https://www.faz.net/-gpf-8amrd

Merkel trifft Hollande : „Der Islamische Staat muss mit militärischen Mitteln bekämpft werden“

  • Aktualisiert am

Merkel stellt Frankreich weitere Unterstützung in Aussicht Bild: AP

Kanzlerin Merkel stellt Frankreich zusätzliche Unterstützung im Kampf gegen die Terrormiliz IS in Aussicht. In Berlin gibt es Spekulationen über einen Tornado-Einsatz der deutschen Luftwaffe. 

          2 Min.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem französischen Präsidenten François Hollande noch weitergehende Hilfe im Anti-Terror-Kampf in Aussicht gestellt. „Wenn der französische Präsident mich bittet, darüber nachzudenken, was wir mehr tun können, dann ist das Aufgabe für uns, darüber nachzudenken“, sagte Merkel am Mittwochabend bei einem Treffen mit Hollande in Paris. „Wir werden hier sehr schnell reagieren.“ Ohne auf Details einzugehen, sagte Merkel: „Der Islamische Staat muss mit militärischen Mitteln bekämpft werden.“

          Zuvor hatte die Kanzlerin zusammen mit Hollande der Opfer der Terroranschläge vom 13. November gedacht und am Platz der Republik in der französischen Hauptstadt eine Blume niederlegt. Der Platz liegt unweit der Konzerthalle „Bataclan“ und mehreren weiteren Tatorten der Mordserie mit 130 Toten.

          Hollande setzt am Donnerstag seine Bemühungen um eine internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus mit einem Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau fort. Am Dienstag hatte er sich in Washington mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama beraten.

          Um die französischen Streitkräfte im Anti-Terror-Kampf zu entlasten, sollen nach einer Ankündigung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) künftig bis zu 650 Bundeswehrsoldaten im westafrikanischen Mali stationiert werden. Zudem soll die Zahl der deutschen Soldaten, die im Nordirak kurdische Peschmerga-Kämpfer ausbilden, von 100 auf 150 erhöht werden.

          Hollande begrüßte die deutschen Pläne. Zugleich sagte er: „Falls Deutschland weiter gehen könnte, wäre das ein sehr gutes Signal.“

          Kampf gegen den „IS“ : Merkel sichert Frankreich Unterstützung zu

          Spekulationen über Tornado-Einsatz

          In Berlin wird derzeit über einen möglichen Einsatz deutscher Tornado-Aufklärungsflugzeuge über Syrien und dem Irak spekuliert. Es wäre die erste Beteiligung der Bundeswehr an einem offensiven Kampfeinsatz seit Afghanistan und eine Abkehr von der bisherigen Linie der Bundesregierung.

          Einen solchen Einsatz soll es nach Ansicht des Außen- und Verteidigungsexperten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Roderich Kiesewetter, jedoch nur mit einem entsprechenden UN-Mandat geben. „Ohne ein Mandat der Vereinten Nationen wäre das sicherlich sehr schwierig“, sagte er am Mittwoch dem Radiosender ffn.

          Aufklärungs-Tornados könnten IS-Stellungen erfassen und Tornados mit einer speziellen Ausrüstung zur Funkstörung die Luftabwehrstellungen des IS bekämpfen oder „sogar direkt mit Raketen diese Luftabwehrstellungen zerstören“, sagte Kiesewetter.

          Russland will “breite Anti-Terror-Front”

          Vor dem Treffen Hollandes mit Putin in Moskau bekräftigte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow das Interesse Russlands an einer internationalen Koalition im Kampf gegen den Terrorismus. Russland wolle eine „breite Anti-Terror-Front, eine echte Koalition“, sagte Rjabkow der Agentur Interfax. Dazu gebe es keine Alternative.

          Russland und Frankreich fliegen unabhängig voneinander Luftangriffe in Syrien. Bereits nach den Anschlägen in der französischen Hauptstadt hatten Moskau und Paris engere Absprachen angekündigt.

          Russland steht in der Kritik, weil es mit seiner Intervention den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt. Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch das Nato-Mitglied Türkei am Dienstag wirft einen Schatten auf die Bemühungen, Russland und den Westen im Kampf gegen den Terrorismus zu einen.

          Der russische Vizeaußenminister Rjabkow meinte, ein Ziel dieser Aktion könne gewesen sein, die Bildung einer internationalen Koalition zu torpedieren.

          Der amerikanische Außenminister John Kerry forderte seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zur Deeskalation im Streit mit der Türkei auf. Der Vorfall dürfe nicht dazu führen, dass die Spannungen zwischen Russland und der Türkei sowie in Syrien größer würden, sagte Kerry am Mittwochabend in einem Telefonat mit Lawrow. Washington lehnt eine militärische Zusammenarbeit mit Russland ab, solange Moskau den syrischen Präsidenten Assad unterstützt.

          Terror in Frankreich : Merkel und Hollande gedenken Pariser Terroropfer

          Weitere Themen

          Ist Flynn für Trump nur der Anfang?

          Gnade vor Recht : Ist Flynn für Trump nur der Anfang?

          Der erste Nationale Sicherheitsberater des scheidenden Präsidenten belog einst das FBI über seine russischen Kontakte. Nun macht ihm Trump zum Thanksgiving ein Geschenk - es könnte nicht das letzte gewesen sein.

          Topmeldungen

           Helfer bauen 2017 an der Zentrale der CDU im Konrad-Adenauer-Haus das CDU-Logo für die Wahlparty zur Bundestagswahl auf.

          Röttgen, Merz und Laschet : Wo ist der ruinöse Wettbewerb?

          Führen die drei Bewerber um den CDU-Vorsitz einen ruinösen Wettbewerb, wie Annegret Kramp-Karrenbauer behauptet? An inhaltlichen Gegensätzen kann es nicht liegen. Ein Vergleich dreier programmatischer Texte für die F.A.Z.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.