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John Boehner : In die Ecke gedrängt

  • -Aktualisiert am

Dritter Mann im Staate: John Boehner Bild: REUTERS

Den Haushalt mit Obamas Gesundheitsreform zu verknüpfen, ging John Boehner eigentlich zu weit. Doch er musste sich dem Verlangen seiner Partei beugen. Die Geister, die ihn plagen, hat Boehner einst selbst gerufen.

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          John Boehner war schon voriges Mal dabei, als Amerikas Bundesverwaltung dichtmachte. Als Vorsitzender der republikanischen Abgeordneten war er 1995 der vierthöchste Republikaner im Repräsentantenhaus. Aus der Nähe erlebte er mit, wie der damalige „Sprecher“ Newt Gingrich den demokratischen Präsidenten Bill Clinton in die Knie zu zwingen versuchte. 28 Tage lang blieben viele Bundesbehörden geschlossen. Doch was die Amerikaner zunächst Clinton anzulasten schienen, fiel bald Gingrich und seinen Leuten auf die Füße.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Bei den Kongresswahlen 1996 schmolz die republikanische Mehrheit zusammen, und in der Fraktion wurden Putschpläne geschmiedet. Gingrich und Boehner konnten sich zwar noch eine Weile im Amt halten, doch 1998 schien beider Zeit in der Parteiführung beendet. Boehner aber kämpfte sich zurück. Als geschickter Unterhändler erwarb sich der Abgeordnete aus Ohio wieder den Respekt seiner Kollegen und wurde 2006 erst Mehrheitsführer, dann Minderheitsführer und schließlich, nach der republikanischen Rückeroberung des Repräsentantenhauses, dessen „Sprecher“. Damit ist er der dritte Mann im Staate, der im Falle des Todes von Präsident und Vizepräsident ins Weiße Haus einzöge. Doch das sind umso ferner liegende Eventualitäten, als Boehner schon um den Posten bangen muss, den er hat.

          Die Geister, die ihn plagen

          Die Geister, die ihn plagen, hat der Dreiundsechzigjährige selbst gerufen. Im Wahlkampf 2010 hatte er viel Rhetorik der konservativen „Tea Party“ übernommen. Anderenfalls, das hatte er begriffen, wäre ihm die Krönung der Karriere wohl versagt geblieben. Beharrlich weigerte er sich nach seiner Wahl zum „Sprecher“, das Wort „Kompromiss“ in den Mund zu nehmen. Lieber sprach er von der „Suche nach „Gemeinsamkeiten“. Boehner erinnerte seine Fraktion aber gelegentlich daran, „dass wir Erwachsene sind“, wie er einmal formulierte.

          Sein Amt bedeutet ihm viel
          Sein Amt bedeutet ihm viel : Bild: AFP

          Die Verknüpfung des Ausgabengesetzes mit der Rücknahme der Gesundheitsreform ging ihm eigentlich zu weit. Doch als seine Warnungen ihre Wirkung verfehlten und immer mehr Abgeordnete verlangten, auch ihr Anführer müsse die stolzen Grundsätze der Partei verteidigen, beugte Boehner sich.

          Von Tränen übermannt

          Sein Amt bedeutet ihm viel. In Interviews übermannen ihn regelmäßig Tränen, wenn er berichtet, wie er mit elf Geschwistern in einer demokratisch-katholisch geprägten Familie nahe Cincinnati aufwuchs, täglich zur Kirche ging und schon als Neunjähriger in der Kneipe des Vaters den Boden wischen musste. Seine Frau Debbie, mit der er seit 40 Jahren verheiratet ist und zwei Töchter großzog, lernte er kennen, als er noch Schichtdienst als Hausmeister machte. Doch dann gründete Boehner ein Unternehmen für Plastikverpackungen, wurde wohlhabend - und Republikaner.

          Niemand muss Boehner davon überzeugen, dass Amerika statt höherer Steuern und Sozialausgaben einen entschlosseneren Schuldenabbau brauche. Nur glaubt er, dass die Tea Party den Kampf falsch anpackt. Fraglos authentisch ist sein Groll gegenüber Barack Obama: Auch ein groß inszenierter „Golfplatz-Gipfel“ vor zwei Jahren änderte nichts daran, dass Boehner sich als Verhandlungspartner des Präsidenten nicht ernstgenommen fühlt. „Dieser Präsident redet mit Irans Diktator“, klagt Boehner, „aber nicht mit mir.“

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