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Anschläge in Thailand : Der Tourismus ist das Ziel

Tatort Touristenziel: Ein thailändischer Forensiker untersucht eines der Anschlagsziele. Bild: dpa

Mehrere Bombenexplosionen erschüttern Thailand. Die Militärregierung spricht von einer „inneren Angelegenheit“, wohl auch um die Tourismusindustrie zu schützen. Doch hinter den Sprengsätzen könnte mehr stecken als bloße oppositionelle Sabotage.

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          Eine ganze Serie von Bombenanschlägen, die am gleichen Tag mehrere Touristenzentren und Städte treffen: So etwas hat es in Thailand in diesem Ausmaß noch nicht gegeben – auch wenn die Zahl der Opfer mit derzeit vier getöteten Menschen niedriger bleiben dürfte als bei dem bisher größten einzelnen Anschlag auf einen Schrein in Bangkok vor etwa einem Jahr. Die koordinierten Angriffe werden im Rückblick womöglich als Wendepunkt in der Wahrnehmung des Traumziels auch vieler deutscher Urlauber gesehen werden. Denn die voreiligen Bemühungen der Militärregierung, die Anschläge nun schon als „innere Angelegenheit“ und Sabotage kleinzureden, werden von immer weniger Menschen ernst genommen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Innerhalb von 24 Stunden waren mehrere Explosionen aus verschiedenen Urlaubsorten Thailands gemeldet worden. Besonders stark betroffen war der bei der Königsfamilie beliebte Ferienort Hua Hin. Dort wurden zwei Personen getötet und diverse weitere verletzt. Bei drei Explosionen in den Provinzen Surat Thani und Trang kamen zwei Menschen ums Leben. Auch in dem angesagten Strandort Patong auf der Insel Phuket detonierten zwei Sprengsätze. Ebenso kam es in der Küstenprovinz Phang Nga zu einer Explosion. Bei den Toten handelte es sich ausschließlich um thailändische Staatsbürger. Laut Auswärtigem Amt sind drei Deutsche unter den Verletzten. Auch zahlreiche weitere Ausländer wurden verletzt.

          Motiv: Aufstand gegen die Militärregierung?

          Über die Täter und ihre möglichen Motive herrschte zunächst Unklarheit. Klar dürfte sein, dass die Urheber den Tourismussektor treffen wollten. Auffällig ist außerdem, dass die Anschläge mit dem Geburtstag der Königin Sirikit am Freitag zusammenfallen. Wegen des Feiertags hielten sich auch besonders viele einheimische Touristen an den Anschlagsorten auf.

          Die dennoch vergleichsweise geringe Zahl der Opfer verweist darauf, dass es sich um kleinere, womöglich selbstgebastelte Sprengsätze gehandelt haben könnte. Solche kommen unter anderem bei den Anschlägen malaiisch-muslimischer Rebellen im tiefen Süden des Landes zum Einsatz, aber auch in den politischen Auseinandersetzungen zwischen sogenannten Gelb- und Rothemden, die das Land seit zehn Jahren in Atem halten.

          Allerdings haben die Aufständischen aus dem Süden ihre Anschläge bisher vor allem auf dieses Gebiet beschränkt. Wahrscheinlicher erscheint auch wegen des Zeitpunkts der Attacke, dass hinter dem Anschlag Gegner des seit Mai 2014 an der Macht befindlichen Militärregimes stecken könnten. In den Monaten seit dem Putsch war es mehrmals zu kleineren Explosionen gekommen, die der Opposition zugeschrieben worden waren. Erst am vergangenen Sonntag hatten die Thailänder für eine neue Verfassung gestimmt,  die den Machteinfluss des Militärs auf Jahre zementiert. Vor dem Referendum hatte das Regime die Meinungsfreiheit erheblich eingeschränkt.

          Hinter den Anschlägen könnte auch eine internationale Gruppe stecken

          Es ist jedoch auch nicht auszuschließen, dass international agierende Kräfte hinter den Explosionen stecken. So machen die thailändischen Behörden für den Anschlag im August vorigen Jahres am Erawan-Schrein in Bangkok mit 20 Toten eine Bande von Menschenschmugglern verantwortlich, die über die Grenzen hinweg operiert haben sollen. Für das Verbrechen wurden bislang zwei Angehörige der aus China stammenden muslimischen Minderheit der Uiguren vor Gericht gebracht.

          Die offizielle Begründung erschien aber schon damals nur teilweise glaubhaft. Die meisten Beobachter teilen die Einschätzung, dass es sich um einen Racheakt für die Abschiebung von mehr als 100 Uiguren nach China gehandelt haben dürfte.

          Ebenfalls noch nicht auszuschließen ist ein islamistischer Terrorakt, auch wenn die Explosionen nicht unbedingt zu dem Muster jüngerer Anschläge passen, die etwa die Handschrift der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) getragen haben. Jedoch hatte es in den vergangenen Monaten Warnungen gegeben, wonach neben den muslimischen Nachbarländern Malaysia und Indonesien auch Thailand zum Ziel der vom IS inspirierten Terroristen werden könnte. Malaysia hatte erst vor wenigen Wochen den ersten derartigen Anschlag auf ein Lokal gemeldet. Dort wurden auch diverse Personen unter Terrorverdacht festgenommen.

          Sicherheitsvorkehrungen an Urlaubsorten erhöht

          Für das Militärregime waren die etwa zehn Explosionen und Brandanschläge Anlass, vor allem an den Urlaubsorten die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. „Wir gehen zurzeit davon aus, dass es sich um eine koordinierte Attacke handelt“, sagte Armeegeneral Danai Kritmethavee. Es sei aber noch zu früh, um sich zu möglichen Motiven zu äußern.

          Mit dem frühen Hinweis auf einen möglicherweise innenpolitischen Konflikt versuchen die Behörden wohl auch, kurzfristigen Schaden von der für das Land lebenswichtigen Tourismusindustrie abzuwenden. In einem aktualisierten Reisehinweis für das beliebte Urlaubsziel rät das Auswärtige Amt  nun schon zu „äußerster Vorsicht“. Touristen sollten öffentliche Plätze und Menschenansammlungen meiden.

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