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John Edwards : Der Optimist

  • -Aktualisiert am

Kerrys „running mate”: John Edwards Bild: dpa/dpaweb

John Edwards war für John Kerry die natürliche Wahl als „running mate" für das Amt des Vizepräsidenten, um bei den Wahlen am 2. November Präsident Bush und Vizepräsident Dick Cheney zu schlagen.

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          Nach all der Aufregung um einen temperamentvollen Außenseiter aus Vermont namens Howard Dean, der Anfang des Jahres schon wie der sichere Kandidat der Demokraten für das Präsidentenamt aussah, nach all den Spekulationen über einen möglichen Linksruck der Demokratischen Partei ins politische Abseits - am Ende ist doch alles genau nach "Papierform" gekommen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          John Kerry, Senator aus Massachusetts, setzte sich schon bei den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire Ende Januar so deutlich von seinen Konkurrenten ab, daß er als Herausforderer von George W. Bush feststand, noch ehe die Saison der Vorausscheidungen richtig begonnen hatte.

          Eine natürliche Wahl

          Und John Edwards, Senator aus North Carolina, war der einzige, der bis zu seinem Ausscheiden aus dem Rennen nach Kerrys Seriensiegen am "Superdienstag" vom 2. März noch eine theoretische Chance hatte, selbst Kandidat zu werden, nachdem er am 3. Februar immerhin seinen Geburtsstaat South Carolina gegen Kerry hatte gewinnen können.

          Nun also hat der Erste den Zweiten zu seinem "running mate" für das Amt des Vizepräsidenten erkoren, mit dem er bei den Wahlen am 2. November Präsident Bush und Vizepräsident Dick Cheney schlagen will. Edwards war für Kerry die natürliche Wahl, und er ist für Kerry die beste Wahl. Was dem stets etwas hölzernen, kompliziert und griesgrämig wirkenden Kerry fehlt, bringt nun Edwards mit in den Wahlkampf der Demokraten: Temperament, Geradlinigkeit und Optimismus. Edwards, seit 1998 für North Carolina im Senat und mit 51 Jahren gewiß kein Grünschnabel mehr, wirkt dennoch jugendlich, könnte als das "frische Gesicht" die entscheidenden unentschiedenen Wähler für die Demokraten gewinnen.

          Ein Mann aus dem Volk

          Hinzu kommt, daß Edwards, anders als der neuenglische "Aristokrat" und "Milliardärin-Gatte" Kerry, ein Mann aus dem Volk und zudem aus dem Süden ist, wie an seinem Akzent leicht zu erkennen ist. Der Sohn eines Textilarbeiters, der in Kleinstädten in South und North Carolina aufwuchs, war der erste in seiner Familie, der ein Hochschulstudium absolvierte.

          Auch seinen Wohlstand verdankt der rhethorisch gewandte Edwards seinem Kampf für die kleinen Leute: Als Anwalt in Schadensersatzprozessen gegen Versicherungen und Krankenhäuser wies er die mächtigen Konzerne in die Schranken. Edwards' Botschaft während der Vorwahlen war klar: Er wolle Amerika durch Zuversicht und eine positive Botschaft wieder nach vorne bringen statt die politischen Gegner anzuschwärzen; er wolle die Teilung des Landes in "zwei Amerikas", eines für Wohlhabende und eines für Habenichtse, überwinden helfen, damit der "amerikanische Traum" wieder für alle wahr werden könne. Den Nachteil, daß die Lobby der Industrieverbände allergisch auf Rechtsanwälte mit dem Spezialgebiet Schadenersatzklagen reagiert, kann Edwards mit seinem Robin-Hood-Image mehr als ausgleichen.

          Edwards und seine Frau Elizabeth, die sich beim Jurastudium kennenlernten, haben eine erwachsene Tochter und zwei kleine "Nachzügler"-Kinder. Ein Sohn starb mit 16 Jahren bei einem Autounfall. Nach dem Ausscheiden aus dem Kandidatenwettkampf Anfang März sagte Edwards, er habe wenig Interesse, "running mate" von John Kerry zu werden - und fing sogleich an, eifrig Wahlkampfspenden für Kerry zu sammeln.

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