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Kämpfe in Irak : Ein bröckelnder Teufelspakt

Vertriebene Yeziden fordern bei einer Demonstration in Arbil ein Eingreifen der Vereinten Nationen Bild: AFP

Der Bürgerkrieg im Irak wird immer brutaler. Nun vertreiben oder töten die Islamisten des Islamischen Staates die kurdischen Yeziden. Der Widerstand gegen die Extremisten verstärkt sich.

          Die Krieger des Islamischen Staats setzen im Nordirak ihre Geländegewinne fort, stoßen aber zunehmend auf Widerstand. Nachdem der Islamische Staat am Sonntag in den Norden und Westen von Mossul vorgestoßen war, haben dort am Montag kurdische Selbstverteidigungskräfte mit einer Offensive begonnen und zumindest eine Stadt zurückerobert. Der irakische Ministerpräsident Nuri al Maliki hat Luftangriffe angeordnet. Zudem war es in den vergangenen Tagen in Mossul zu Zusammenstößen der Terrorgruppe Islamischer Staat und der neu gebildeten „Brigade der Revolutionäre von Mossul“, einem Zusammenschluss sunnitischer Widerstandsgruppen, gekommen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Nach der Vertreibung der Christen aus Mossul hat die Terrorgruppe Islamischer Staat am Wochenende mit der Vertreibung der Yeziden begonnen. Die Islamisten übernahmen die Kontrolle über den strategisch wichtigen Mossul-Staudamm, eroberten die von Yeziden besiedelte Stadt Zummar, die am Damm liegt, und rückten in das Sindschar-Gebirge (kurdisch Sengal) ein, dem wichtigsten Siedlungsgebiet der Yeziden. Sie zerstörten die Schreine und Heiligtümer der Yeziden und hissten ihre schwarzen Flagge. Die sunnitischen Extremisten forderten die Yeziden auf, sich zum Islam zu bekennen oder hingerichtet zu werden. Am Sonntag gab es schon Massaker an den Yeziden.

          Die Yeziden sind Kurden, ihre Religion enthält Elemente des Islam sowie persischer und altorientalischer Religionen. Den sunnitischen Muslimen gelten sie als Häretiker. Die Stadt Zummar und das Sindschar-Gebirge liegen außerhalb der autonomen Region Irakisch-Kurdistan. Zum Zeitpunkt des Angriffs durch den Islamischen Staat waren dort nur leicht bewaffnete Peschmerga-Einheiten stationiert, die zur Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) des kurdischen Präsidenten Massud Barzani gehören. Bei den Kämpfen wurden 16 Soldaten der kurdischen Peschmerga getötet.

          200.000 Menschen auf der Flucht

          Mit der Eroberung des Sindschar-Gebirges will der Islamische Staat offenbar einen Korridor schaffen, um die faktisch autonome kurdische Region um die Stadt Hassakeh in Nordsyrien anzugreifen. Deren Volksverteidigungseinheiten (YPG) waren am Sonntag auf dem Weg Richtung Osten, um den vorrückenden Islamischen Staat zu bekämpfen.

          Nach Angaben der Vereinten Nationen in Bagdad sind vor den anrückenden Kriegern 200.000 Menschen geflohen. Viele von ihnen waren erst im Juni aus Mossul entkommen, als die Stadt in die Hände des Islamischen Staats gefallen war. Auch wenn nur wenige hundert Krieger der Extremisten vorrücken, ergreifen die Menschen aus Angst vor den hemmungslos mordenden Islamisten die Flucht. Das Medienbüro des Islamischen Staats verbreitet Videos mit Enthauptungen auf zentralen Plätzen und Massenerschießungen bei der Einnahme von Städten.

          Mossul, die zweitgrößte Stadt des Irak, ist das Zentrum des Islamischen Staats. Ihr selbsternannter Kalif Abu Bakr al Bagdadi herrscht vom ehemaligen türkischen Generalkonsulat aus. Die türkischen Diplomaten sind in seiner Geiselhaft. Bagdadi hält seine Freitagspredigten in einer Moschee von Mossul. In der nordirakischen Stadt formiert sich aber auch Widerstand gegen die Herrschaft des Islamischen Staats, dessen Brutalität die von Al Qaida und der Nusra-Front in Syrien weit übertrifft. So hat eine neue Gruppe mit Namen „Brigade der Revolutionäre von Mossul“ Ende vergangener Woche Dutzende Kämpfer der Terrorgruppe getötet. Anlass war die Vertreibung der Christen und die Zerstörung bedeutender nichtsunnitischer Heiligtümer durch den Islamischen Staat.

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