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Kampf gegen den Islamischen Staat : Nie wieder

Männer mit alten Waffen: Die kurdischen Peschmerga-Kämpfer brauchen neue Ausrüstung Bild: AFP

Der Westen muss den Kurden Waffen liefern: wegen eines vielfach wiederholten Schwurs und aus Gründen der eigenen Sicherheit

          Ein Jahrhundert nach Beginn des Ersten Weltkriegs will kein europäischer Politiker mehr ein Schlafwandler sein. Und dennoch sahen viele von ihnen wie in Trance einem sich anbahnenden Genozid zu, der in manchem dem Völkermord an den Armeniern vor ebenjenen hundert Jahren gleicht. Seit Wochen flüchteten Tausende Yeziden vor den Terrorbanden des Islamischen Staats ins Sindschar-Gebirge, wo sie nun eingekreist sind wie 1915 die von den Türken verfolgten Armenier auf einem Berg am Mittelmeer. Deren Leiden – und Hoffen auf Hilfe aus dem Westen – beschrieb Franz Werfel in seinem Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“. So lange hielten die Flüchtlinge dort aus, bis sie von einem französischen Kreuzer befreit wurden. Zur Rettung der verhungernden und verdurstenden Yeziden im Gebirge bleibt weit weniger Zeit.

          Das ist nun endlich nicht nur dem amerikanischen Präsidenten klar geworden. Man kann nach der Vorgeschichte verstehen, dass weder Washington noch die Europäer in die Zerfallsprozesse des irakischen Staates hineingezogen werden wollen. Doch dem mörderischen Geschehen im Norden des Iraks kann niemand tatenlos zusehen, der wie die westliche Welt seit dem Zweiten Weltkrieg vielfach den Schwur geleistet hat, nie wieder Völkermord und Vertreibung zuzulassen. Der zwingt den Westen in diesem Fall nicht dazu, eigene Divisionen ins Gefecht zu schicken. Den Kampf auf dem Boden gegen den „Islamischen Staat“ müssen schon die Kurden führen, denen es aber an Ausrüstung fehlt – Ministerpräsident Maliki rüstete lieber seine schiitischen Milizen auf.

          Frankreich will den kurdischen Peschmerga nun möglichst schnell Waffen liefern, die deutsche Politik aber bedenkt immer noch das Ende, genauer: alle möglichen Enden. Was wird dann aus unserer Zurückhaltung bei Waffenexporten in Krisengebiete? In wessen Hände könnten die Waffen geraten? Fördern wir mit dieser Hilfe die Entstehung eines kurdischen Staates? Das sind berechtigte Fragen. Doch darf auch diese hier nicht vergessen werden: Was bedeutete es für den ohnehin schon instabilen Nahen Osten und für die Sicherheit des Westens, wenn sich beiderseits der syrisch-irakischen Grenze ein Terrorregime festsetzte, das selbst noch die Kombination von Taliban und Al Qaida in den Schatten stellt? Die Levante ist Deutschland nicht nur geographisch deutlich näher als Afghanistan.

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