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Kämpfe im Nordirak : Amerikanische Luftwaffe greift Dschihadisten an

  • Aktualisiert am

Ein Kampfjet der amerikanischen Marine beim Start vom Flugzeugträger USS George H.W. Bush, aufgenommen Anfang August. Der Flugzeugträger ist momentan im Persischen Golf stationiert. Bild: AFP (Handoutfoto US Navy)

Die amerikanischen Streitkräfte haben damit begonnen, Stellungen der Terrorgruppe Islamischer Staat im Nordirak zu bombardieren. Präsident Obama hatte den Einsatz genehmigt, um einen „möglichen Völkermord“ zu verhindern.

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          Die amerikanische Luftwaffe hat eine Stellung der Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) nahe der Kurdenstadt Arbil im Nordirak angegriffen. Zwei F/A-18-Kampfflugzeuge hätten ein mobiles Geschütz der Islamisten bombardiert, teilte ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums am Freitag mit. Die Extremisten hätten die Artillerie gegen kurdische Kämpfer eingesetzt, die Arbil verteidigten. In der Stadt hielten sich Amerikaner auf.

          Die Entscheidung zum Angriff sei nach der Ermächtigung des Oberbefehlshabers der amerikanischen Streitkräfte, Präsident Barack Obama, gefallen. Dieser hatte den Militärschlag am Donnerstagabend genehmigt, um den Vormarsch der IS-Kämpfer auf Arbil zu stoppen, die Hauptstadt der autonomen Kurdenregion. Dort haben amerikanische Militärberater ein gemeinsames Einsatzzentrum mit der irakischen Armee eingerichtet, zudem gibt es dort ein amerikanisches Generalkonsulat. Das Militär werde wenn nötig den Schutz der geflohenen Zivilbevölkerung und amerikanischer Militärberater vor Ort mit „gezielten Luftangriffen“ unterstützen, hatte Obama am Donnerstagabend in Washington gesagt. „Wir können vorsichtig und verantwortungsvoll handeln, um einen möglichen Völkermord zu verhindern.“

          „Wie der Präsident klargemacht hat, wird das Militär der Vereinigten Staaten weiterhin direkte Maßnahmen gegen IS ergreifen, wenn sie unser Personal und unsere Einrichtungen bedrohen“, teilte das Pentagon am Freitag mit. Das Militär habe „grünes Licht“, um bei einer Bedrohung der Flüchtlinge weitere Angriffe zu starten, berichtete CNN.

          Am Freitagmorgen hatten drei amerikanische Frachtflugzeuge und zwei Kampfjets 8000 Fertigmahlzeiten und 20.000 Liter Wasser über dem Sindschar-Gebirge im Nordirak abgeworfen. Damit sollte den Tausenden Yerziden und Christen, die sich aus Angst vor Verfolgung und Gewalt vor den sunnitischen Extremisten verstecken, geholfen werden. Auch Großbritannien schickte Flugzeuge, um Lebensmittel abzuwerfen.

          Laut örtlichen Medienberichten griff auch die irakische Luftwaffe Stellungen des IS an. Bereits in der Nacht zum Freitag seien bei Luftschlägen 130 Dschihadisten in der Region von Mossul getötet worden, berichtete das kurdische Nachrichtenportal „Basnews“. Die unabhängige irakischen Nachrichtenseite „Sumaria News“ meldete, dass mehr als 105 IS-Kämpfer bei einem Angriff auf die Stadt Sindschar getötet und verletzt worden seien.

          Einem Medienbericht zufolge gelang es kurdischen Soldaten am Freitag, eine große Zahl der vor Dschihadisten geflohenen Yeziden zu retten. Wie das kurdische Nachrichtenportal Basnews am Freitag unter Berufung auf Kreise der Peschmerga-Armee meldete, wurden sie in die kurdischen Autonomieregionen in Sicherheit gebracht. Die Menschen sollten nun in Bussen in die Stadt Duhok gebracht werden. Eine genaue Zahl wurde nicht genannt. Rund 50.000 Yeziden waren vor den Dschihadisten in das Sindschar-Gebirge geflohen, wo sie tagelang von der Außenwelt abgeschnitten ausharren mussten.

          Die Terrororganisation IS mit ihren bis zu 20.000 Kämpfern hat ein Kalifat in Teilen des Iraks und Syriens ausgerufen. Die früher als Isis bekannte Bewegung hatte im Juni ihre Offensive gestartet und weite Teile des nördlichen und westlichen Irak überrannt. Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Ulla Jelpke, hält sich derzeit in den Kurdengebieten auf. „Die Flüchtlinge haben mir von Gräueltaten berichtet, die man kaum beschreiben kann“, teilte sie mit. „Sie haben geschildert, wie ein Ehemann vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder von den IS-Banden geköpft wurde. Frauen werden in Brautkleider gesteckt, vergewaltigt und dann den Angehörigen regelrecht vor die Füße geschmissen.“

          Der IS stellt die Menschen in den eroberten Gebieten vor die Wahl zu fliehen oder zu konvertieren. Andernfalls drohe ihnen der Tod. Neben den Jesiden sind auch zehntausende Christen auf der Flucht. Rund 200.000 Flüchtlinge seien in der Stadt Dohuk am Tigris eingetroffen, teilten die UN mit. Nach türkischen Angaben haben zehntausende Menschen auf türkischem Territorium Schutz gesucht.

          In Bagdad verstärkte sich angesichts der IS-Erfolge der Druck auf den umstrittenen schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Das geistliche Oberhaupt der Schiiten im Irak, Großajatollah Ali al-Sistani, warf irakischen Politikern vor, für die Krise mitverantwortlich zu sein. Ohne den Namen zu nennen, erklärte er, Politiker, die an ihren Posten klebten, begingen einen „großen Fehler“. Kritiker werfen Maliki vor, für die Krise im Irak mitverantwortlich zu sein, da er die Sunniten aus einflussreichen Ämtern gedrängt und damit für IS empfänglich gemacht habe. Auch die Vereinigten Staaten und Deutschland bekräftigten, der Irak brauche eine neue Regierung.

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