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Nusra-Front in Syrien : Ermunterung zur Emiratsgründung

Nusra-Front: Die Dschihadisten verfügen Schätzungen zufolge über 5000 bis 10.000 Mann. Bild: dapd

Al Qaida konzentriert sich immer stärker auf Syrien und hat dort erfahrene Veteranen zur Nusra-Front geschickt. Diese sollen das Fundament zur Schaffung eines Emirates legen.

          Khaled Idlibi glaubt nicht, dass in seiner Heimat bald ein neues Emirat ausgerufen wird. Der Aktivist stammt, wie schon sein Kampfname nahelegt, aus der nordsyrischen Provinz Idlib, wo die unter dem Banner von Al Qaida kämpfende Nusra-Front eine dominierende Kraft ist. „Sie haben nicht ausreichend die Kontrolle und sie arbeiten mit anderen Gruppen zusammen“, sagt er am Telefon über die Dschihadisten. Seine Kontaktleute versicherten ihm, sie hegten keine solchen Ambitionen. Die Nusra-Front habe derzeit auch gar nicht die Möglichkeit, ein eigenes Staatsgründungsprojekt zu verwirklichen.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Al-Qaida-Führung verfolgt allerdings durchaus solche Pläne. Sie setzt verstärkt auf ihren Dschihad in Syrien. Das Land sei „die Hoffnung“, sagte der Anführer der Terrororganisation, Ayman al Zawahiri Anfang des Monats in einer Propagandabotschaft. Zawahiri blies zum Marsch auf „Scham“ – so lautet die alte Bezeichnung für Großsyrien. Er pries die Nusra-Front, sagte, es sei eine Ehre, mit ihr verbunden zu sein und wünschte, dass Gott ihre Standhaftigkeit und ihren Erfolg mehre. Wenn die Nusra-Front ihren eigenen Staat gründen wolle und dessen Führer auswähle, werde sich die Führung nicht einmischen. „Wen auch immer sie auswählen, es ist ihre Wahl“, sagte Zawahiri.

          Seine Worte dürften als Ermunterung verstanden werden, die Emiratsgründung zu beschleunigen. Die „New York Times“ berichtete am Sonntag unter Berufung auf ranghohe Geheimdienstmitarbeiter und Terrorfahnder, Al Qaida habe mehr als ein Dutzend erfahrener Veteranen nach Syrien entsandt. Sie haben demnach den Befehl erhalten, ein alternatives Hauptquartier einzurichten und der Schaffung eines Emirates durch die Nusra-Front den Boden zu bereiten.

          Zivilisiertere Dschihadisten

          Ein solcher Vorstoß würde Al Qaida enormen Auftrieb verleihen. Als sich der Anführer des „Islamischen Staates“ (IS), Abu Bakr al Bagdadi zum Kalifen erklärte, hatte das eine ähnlich große Durchschlagskraft unter den Dschihadisten auf der ganzen Welt wie die Anschläge des 11. September 2001. Und während der IS Angst als strategische Waffe nutzt und das barbarische Treiben seiner Kämpfer entsprechend für die Propaganda aufbereitet, könnte sich die Nusra-Front als „zivilisiertere“ dschihadistische Staatsmacht präsentieren, die außerdem nicht von ausländischen Kämpfern dominiert ist, sondern von Syrern. Al Qaida würde außerdem über einen Rückzugsraum verfügen, der näher an Europa liegt als die Berge des Hindukusch. Der Wunsch nach spektakulären Terrorangriffen ließe sich mit einer Basis in Syrien leichter in die Tat umsetzen.

          Aber trotz des Drucks aus der Kernorganisation zögert die Nusra-Führung offenbar, das Emiratsgründungsprojekt mit großer Geschwindigkeit voranzutreiben. Ähnlich wie der Aktivist Khaled Idlibi sagen auch Dschihadismusfachleute in westlichen Sicherheitsbehörden, es sei unwahrscheinlich, dass schon in den nächsten Monaten ein Nusra-Emirat ausgerufen wird. Der Anführer selbst, Abu Muhamad al Dschaulani, soll dem skeptisch gegenüberstehen.

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