Wie am Sonntag aus Ermittlerkreisen verlautete, sollen mehrere Zeugen der Polizei bestätigt haben, dass der Attentäter religiös gewesen sei. Im Zuge der Ermittlungen wurden am Sonntag zwei weitere Personen festgenommen. Es handelte sich um einen Mann und eine Frau, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise meldete. Die Polizei ließ derweil die ehemalige Frau des Attentäters wieder frei. Sie war nach dem Anschlag mehrfach verhört worden.

          Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Attentäter Mohamed Lahouaiej-Bouhlel den Tatort an der Promenade des Anglais am 12. und 13. Juli ausgekundschaftet habe. Dabei soll er mit den von ihm als Tatwaffe benutzten, angemieteten Lastwagen an die Strandpromenade gefahren sein. Am Donnerstagabend, kurz vor dem Anschlag, soll er per SMS „mehr Waffen“ verlangt haben. Dies meldeten französische Fernsehsender am Sonntag unter Berufung auf die Ermittler. Die SMS soll an einen der Männer gerichtet gewesen sein, die in den Tagen nach der Tat festgenommen wurden.

          Die der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahestehende Nachrichtenagentur Amak bezeichnete den zum Zeitpunkt seines Todes 31 Jahre alten Tunesier als „Soldat“ des IS. Der Mann war am Donnerstagabend mit einem gemieteten Kühllastwagen auf dem Küstenboulevard Promenade des Anglais in eine Menschenmenge gerast, die dort das Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag beobachtet hatte. Er wurde von der Polizei erschossen. Nach jüngsten Angaben vom Sonntagmorgen wurden 84 Menschen getötet, 303 Menschen verletzt. 85 lagen noch im Krankenhaus, 18 schwebten in Lebensgefahr. darunter ein Kind.

          Dieses Foto von Mohamed Lahouaiej-Bouhlel stammt aus der Aufenthaltsgenehmigung des Attentäters.

          Mohamed Lahouaiej-Bouhlel war bis zu seiner Tat nie als Islamist aktenkundig geworden. Auch nach Ansicht von Innenminister Bernard Cazeneuve könnte er sich aber sehr schnell radikalisiert haben.

          Menschen, die für die Botschaften des IS zugänglich seien, ließen sich für extrem brutale Aktionen gewinnen, ohne unbedingt dafür ausgebildet worden zu sein, sagte Cazeneuve nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts. Seit Freitag hatte es Berichte gegeben, dass der Mann gewalttätig und unbeherrscht war.

          Der Tunesier war im Januar mit einer Holzpalette auf einen Autofahrer losgegangen, weil der ihn aufgefordert hatte, seinen Lieferwagen woanders zu parken. Lahouaiej Bouhlel fügte dem Autofahrer schwere Verletzungen zu. Am 24. März  wurde er deshalb vom Strafgericht in Nizza zu sechs Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

          Zuvor hatte seine Ehefrau bereits wiederholt Anzeige wegen gewalttätigen Übergriffen gegen ihren Mann erstattet. Der in Tunesien lebende Vater sagte, sein Sohn habe psychische Probleme.

          Er sei zwischen 2002 und 2004 wegen einer schweren Depression behandelt worden. Er habe dann den Kontakt zu seiner in Tunesien lebenden Familie abgebrochen.

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