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„Kameradschaft Süd“ : Münchener Neonazis verurteilt

  • Aktualisiert am

Angeklagter Wiese: „Blutige Revolution im Sinn” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Weil sie an Anschlagsplänen auf das Jüdische Zentrum in München beteiligt waren, haben vier junge Neonazis wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung Bewährungsstrafen erhalten. Ein Urteil gegen Martin Wiese, den Anführer der „Kameradschaft Süd“, steht noch aus.

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          Wegen eines geplanten Bombenanschlags auf das neue Münchner Jüdische Zentrum sind fünf Neonazis zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Bayerische Oberste Landesgericht befand am Dienstag vier der fünf angeklagten Gesinnungsgenossen des Neonazis Martin Wiese der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung für schuldig.

          Die drei jungen Frauen und ein junger Mann wurden zu Jugendstrafen zwischen einem Jahr und vier Monaten und einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Diese vier Angeklagten hätten gewußt, daß die Gruppe Sprengstoff besessen habe, sagte der Vorsitzende Richter Bernd von Heintschel-Heinegg. „Den Angeklagten war klar, daß der Sprengstoff für einen Anschlag verwendet werden sollte“, ergänzte er.

          Einen 38 Jahre alten Mann verurteilte das Gericht wegen Beihilfe zum Erwerb und Besitz von Waffen zu einem Jahr und sechs Monaten Haft. Seine Strafe wurde ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt.

          Ziel: „Politischer Umsturz“

          Das Gericht sah es als erwiesen an, daß der Führungszirkel der „Kameradschaft Süd“ - die so genannte „Schutzgruppe“ - „einen politischen Umsturz im Sinne einer blutigen Revolution“ in Deutschland zum Ziel gehabt habe. Dabei sollte das politische System in Deutschland durch ein nationalsozialistisches Regime ersetzt werden, sagte von Heintschel-Heinegg.

          Die in dem ersten Verfahren Angeklagten hätten alle bis auf den 38 Jahre alten Mann gewußt, daß die „Schutzgruppe“ über Sprengstoff verfügt habe. Auch hätten sie im Sommer 2003 erfahren, daß der Sprengstoff für einen Anschlag auf das neue Jüdische Zentrum eingesetzt werden sollte.

          Terrorvorwurf zurückgewiesen

          Der sechsmonatige Prozeß hatte unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattgefunden, weil drei der fünf Angeklagten zwischen 18 und 38 Jahren zur Tatzeit noch minderjährig waren. Die Beschuldigten hatten vor Gericht die Anschlagspläne eingeräumt, aber den Terrorvorwurf zurückgewiesen.

          Die Verteidiger der Angeklagten hatten sich für den Fall einer Verurteilung für Bewährungsstrafen ausgesprochen, die Bundesanwaltschaft hatte Strafen auch über der Bewährungsgrenze von zwei Jahren gefordert.

          Polizei verhinderte Anschlag

          Die Polizei konnte den Anschlag verhindern. An der Feier zur Grundsteinlegung am 65. Jahrestag der Nazi-Pogrome gegen Juden nahmen Bundespräsident Johannes Rau und führende Vertreter des jüdischen Lebens in Deutschland teil.

          Der Anführer der Gruppe, der Neonazi Martin Wiese, muß sich zusammen mit drei weiteren Vertrauten in einem weiteren noch laufenden Verfahren verantworten. Wann das Urteil gegen ihn gesprochen wird, ist noch offen. Wiese war laut Anklage Anführer der „Kameradschaft Süd“.

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