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Ratzinger korrigiert sich : Mitarbeiter der Wahrheit?

Papst Franziskus und sein 2013 zurückgetretener Vorgänger Benedikt im Jahr 2016. Bild: Imago

Als Bischof wollte Joseph Ratzinger „Mitarbeiter der Wahrheit“ sein. Der selbstgewählte Anspruch begleitet ihn bis heute.

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          Der Wahlspruch, den sich Joseph Ratzinger einst als Erzbischof von München und Freising erkor, erweist sich bis in das biblisch hohe Alter als nachgerade providentiell: Denn wer (nur) ein „Mitarbeiter (!) der Wahrheit“ ist, dem können und dürfen auch Fehler unterlaufen.

          Ob dazu auch wahrheitswidrige Behauptungen gehören wie weiland die Feststellung, dass alle Frauen auch abtreiben würden, die eine Beratungsbescheinigung erhalten hätten, oder die gegen alle wissenschaftlichen Standards vorgenommene Retuschierung eines älteren, nicht mehr „korrekten“ Textes für die Werkausgabe, oder die jüngste Volte, wonach er nun doch in einer Sitzung zugegen war, an der er nicht teilgenommen hat, obwohl er anwesend war – Benedikts Nachfolger Franziskus wäre nicht der letzte, dem es nach „Barmherzigkeit“ zumute wäre.

          Diese war und ist allerdings nicht immer und überall zugleich zur Stelle. Wer – auch das geht aus dem jüngsten Münchner Gutachten zum Missbrauch in der Kirche hervor – als Laie sexuelle Gewalt ausgeübt hatte, wurde konsequent zur Rechenschaft gezogen. Bei Priestern erkannte selbst ein staatliches Gericht Pädophilie als strafmindernd an.

          Und bis heute pochen Bischöfe als Arbeitgeber darauf, dass die private Lebensführung der Mitarbeiter von Kirche und Caritas „katholisch“ zu sein hat. Sind sie nicht katholischer als der Mitarbeiter-Papst? Und macht Wahrheit nicht doch frei, wie es im Neuen Testament heißt?

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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