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Josef Fidelis Senn : Der Mann hinter Hartz

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Verhandlungsführer von VW:
Josef Fidelis Senn

Verhandlungsführer von VW: Josef Fidelis Senn Bild: AP

Wenn es um die jüngsten Verhandlungen in Sachen Haustarifvertrag der Volkswagen AG geht, dann taucht sein Kopf mit Sicherheit in den Nachrichtensendungen auf: Josef Fidelis Senn vertritt auch am 5. Oktober wieder die Arbeitgeberseite.

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          Wenn es um die jüngsten Verhandlungen in Sachen Haustarifvertrag der Volkswagen AG geht, dann taucht sein Kopf mit Sicherheit in den Nachrichtensendungen auf: Josef Fidelis Senn vertritt auch am 5. Oktober wieder die Arbeitgeberseite. Er ist der Mann hinter Peter Hartz, dem Personal-Vorstandsmitglied bei VW.

          Im Unterschied zu Hartz ist über Senn aber nur wenig bekannt. Wer weiß schon, daß er 1957 in Sigmaringen an der Donau zur Welt kam und den Namen des 1622 getöteten Märtyrers Fidelis von Sigmaringen trägt? Er habe noch immer keinerlei Interesse daran, öffentliche Person zu werden, sagt er. Was freilich nicht verhindert, daß er im Rahmen der folgenden Verhandlungen über die VW-Tarife zunehmend ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät.

          Man mag ihn als Hartz' Gehilfen sehen - als Personalmanager setzt er jedenfalls die Ideen um, die der Personalvorstand in verschiedenen Büchern beschrieben hat ("Das atmende Unternehmen" 1996, "Job Revolution" im Jahr 2001). Bei den Verhandlungen müsse nun (erstmals seit vielen Jahren) über die Grundsatzfrage entschieden werden, ob die Volkswagen-Philosophie, Shareholder value mit Beschäftigungssicherheit zu kombinieren, durchgehalten werden kann, kündigt Senn an. "Dies wird für alle eine ganz entscheidende Runde sein." So wie vor drei Jahren, als er das Konzept 5000 mal 5000 verhandelte, das beweisen sollte, daß Industriearbeit in Deutschland noch wettbewerbsfähig organisiert werden kann.

          Ob Verhandeln für ihn als Personalchef die entscheidende Tätigkeit ist? Wer ihn als öffentlich ausgerichteten Redner und Verhandler bei VW sieht, wird enttäuscht. Wohl reist er für den Automobilhersteller oft quer durch die Welt, weiß durchaus über Verhandlungen - wo auch immer in der Welt - zu berichten (Spanien, Mexiko oder Brasilien), doch immer versucht er dabei, mit möglichst wenig Öffentlichkeit auszukommen. "Nervenstärke" charakterisiert ihn nach eigener Beurteilung. "Ich mag bei Verhandlungen keine Polarisierer. Meine Aufgabe ist dann erfolgreich, wenn Positionen zusammengeführt und Lösungen gefunden sind, mit denen beide Seiten leben können. Das setzt gute, belastbare Nerven voraus. Und außerdem braucht man Glaubwürdigkeit - die muß man sich erarbeiten."

          Senn studierte Verwaltungswissenschaft an der Universität in Konstanz, später VWL und BWL in St. Gallen, "neben viel Juristerei". Thema seiner Promotion war die "ökologieorientierte Unternehmensführung". Nach einem kurzen Intermezzo bei Thyssen startete er beim Arbeitgeberverband Stahl in Düsseldorf und wurde schließlich dort Hauptgeschäftsführer - ehe er 1998 zu VW wechselte, zuerst als Personalleiter im Werk Kassel, danach in Wolfsburg, seither als Leiter der Konzernstelle Zentrales Personalwesen.

          Die Anpassungsgeschwindigkeit für international arbeitende Unternehmen wie VW, darüber läßt er keinen Zweifel, wird sich weiter steigern. Kurz erinnert er an seine jüngste Erfahrung in China mit dortigen Studenten, die eines vermitteln: "Die jungen Leute dort werden in kürzester Zeit dafür sorgen, daß China unseren Know-how-Stand bekommt. Dann wird die Konkurrenzsituation erst richtig ernst."

          Ob Josef Fidelis Senn, noch immer ein überzeugter Katholik, der seit kurzem bei VW obendrein "Kirchenbeauftragter" geworden ist, nunmehr als Spezialist für die Tarifzukunft wirkt? Nicht im Ausland müsse man das Neue zuerst machen, meint er, "wir können auch hier das meiste schaffen, aber wir müssen es jetzt sofort tun". Daß die laufende Verhandlung mit dem IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine zu einem akzeptablen Ergebnis führt, hofft er. Als Schwabe sieht Senn in den gegenwärtigen Verhandlungen den Zwang zum Sparen - ohnehin quasi als Naturgesetz.

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