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Kampf gegen den IS : Tod des Rebellenführers Alloush gefährdet Friedensplan für Syrien

Spuren des Häuserkampfes: In Ramadi rückt die irakische Armee gegen IS-Stellungen vor. Bild: AP

Einen Tag nach dem Anschlag auf ihren Rebellenchef hat die „Armee des Islam“ angeblich schon einen neuen Anführer. Im irakischen Ramadi wird derweil erbittert gekämpft.

          In der zersplitterten syrischen Opposition war Zahran Alloush ein wichtiger Anführer. Mit seinen mehr als zehntausend Kämpfern war er dem Regime von Präsident Assad so nah auf die Pelle gerückt wie kein anderer. Der 44 Jahre alte Alloush kontrollierte die östlichen Vororte von Damaskus, nur ein paar Kilometer vom Präsidentensitz entfernt. Am Freitag wurde er bei einem Luftangriff getötet. Ein syrischer General sagte im Staatsfernsehen, die Luftwaffe habe eine Kommandozentrale angegriffen und neben Alloush weitere Führungsmitglieder der „Armee des Islam“ (Dschaisch al Islam) getötet. Augenzeugen schrieben den Bombenangriff dagegen russischen Kampfflugzeugen zu – was in der Sache kaum einen Unterschied macht, schließlich operieren die Russen wie die Luftwaffe Assads. Der Fernsehsender Al Dschazira berichtete am Samstag, die Rebellengruppe habe einen neuen Führer namens Abu Hammam al Buwaidani eingesetzt.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Vorfall belastet die Versuche des UN-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura, die Bürgerkriegsparteien zu Gesprächen über einen Waffenstillstand zu bewegen. Dazu hatte der UN-Sicherheitsrat kurz vor Weihnachten aufgerufen, die Gespräche sollten Anfang Januar beginnen. Das erschien schon vor dem Anschlag unwahrscheinlich, nun dürfte es noch schwieriger werden. Am Samstag teilte ein Sprecher Misturas mit, das „Zieldatum“ für den Beginn der Gespräche sei der 25. Januar. Man rechne mit der „vollen Kooperation aller relevanten syrischen Seiten“.

          Die „Armee des Islam“ hatte sich kürzlich an einem Treffen von Oppositionsgruppen in Riad beteiligt; alle hatten sich dort auf das Ziel eines demokratischen Übergangs zu einem pluralistischen System verpflichtet. Die Gruppe war Ende 2013 auf saudische Initiative gegründet und mit viel Geld und Waffen versorgt worden. Damals schlossen sich sechzig lokale, salafistisch ausgerichtete Milizen zusammen. Sie betrachten das von Alawiten getragene Regime in Damaskus als Hauptgegner. Sie kämpfen aber auch gegen den „Islamischen Staat“. Im Sommer veröffentlichte die Gruppe ein Video, das die Hinrichtung mehrerer IS-Kämpfer zeigen sollte.

          Ein Rückschlag für Saudi-Arabien

          Der Tod Alloushs ist nicht nur ein Rückschlag für Saudi-Arabien. Auch im Westen setzen viele darauf, die islamistischen Gruppen in den Friedensprozess einzubinden. Es besteht die Hoffnung, dass sie sich mit einer gemäßigten sunnitischen Regierung in Damaskus arrangieren und ihre Kämpfer gegen den IS in Stellung bringen. Dagegen betrachten Assad und Russland diese Gruppen durchweg als „Terroristen“, mit denen nicht verhandelt werden dürfe.

          Wie sehr in diesem Konflikt alles mit allem zusammenhängt, zeigte sich schon am Samstag. Oppositionsmedien berichteten, dass nach der Tötung Alloushs eine Vereinbarung zum Abzug von zweitausend islamistischen Kämpfern aus dem Süden von Damaskus ausgesetzt worden sei. Die Vereinten Nationen hatten sich dafür in Vermittlungsgesprächen zwischen der Regierung in Damaskus und mehreren Rebellengruppen eingesetzt. Es ging um Kämpfer des IS und der mit Al Qaida verbundenen Nusra-Front, die sich im Flüchtlingslager Jarmuk und zwei weiteren Vierteln verschanzt haben. Einige Kämpfer verließen das Lager wohl schon am Freitag in Bussen, angeblich in Richtung der syrischen IS-Hauptstadt Raqqa. Am Samstag wurde nur noch von leeren Bussen berichtet.

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