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Terror-Ermittlungen : „Es ist eine Operation, die langen Atem erfordert“

  • -Aktualisiert am

Zeit der Sticheleien ist Vergangenheit

Das französisch-belgische Ermittlungsteam geht auch Verbindungen zu Terrorzelle im ostbelgischen Verviers nach. Die von Abaaoud gesteuerte Terrorzelle war am 15. Januar 2015, unmittelbar nach den ersten Attentaten von Paris, ausgehoben worden. Die IS-Kämpfer von Verviers sollen einen Anschlag auf einen Flughafen geplant haben. Zwei Verdächtige aus dem Brüsseler Problemstadtteil Molenbeek, in den in den vergangenen Monaten immer wieder Spuren des radikalen Islamismus geführt haben, wurden bei der Polizeioperation getötet. Abaaoud gab später in dem Propagandablatt Dabiq an, dass er der Polizei entkommen sei. 16 mutmaßliche IS-Kämpfer wurden festgenommen. Aber der französische Geheimdienst DGSI geht nach Informationen der Zeitung „Le Monde“ davon aus, dass ein Teil der Terrorzelle unerkannt entkommen konnte. Neun mutmaßliche Terroristen sollen noch immer auf freiem Fuß sein.

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„Islamischer Staat“ : Spuren des Terrors Bild: F.A.Z.

Dass die Zeit der gegenseitigen Vorhaltungen und Sticheleien zwischen Paris und Brüssel, an denen es zuletzt nicht gemangelt hat, der Vergangenheit angehören soll, verdeutlicht die Brüssel-Visite des französischen Premierministers Manuel Valls am Mittwoch. Erst wenige Stunden zuvor hatte der französische Finanzminister Michel Sapin dem Nachbarland eine „gewisse Naivität“ im Umgang mit radikalen Kräften im Land vorgeworfen. Postwendend kommt die Reaktion der belgischen, ebenfalls sozialistischen Spitzenpolitikerin Laurette Onkelinx: Sapins Einlassung seien „schlicht beschämend“ - gerade im aktuellen Schockzustand in Belgien.

Es geht nicht um gegenseitige Vorwürfe

Auch der belgische Innenminister Jan Jambon hat schon am Morgen abermals versucht, das vor allem außerhalb Belgien präsente Urteil zu korrigieren, die heillos zerstrittenen Flamen und Wallonen sähen dem Treiben der Radikalen in Molenbeek und anderswo macht- und tatenlos zu. „Jedermann sucht ständig nach Fehlern. Aber ich stehe hinter unseren Leuten“, sagt Jambon im Fernsehsender VTM. Er erinnert daran, dass Belgien außerhalb seiner Grenzen über den grünen Klee gelobt worden sei, als es im Januar 2015 die Terrorzelle in Verviers ausgehoben habe. Belgische Politiker verweisen auch darauf, dass die Justiz energisch - auch mit empfindlichen Gefängnisstrafen - gegen Mitglieder der radikalislamischen Organisation „Sharia4Belgium“ - vorgegangenen und die Zahl der aus Belgien nach Syrien und in den Irak gezogenen Dschihadisten deutlich gesunken sei. Rund 450 Kämpfer, so die jüngsten Statistiken seien ausgereist und 117 inzwischen heimgekehrt.

Valls geht es am Mittwoch weder um Rechenbeispiele noch um gegenseitige Vorwürfe. Zusammen mit seinem belgischen Amtskollegen Charles Michel tritt er am Nachmittag in Brüssel vor die Kameras. Valls würdigt die gemeinsam erzielten Erfolge bei der Jagd nach den Terroristen, Er spricht vom gemeinsamen Schicksal und davon, dass Belgier und Franzosen Vettern sei. Vorrangig sei es nun weiteren Anschlägen vorzubeugen. Aber Valls dämpft auch Hoffnungen auf rasche Erfolge im Kampf gegen den IS und sagt: „Wir wissen, dass es um einen Operation geht, die langen Atem erfordert.“

Videografik : Die Anschläge von Brüssel

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