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Attentäter von Würzburg : Unauffällig bis zum Tod

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In dem rosafarbenen Kolping-Haus in Ochsenfurt hat der Attentäter vorübergehend gelebt. Bild: dpa

Nach und nach werden Details aus dem Lebens des Axt-Attentäters bekannt. Seit die Ermittler sein Bekennervideo auswerten, grübeln sie über einen wichtigen Punkt seiner Biografie.

          Sein Bekenner-Video gilt als echt, zudem hat sich in seinem Zimmer ein Abschiedsbrief an seinen Vater gefunden. Daraus und mit Zeugenaussagen versuchen Ermittler, mehr über den 17 Jahre alten Jugendlichen zu erfahren, der am Montagabend in einem Regionalzug nahe Würzburg wahllos Passanten angegriffen und mit Axt und Messer schwer verletzt hat. Die Behörden stehen nun vor den gleichen Fragen wie ihre Kollegen in Frankreich, die das Attentat in Nizza untersuchen: Hatte der Täter direkte Verbindungen zur Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS)? Wie und wann hat er sich radikalisiert, und was hat die Tat am Ende ausgelöst?

          Fest steht, dass der junge Mann vor etwa einem Jahr als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen ist, sich also ohne Eltern bei den Behörden gemeldet hat. Für solche Jugendliche gelten die Jugendhilfe-Standards, sie erhalten mehr Hilfe als erwachsene Asylbewerber. Bis vor zwei Wochen lebte der Jugendliche in einer Unterkunft für Minderjährige in Ochsenfurt, dann kam er zu einer Pflegefamilie im Landkreis Würzburg. Zeugen aus seinem Umfeld hätten den Mann als „ruhigen und ausgeglichenen“ Menschen beschrieben, berichtete Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er sei gläubiger Muslim gewesen, aber lediglich zu religiösen Feiertagen in die Moschee gegangen. Es habe keine Hinweise auf eine Radikalisierung gegeben.

          Polizisten untersuchen den Tatort auf der Bahnstrecke nahe Würzburg.

          Doch schon die Frage, woher der Täter stammt, ist nicht eindeutig beantwortet. Einem Bericht des ZDF zufolge bezweifeln Ermittler, dass er Afghane war, wie es bis Dienstagabend fast durchgängig hieß. Er rede in seinem Bekennervideo in Paschtu, einer Sprache, die deutliche Unterschiede in der afghanischen und der pakistanischen Ausprägung aufweise. Für Begriffe wie „Selbstmord“, „Regierungen“, „Militär“, „Körper“ und „Muslime“ verwende der Täter die pakistanische Variante. Auch seine Aussprache sei nach Einschätzung von Sprachexperten eindeutig pakistanisch. Der vom IS angegebene Name des Mannes stimme zudem nicht mit dem Namen überein, mit dem er in Deutschland registriert worden sei.

          Wie aus dem unauffälligen Jugendlichen ein Terrorist geworden ist, ist noch unklar. Wie im Fall des Attentäters von Nizza halten es die Ermittler für möglich, dass er sich in sehr kurzer Zeit radikalisiert hat. In seinem Zimmer sei in einem Block ein selbst gemaltes Symbol des IS gefunden worden, sagte ein Mitarbeiter des bayerischen Landeskriminalamts. Zudem gebe es verschiedene Texte in paschtunischer und arabischer Sprache. Bei einer inzwischen übersetzten Textpassage handele es sich offenbar um einen Abschiedsbrief an seinen Vater. Polizeilich sei der Attentäter ein „völlig unbeschriebenes Blatt“ gewesen. In sozialen Netzwerken habe er eine Seite unterhalten, es habe aber keine Hinweise auf eine extremistisch islamistische Ausrichtung gegeben.

          Lediglich kurz vor der Tat habe er eine kryptische Botschaft zu Feinden des Islam gepostet. Auslöser für den Angriff im Zug könnte gewesen sein, dass der Jugendliche am Samstag vom Tod eines Freundes in der Heimat erfahren habe. Dies habe großen Eindruck auf ihn gemacht und ihn nachhaltig verändert, sagte der Mitarbeiter des Landeskriminalamts. Der junge Mann habe danach sehr viel telefoniert. Mit wem, sei noch unklar, denn das Handy müsse erst noch ausgewertet werden.

          In seinem Bekennervideo, dass eine dem IS nahestehende Nachrichtenagentur verbreitet hatte, bezeichnet sich der Attentäter als „Soldat des IS“. Er wolle bis zum letzten Moment kämpfen und Ungläubige abschlachten. Offenbar an Deutsche gerichtet, sagt er: „Ich habe diesen Plan in eurem eigenen Haus gemacht.“

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