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Anschlag in Nizza : IS bekennt sich zum Attentat

  • Aktualisiert am

Der Attentäter von Nizza hatte eine Aufenthaltsgenehmigung für Frankreich. Bild: AFP

Nachdem sich der IS zum Attentäter von Nizza bekannt hat, spekuliert die französische Regierung darüber, dass sich der Mann schnell radikalisiert haben könnte. Der Polizei war er nicht als Extremist bekannt.

          Der Attentäter von Nizza kann sich aus Sicht des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve sehr schnell radikalisiert haben. Menschen, die für die Botschaften der Terrormiliz IS zugänglich seien, ließen sich für extrem brutale Aktionen gewinnen, ohne unbedingt dafür ausgebildet worden zu sein, sagte Cazeneuve laut der französischen Nachrichtenagentur AFP nach einer Kabinettssitzung am Samstag.

          Gleichzeitig betonte der Politiker jedoch, dass der 31-Jährige, der am Donnerstag mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge gerast war, der Polizei nicht als politisch radikalisiert bekannt gewesen sei.

          Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) hat sich über ihre Propagandaagentur Amaq der Verantwortung für den Anschlag in Nizza bezichtigt. Das meldeten mehrere französische Medien am Samstagvormittag. Mohamed Lahouaiej Bouhlel wird in dem Schreiben als „Soldat“ des IS bezeichnet. Eine unabhängige Bestätigung für die Echtheit des Dokuments gibt es noch nicht. Über die Radikalisierung des 31 Jahre alten Tunesiers ist bisher aber so gut wie nichts bekannt. Vier Männer aus dem Umkreis des mutmaßlichen Terroristen wurden am Freitag und Samstagmorgen in Polizeigewahrsam genommen. Spezialeinheiten der französischen Polizei nahmen die Männer in Nizza fest.

          Präsident Francois Hollande hatte an diesem Samstag für 9 Uhr einen  Sicherheitsrat einberufen, um den Stand der Ermittlungen zu besprechen.  Innenminister Cazeneuve wies zuvor darauf hin, dass Lahouaiej Bouhlel weder den lokalen, noch den nationalen Geheimdiensten wegen islamistischer Verbindungen aufgefallen war. „Wir haben es mit einem Individuum zu tun, den die Geheimdienste nicht wegen irgendwelcher Aktivitäten in Verbindung mit dem radikalen Islamismus kennen“, sagte Cazeneuve am Freitagabend im Fernsehsender TF1.

          Auch das Haus des Attentäters in Nizza haben die Ermittler durchsucht.

          In keiner der Datenbanken, die Frankreich zur Terrorprävention unterhält, sei er registriert. Es gebe auch keine Akte mit dem Vermerk „S“ für „Staatssicherheit“ zu ihm. In dieser Datenbank sind nicht nur islamistische Gefährder, sondern auch für die Staatssicherheit potentiell gefährliche Kriminelle erfasst.

          Premierminister Manuel Valls sagte jedoch schon am Freitagabend im Fernsehsender France 2, Lahouaiej Bouhlel, sei „ohne Zweifel auf die eine oder andere Weise in Verbindung mit dem radikalen Islam“. „Wir werden sehen, welche Verbindungen er mit terroristischen Organisationen unterhält.“

          „Fall gibt Rätsel auf“

          Justizminister Jean-Jacques Urvoas sagte am Samstag im Radiosender RTL, dass der Fall Lahouaiej Bouhlel weiterhin Rätsel aufgebe. „Lahouaiej Bouhlel hat keine Haftstrafe verbüßt. Sein strafrechtlicher Hintergrund deutete nicht auf die Straftaten hin, für die er heute angeklagt ist“, sagte der Justizminister.

          Der Tunesier war im Januar mit einer Holzpalette auf einen Autofahrer losgegangen, weil dieser ihn aufgefordert hatte, seinen Lieferwagen woanders zu parken. Lahouaiej Bouhlel fügte dem Autofahrer schwere Verletzungen zu. Am 24. März  wurde er deshalb vom Strafgericht in Nizza zu sechs Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

          Zuvor hatte seine Ehefrau bereits wiederholt Anzeige wegen gewalttätigen Übergriffen gegen ihren Mann erstattet. Nachbarn der inzwischen getrennt lebenden Ehefrau beschrieben Lahouaiej Bouhlel als unbeherrscht und gewalttätig. Der in Tunesien lebende Vater sagte, sein Sohn habe psychische Probleme. Er sei zwischen 2002 und 2004 wegen einer schweren Depression behandelt worden. Er habe dann den Kontakt zu seiner in Tunesien lebenden Familie abgebrochen.

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