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K-Frage : In der Union stehen die Zeichen auf Konfrontation

  • -Aktualisiert am

Angela Merkel will es wissen Bild: dpa

Die K-Frage entwickelt sich zum beinharten Kampf zwischen den Konkurrenten Merkel und Stoiber. Am Wochenende ging Merkel in die Offensive, heute soll Stoiber in Wildbad Kreuth der Rücken gestärkt werden.

          Die Bühne ist frei. Der Kampf um die Kanzlerkandidatur der Union wird spannender als viele es erwartet haben dürften. Von diesem Montag an kommt die CSU zu ihrer traditionell wichtigen Klausurtagung in Wildbad Kreuth zusammen, ab Freitag beraten die Spitzen der Union in Magdeburg.

          Am Ende wird diese Entscheidung wahrscheinlich härter als die beiden Machtpolitiker der SPD, Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder, sie 1998 inszeniert haben.

          Lafontaine kürte Schröder

          Es sieht nicht so aus, als würde die CDU-Vorsitzende Angela Merkel oder der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber den jeweils anderen überraschend von sich aus zum Kanzlerkandidaten küren - wie Lafontaine Schröder nach dessen Sieg bei der Niedersachsenwahl.

          Stoiber kann im März lediglich mit einer für diese Frage kümmerlichen Kommunalwahl aufwarten. Doch nach den Äußerungen der beiden Spitzenpolitiker der Union vom Wochenende ist mit einer Entscheidung noch in diesem Monat zu rechnen.
          Merkel tendierte ursprünglich dazu, erst im Februar oder März den Kanzlerkandidaten der Union zu benennen.

          Merkel wusste zu kontern

          Nach der nicht enden wollenden Debatte um den Zeitplan der Kandidatenkür im Herbst dürfte jetzt feststehen, dass es ein ewiges Zuwarten nicht mehr geben kann. Merkel hat es mit ihrer hinhaltenden Taktik zumindest vermocht, im Rennen zu bleiben. Ja, sie war es, die in den vergangenen Wochen nach einem für sie schwierigen CSU-Parteitag in Nürnberg und einem für sie wichtigen CDU-Parteitag in Dresden Steherqualitäten gezeigt hat.

          Attacken aus dem Lager der Schwesterpartei und auch aus den eigenen Reihen wusste sie stets zum rechten Zeitpunkt - auf jeden Fall nie zu spät - zu kontern. Stoiber dagegen hat seine manchmal zu vornehme Zurückhaltung - die letztlich an seinem Willen zweifeln ließ - bis zuletzt nicht ganz aufgegeben. In Wildbad Kreuth, so verlautet aus der CSU, soll sich das ändern.

          Merkel: „Bin bereit“

          Für die Klausurtagungen der CSU und der CDU Ende dieser Woche hat Merkel rechtzeitig die Pflöcke eingeschlagen. „Ich bin bereit zu einer Kanzlerkandidatur“, erklärte sie in einem erlösenden Interview der „Welt am Sonntag“, in dem sie nun erstmals das K-Wort persönlich auf sich bezog. Für Beobachter, die den Dresdner Parteitag richtig gedeutet hatten, gab es daran aber keinen Zweifel. Ihren Anspruch untermauerte sie mit dem bereits seit Wochen unausgesprochen im Raum stehenden Hinweis, dass den CDU-Parteivorsitzenden immer ein „gleichsam selbstverständlicher Anspruch“ auf das Amt zugebilligt worden sei.

          Nach schweren und teils bitteren Niederlagen in den zurückliegenden Monaten - von dem Debakel im Bundesrat bei der Steuerreform über das misslungene Rentenplakat bis hin zu den Querschüssen aus den eigenen Reihen - hat Merkel in den vergangenen Wochen Zug um Zug wieder zu Ruhe und Kraft gefunden. Und dies sicherlich nicht, um am Ende „auf gleicher Augenhöhe“, wie einige Beobachter mutmaßten, Stoiber höflich den Vortritt zu lassen. Sie wolle politisch gestalten, hatte „Kohls Mädchen“ vor einigen Monaten geäußert. „In diesem Sinn bin ich machtbewusst.“

          Entscheidung durch die Fraktion?

          Auch Stoiber gab sich in einem Wochenend-Interview erstmals kämpferisch in der K-Frage. „Ich baue darauf, dass Angela Merkel und ich eine gemeinsame Entscheidung über die Kanzlerkandidatur treffen“, sagte der Muster-Ministerpräsident. Sollten sie sich nicht einigen können, werde „logischerweise“ die Bundestagsfraktion eine Empfehlung abgeben. Diese würde nach Meinung einiger CDU-Politiker Stoiber bevorzugen. Nach einem Zeitungsbericht sollen auch alle wichtigen CDU-Landeschefs - mit Ausnahme von Jürgen Rüttgers aus Nordrhein-Westfalen - Stoiber aufs Schild heben wollen.

          Stoiber versicherte, Merkel werde „so oder so eine dominante Rolle in der deutschen Politik spielen“. Das wäre aber noch die Frage. Möglicherweise votieren die CDU-Landeschefs dieses Mal nur deshalb für den CSU-Kandidaten, um ihre eigene Ausgangsposition - im Falle einer CDU-Wahlniederlage - für 2006 zu verbessern. Denn selbst eine achtbare Niederlage würde Merkel eher stärken.

          „Keine Krönungsmesse“

          Nach außen ist die CSU bemüht, jeden Eindruck zu vermeiden, sie wolle die CDU in der Kandidatenfrage überfahren. Nach den Umfragen und den Äußerungen vieler Spitzenpolitiker in der CDU ist Stoiber derzeit eindeutig in der besseren Position. Da würde es nur schaden vorzupreschen, so das Kalkül der Bayern. Und so sollen auch die drei Klausurtage in der Nähe des Tegernsees „keine Krönungsmesse“ für Stoiber werden, wie es ein CSU-Abgeordneter formuliert.

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