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Anschläge in Brüssel : Warum Belgien?

Ende der Idylle?: Trauer um die Opfer des Terrors in den Straßen von Brüssel Bild: AFP

Immer wieder sticht Belgien als Brutstätte islamistischer Terroristen hervor. Warum gibt es gerade dort so viele Dschihadisten? Ein Kommentar.

          1 Min.

          Belgien hat bekanntlich nicht erst seit Dienstag ein ernsthaftes Problem mit dem Dschihadismus. Deshalb stellt sich vor allem das Land selbst die Frage, ob es spezifisch belgische Faktoren gibt, welche die Häufung terroristischer Vorfälle in den vergangenen Jahren begünstigt haben. Ein Umstand, der bei dieser (Selbst-) Prüfung ins Auge fallen muss, ist der bis an die Grenze zur Dysfunktionalität reichende Föderalismus des Landes.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die politischen Grabenkämpfe zwischen Flamen und Wallonen haben den belgischen Zentralstaat teilweise entmachtet und eine Zersplitterung der Kompetenzen zur Folge gehabt, die sich natürlich auf die Sicherheitsbehörden auswirkt. Das macht die Terrorismusbekämpfung nicht einfacher, ist allerdings keine belgische Spezialität. In Deutschland gibt es viele relevante Einrichtungen sogar 17 Mal, nämlich im Bund und in den Ländern.

          Eine grundsätzlichere Frage ist, ob ein kulturell zerrissenes Land wie Belgien Einwanderern überhaupt eine „nationale“ Identität bieten kann. In Belgien spricht man niederländisch, französisch, deutsch oder eine der vielen anderen europäischen Sprachen, die in der EU-Hauptstadt Brüssel den Alltag beherrschen. Ist das ein Hindernis für die Integration von Migranten, deren Wurzeln außerhalb Europas liegen?

          Wenn dem so wäre, dann dürfte es in Frankreich mit seiner starken republikanischen Identität kaum Probleme geben. Und auch in Belgien sind Islamisten natürlich nur eine kleine Gruppe innerhalb der muslimischen Minderheit; gewaltbereite Dschihadisten gibt es noch viel weniger.

          Das Brüsseler Viertel Molenbeek, das in medialer Überhöhung nun als eine europäische „Terroristenhochburg“ dargestellt wird, ist zwar ein orientalisch geprägter Stadtteil. Aber davon gibt es noch andere in Brüssel. Molenbeek sticht durch seine Armut hervor. Zu Dschihadisten werden heute vor allem junge Arbeitslose und Kleinkriminelle, das haben auch Studien in Deutschland ergeben.

          Seit 9/11 gab es mehrere große Terroranschläge in europäischen Hauptstädten, von Madrid über London bis Paris. Deswegen ist Brüssel kein Sonderfall, sondern leider ein typisches Beispiel für die beklemmende Sicherheitslage, in der sich große Teile der westlichen Welt seit Jahren befinden. Nicht nur in Belgien wird man neue Antworten auf diese Bedrohung suchen müssen.

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