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Jonathan Ive : Der Mann für das Apple-Design

Wohl jeder Industriedesigner würde sich wünschen, von seinem Chef einmal so zuvorkommend behandelt zu werden wie Jonathan Ive, der federführende Designer des Computerherstellers Apple.

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          Wohl jeder Industriedesigner würde sich wünschen, von seinem Chef einmal so zuvorkommend behandelt zu werden wie Jonathan Ive, der federführende Designer des Computerherstellers Apple. Die besondere Beziehung zwischen Ive und dem Apple-Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs wird bei der Vorstellung eines neuen Computers besonders deutlich: Wenn viele Minuten nach dem Ende der offiziellen Vorstellung, wenn sich der Saal schon fast vollständig wieder geleert hat, Jobs noch einmal aus seinem Raum hinter der Bühne hervortritt, sich mit einigen verbliebenen Mitarbeitern unterhält - und seinen Arm vertrauensvoll um die Schultern von Ive legt. So stellt man sich die Stimmung einer Band nach einem gelungenen Rock-Konzert vor. Das Bild, das hier gezeichnet wird, könnte nicht anschaulicher sein: Seht her, dieser neue Computer ist unser gemeinsames Baby.

          Ive wurde 1967 in London geboren und hat in Newcastle Kunst und Design studiert. "Denn ich wußte schon mit 13 oder 14 Jahren, daß ich zeichnen und Dinge entwerfen wollte", sagte Ive, kurz nachdem ihm im Jahr 2003 der Titel des Designers des Jahres verliehen worden war. Nach dem Studium hatte Ive Tangerine gegründet, ein Design-Beratungsunternehmen, das unter anderem Werkzeuge und Fernsehgeräte entwarf. 1992 machte ihm Apple, damals einer seiner Tangerine-Kunden, das Angebot für eine feste Stelle in der Unternehmenszentrale im kalifornischen Cupertino.

          Ive hatte sich zuvor zwar nicht vorstellen können, jemals fest bei einem Unternehmen angestellt zu sein. Doch bei Apple machte er eine Ausnahme. Denn er hatte sich schon im College in das Apple-Betriebssystem und seine Benutzerfreundlichkeit verliebt. So etwas passiert Menschen in kreativen Berufen vergleichsweise häufig. Allerdings stieß Ive Anfang der neunziger Jahre zu einem Computerhersteller, der in ernsten Schwierigkeiten steckte. "Als ich zu Apple kam, war das Unternehmen auf dem absteigenden Ast, und ich hatte nur unwesentlich mehr Einfluß als in meiner vorherigen Rolle als Berater", erinnert sich Ive, der diese Zeit auch schon als frustrierend bezeichnet hat.

          Das änderte sich nachhaltig, als Unternehmensmitbegründer Steve Jobs an die Spitze des Unternehmens zurückkehrte. Ive und Jobs ersannen den ersten, den bunten "iMac" mit Röhrenmonitor, der sich millionenfach verkaufte und das Unternehmen vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit bewahrte. Danach folgte ein Erfolg nach dem anderen - und als vorläufige Krönung der digitale Musikspieler "iPod", der den Markt zum Leidwesen japanischer Anbieter von Unterhaltungselektronik beherrscht. Selbst den wohl einzigen Mißerfolg der jüngeren Apple-Geschichte, den "Cube", konnte letztlich niemand Ive anlasten. Denn das Design war über jeden Zweifel erhaben, das New Yorker Museum of Modern Art hatte sich früh um ein Exemplar bemüht.

          Das Beispiel Apple hat beim Blick auf fortschrittliches Industriedesign Tradition. Dem Unternehmen bringt das handfeste betriebswirtschaftliche Vorteile: Denn es trägt dazu bei, daß Apple für seine Computer deutlich mehr Geld verlangen kann als seine Wettbewerber. Auch Ive glaubt, daß die Branche nach wie vor zu oft von Preis-Leistungs-Vergleichen umgetrieben wird. "Wie schnell? Wie groß ist die Festplatte? Unsere Industrie ist so sehr mit dem Vergleich absoluter Werte befaßt, daß Dinge wie das Design, die sich nicht in Maßeinheiten zwängen lassen, in den Hintergrund treten." Ive hingegen kann minutenlang über die Entwicklungsarbeit reden, die allein in den Mechanismus investiert worden ist, mit dem man das "G5"-Standgerät von der Seite öffnen kann, um etwa eine Grafikkarte auszutauschen und mehr Speicher zu installieren.

          Ive räumt aber auch ein, daß ein einmal erfolgreiches Design wie eben das des ersten "iMac" mit seinem Röhrenbildschirm und den verschiedenen Farben einen Designer dazu verleiten könne, mit frischen Ideen für ein neues Produkt vorsichtiger zu werden. Doch in solchen Momenten gibt es für Apple glücklicherweise ja immer noch Jobs mit seinen stets neuen Ideen - und das "himmlische" Designteam um Ive herum, das Ive in seinen Interviews zu loben nicht müde wird. Denn er selbst ist ein zurückhaltender, geradezu scheu wirkender Mensch. Ive drückt sich lieber über die Dinge aus, die den Weg vom Zeichenblock in die Hände der Apple-Kunden finden.

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