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John Kerry : Mit fast 70 der große Karrieresprung

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Keiner kennt so viele Präsidenten und Regierungschefs: John Forbes Kerry wird Außenminister der Vereinigten Staaten Bild: AP

Wie sein Vorbild John F. Kennedy wollte John Forbes Kerry ins Weiße Haus einziehen. Doch im Wahlkampf gegen George W. Bush unterlag der bisweilen elitär und steif wirkende Diplomatensohn 2004. Jetzt wird er immerhin Außenminister.

          Den Traum vom Weißen Haus verfehlte John Kerry bislang ebenso wie seine Amtsvorgängerin Hillary Clinton. Mit knapp 70 Jahren gelingt dem demokratischen Senator aus Massachusetts als Außenminister doch noch ein großer Karriereschritt. Es gebe kaum einen anderen Politiker, der weltweit so viele Präsidenten und Regierungschefs kenne, warb Präsident Barack Obama für ihn. Nach Condoleezza Rice und Hillary Clinton steht damit wieder ein Mann an der Spitze des State Department.

          Mit den Initialen JFK schien die Politikkarriere vorbestimmt zu sein. Wie sein Vorbild John F. Kennedy wollte der drahtige Ostküsten-Katholik John Forbes Kerry ins Weiße Haus einziehen. Dass es im Wahlkampf 2004 gegen George W. Bush nicht reichte, lag auch am elitären und mitunter steifen Auftreten des 1,93 Meter großen Diplomatensohns mit dem markanten Kinn. Kerry ist zudem einer der reichsten Kongressabgeordneten.

          In der zweiten Reihe der amerikanischen Politik gehört Kerry seit Jahrzehnten zu den profilierten Außenpolitikern. Er gilt als erklärter Israel-Freund. Zu seinen wichtigsten Herausforderungen zählt der neue Außenminister die Wirtschaftspolitik. Sein Land müsse allerdings im Wettbewerb um Rohstoffe und Märkte gegen Konkurrenten wie China zulegen. Kerry hat nicht zuletzt mit schwierigen Missionen in Afghanistan und Pakistan Vertrauen gewonnen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses war der erste amerikanische Politiker, der Ägyptens neu gewählten Präsidenten Mohammed Mursi traf.

          Trainingspartner für Obama

          Präsident Obama hatte den fast 20 Jahre älteren Kerry im vergangenen Wahlkampf als Trainingspartner für die TV-Rededuelle gegen den republikanischen Herausforderer Mitt Romney ausgewählt. Als Außenministerin Clinton ihren Rückzug ankündigte, musste es sich Kerry dennoch gefallen lassen, nicht die erste Wahl für die Nachfolge zu sein. Als Obamas Wunschkandidatin wurde die UN-Botschafterin Susan Rice gehandelt. Die scharfzüngige Spitzendiplomatin gab ihre Karrierepläne aber auf, weil die Republikaner ihre Informationspolitik nach einer tödlichen Attacke auf das amerikanische Konsulat im libyschen Bengasi massiv attackiert hatten.

          Mit 94:3 Stimmen bestätigt: John Kerry ist Außenminister

          Die Eloquenz des Diplomatensohns, der seinen Schliff auf einer Privatschule in der Schweiz und an der Elite-Uni Yale bekam, ist legendär. Ein volksnaher Politiker ist der Vater zweier Töchter aber bis heute nicht. Dass der Freund edler Rotweine im Wahlkampf 2004 bekannte, mit seiner zweiten Frau, der Millionärin und Ketchup-Erbin Teresa Heinz, auch mal auf Französisch zu parlieren, war vielen amerikanischen Patrioten nicht geheuer.

          Empfindlich reagierte der Hobbypilot und Gitarrenspieler 2004 auf Behauptungen, er habe sich als mehrfach verwundeter Soldat in Vietnam hohe Kriegsorden erschlichen. Kerry ließ die Vorwürfe durch Kameraden von einst widerlegen. Im Gegensatz zu Obama lassen sich in Kerrys Biografie viele Anknüpfungspunkte mit Europa finden. Sein Vater war als Diplomat auch in Berlin tätig, das der 1943 geborene Kerry in der Nachkriegszeit mit dem Fahrrad erkundete. Als der neugierige Junior in den sowjetischen Sektor radelte, habe es daheim Hausarrest gegeben, erzählte Kerry Jahrzehnte später.

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