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Anschläge : Der Terror ist in Brüssel

Die Abflughalle des Brüsseler Flughafens kurz nach der Detonation. Bild: AP

Bei den Anschlägen auf den Flughafen und die U-Bahn in Brüssel sind mindestens 34 Menschen getötet worden. Der Terror trifft das Machtzentrum der Europäischen Union schwer – aber nicht überraschend.

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          Noch ist unklar, wer hinter den Terroranschlägen von Brüssel steckt, die am Dienstagmorgen zunächst den Brüsseler Flughafen und kurz darauf die Metro trafen. Mindestens 34 Menschen sind bei den drei Explosionen ums Leben gekommen, mehr als 80 Verletzte gibt es. Im Internet aber kursieren schon kurz danach hämische Kommentare aus Kreisen der Terrororganisation „Islamischer Staat“. Nun bekomme die EU, was sie wegen ihrer Einmischung in Syrien und anderswo in der islamischen Welt verdient habe, heißt es. Der Terror ist in Brüssel, der Zentrale der Europäischen Union, angekommen.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Es ist kurz vor acht am Dienstagmorgen, als sich am Flughafen Zaventem vor den Toren Brüssels ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengt. Nur kurz Zeit danach gibt es eine zweite Explosion in der Schalterhalle des Flughafens. Teile der Decke geben nach, Fenster zerbersten. Die Menschen geraten in Panik. Der Flughafen wird geschlossen. Tausende sitzen auf dem Rollfeld des Flughafens fest.

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          Nur eine knappe Stunde später, um 9.11 Uhr, kommt es in der Metro-Station Maelbeek zu einer weiteren Explosion in einer fahrenden U-Bahn. Um die Station Maelbeek herum stehen zahlreiche Gebäude der Europäischen Kommission. Die Bahn war auf dem Weg Richtung Schuman, der nächsten Station. Hier stehen die Gebäude von Europäischer Kommission und dem Rat der EU.

          Ein Soldat steht nach in Brüssel der Explosion in der Flughafenhalle Bilderstrecke

          Kurze Zeit später sind sämtliche Straßen im Europa-Viertel von Brüssel gesperrt. Die Polizei schickt jeden, nicht zuletzt die Medien fort, um freien Weg für die Behandlung der Verletzten zu haben. Die belgische Regierung ruft die höchste Sicherheitsstufe 4 aus. Die Schulen schließen. Es herrscht Chaos. Überall sind Sirenen zu hören, Hubschrauber kreisen. Die belgischen Medien berichten live von den neusten Entwicklungen am Flughafen und im EU-Viertel. Fachleute spekulieren: War es nur eine Frage der Zeit, bis Brüssel, bis die EU – wieder – ins Visier der Terroristen geraten würde?

          Schon im Mai 2014, was angesichts der Terroranschläge in Paris in den Hintergrund geraten ist, erschoss ein französischer Syrien-Heimkehrer im jüdischen Museum von Brüssel vier Menschen. Wenige Wochen später verhinderte die Polizei durch einen Großeinsatz in der belgischen Stadt Verviers offenbar einen weiteren Anschlag. Endgültig rückte Belgien mit den Terroranschlägen am 13. November in Paris ins Zentrum der Terrorgefahr.

          Schon damals hatte die Regierung die höchste Sicherheitsstufe 4 ausgerufen, waren die Schulen tagelang geschlossen, das öffentliche Leben lag lahmgelegt. Die Anschläge in Paris wurden maßgeblich von einer Zelle aus dem Stadtteil Molenbeek geplant. Dann am Freitag vergangener Woche wurde einer der Hauptverdächtigen, Salah Abdeslam, von der belgischen und französischen Polizei nach monatelanger Suche eben dort festgenommen.

          Gebannt war die Gefahr damit für Brüssel nicht. Der belgische Bundesstaatsanwalt Frédéric Van Leeuw warnte ganz im Gegenteil schon am Montag, dass die Terrorgefahr trotz der Festnahme Abdeslams nicht gebannt sei. Waren die Anschläge am Dienstag vielleicht sogar ein Racheakt für diese Festnahme? Oder hat die Ankündigung von Abdeslam, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, „schlafende Terrorzellen“ in Belgien nervös gemacht und so zur Tat getrieben, wie es eine Expertin des belgischen Fernsehens vermutet? Möglich ist ebenso, dass es überhaupt keinen Zusammenhang gibt. Dass ss sich vielmehr um unabhängig geplante Anschläge handelt. Letztlich ist das alles zu diesem Zeitpunkt reine Spekulation. Die belgischen Behörden haben bisher nur mitgeteilt, dass es sich um einen Terroranschlag handelt.

          So oder so kommen die Anschläge wohl für niemanden in Belgien mehr überraschend. Aus keinem Land in der EU sind so viele jungen Menschen nach Syrien gegangen, um sich dem „Islamischen Staat“  anzuschließen. Viele von ihnen sind nach Belgien zurückgekehrt. Das Innenministerium spricht von mehr als 100 Rückkehrern.

          Die Gründe für die Radikalisierung liegen auf der Hand. In Vierteln wie Molenbeek, aber auch Anderlecht und Forest gibt es gerade für die Jugendlichen aus arabischen Zuwandererfamilien wenig Perspektiven. Auch ist den belgischen Behörden immer wieder vorgeworfen worden, die Tätigkeit radikaler Islamisten im Land nicht ausreichend zu kontrollieren. Ins Visier geriet dabei nicht zuletzt eine Moschee, die nur wenige Schritte von den EU-Institutionen entfernt liegt: die von Saudi-Arabien finanzierte größte Moschee der Stadt am Rande des Jubelparks.

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