https://www.faz.net/-gpf-8js7p

Anschlag auf Kirche : Wie der Mörder des Priesters die Justiz getäuscht hat

Ermordet vor dem Altar seiner Kirche: Der katholische Priester Jacques Hamel

Saint-Etienne-du-Rouvray zählt zwei Kirchengebäude. Die Terroristen wählten die ältere Kirche, die  im 16. Jahrhundert erbaut wurde und den Mittelpunkt des historischen Ortskerns bildet. Ihr verdankt der Ort den Sankt Stefan geweihten Namen.  farrer Hamel aber predigte auch viel in der zweiten Kirche, Saint-Thérèse, die 1950 mitten in einer Sozialbausiedlung erbaut wurde.

An den Kirchenbau grenzt  die Moschee Yahia– die Katholische Kirche stiftete das Gelände für den muslimischen Bau.  Der Verkauf des Geländes für einen symbolischen Euro galt als Symbol für das gute Auskommen zwischen den beiden Religionen.

Gewaltbereit schon als Grundschüler

Muslime und Katholiken nutzen den gleichen Parkplatz und wenn in der Moschee an hohen Festtagen nicht genügend Platz ist, dann öffnete die Kirche ihre Pforten und überließ den Muslimen die Pfarrwiese.  Das erzählte der Leiter des Kirchenchors, Gabriel Moba.  In der Moschee Yahia soll Abel Kermiche, einer der Attentäter, erste Kontakte zu radikalen Islamisten geknüpft haben, heißt es am Mittwoch.

Staatsanwalt Francois Molins beschrieb in einer Pressekonferenz am Dienstagabend die Täter. Einer der Terroristen trug drei Messer bei sich sowie eine in Alupapier gehüllte Bombenattrappe. Sein Komplize hatte einen Rucksack dabei, der ebenfalls mit einer Bombenattrappe gefüllt war. Beide Attentäter waren den Sicherheitsbehörden bekannt, ihre Akte trug den Vermerk S für „Staatssicherheit“.

Einer der Terroristen, der 19 Jahre alte Adel Kermiche, trug eine elektronische Fußfessel und durfte sein Elternhaus in Saint-Etienne-du-Rouvray nur zwischen 9 und 12 Uhr verlassen. Seine Eltern hatten gegenüber dem Haftrichter bekundet, dass sie ihren Sohn lieber in Sicherheit in einem Gefängnis wähnten als auf freiem Fuß. Sie bezeichneten ihren Sohn als unkontrollierbar. Das geht aus der Akte Kermiches hervor, die von der Zeitung „Le Monde“ eingesehen werden durfte. 

Adel Kermiche war das jüngste von fünf Kindern der franko-algerischen Familie, ein verhaltensauffälliger und gewaltbereiter Schüler seit der Grundschule. Wiederholt wurde Adel in seiner Kindheit von Lehrern zum Schulpsychologen geschickt. Im Alter von zwölf Jahren kam er in psychiatrische Behandlung, zunächst intern in Rouen, dann zur Tagesbetreuung in seiner Heimatstadt. Mit 16 Jahren brach er die Schule ab, im Alter von 17 Jahren werden die Sicherheitsbehörden zum ersten Mal auf ihn aufmerksam.

Täter täuschte Richterin über seine Einstellung

In der Moschee von Saint-Etienne-du-Rouvray lernt Kermiche den fast zehn Jahre älteren Adel Bouaoun kennen. Dieser begeistert ihn für den Dschihad in Syrien, macht ihn mit der IS-Propaganda vertraut. Wenig später reist Bouaoun mit dem Personalausweis Kermiches nach Syrien aus.  Deshalb verhörte die Polizei Kermiche. Im vergangenen März und wieder im Mai versucht Kermiche selbst, nach Syrien zu kommen. Beim ersten Versuch werden deutsche Grenzschützer in München auf ihn aufmerksam und nehmen ihn an Bord eines Reisebusses in Richtung Bulgarien fest.

Weitere Themen

Polizei durchsucht Wohnungen wegen Terrorgefahr Video-Seite öffnen

Razzia in Nordrhein-Westfalen : Polizei durchsucht Wohnungen wegen Terrorgefahr

Bei den Räumen in Düren und Köln handelt es sich nach Angaben der Polizei um Wohnungen islamistischer Gefährder. Es gäbe Erkenntnisse, dass sie möglicherweise einen Anschlag in Deutschland geplant haben, erklärt Wolfgang Baldes, Pressesprecher der Polizei Köln.

Topmeldungen

Der Markt für Smartphone-Hersteller wie Apple, Huawei und Samsung kannte lange nur eine Richtung: nach oben. Diese Ära ist jetzt vorbei.

Absatz von Smartphones : Handybesitzer zögern Neukauf immer länger hinaus

Umweltschützer freut es, die Hersteller sind frustriert: Handybesitzer warten immer länger, bis sie sich ein neues Gerät kaufen. Die Top-Marken müssen ein Minus von fast 4 Prozent verkraften – 5G soll das ändern.

EU-Urheberrecht : Von wegen keine Uploadfilter!

Innerhalb der nächsten zwei Jahre muss Deutschland das neue EU-Urheberrecht umsetzen – ohne Uploadfilter. Das verspricht jedenfalls die CDU. F.A.Z.-Redakteur Hendrik Wieduwilt hat daran seine Zweifel.

Video von Trump und Epstein : „Sie ist scharf“

Donald Trump hat in den vergangenen Wochen immer behauptet, den des Sexhandels beschuldigten Milliardär Jeffrey Epstein kaum zu kennen. Ein Video von 1992 zeigt die beiden jedoch bei einer von Trumps Partys in Florida.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.