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Johannes Singhammer (CSU), München-Nord : Von den Schicksalsgöttern geprüft

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Johannes Singhammer (CSU), München-Nord Bild: Kat Menschik

Johannes Singhammer ist der weiße Rabe der CSU. Sein Wahlkreis im Münchner Norden fiel 2005 der SPD zu - wie schon in den Jahren 2002 und 1998. Nur ein einziges Mal, 1994, gelang ihm eine Mehrheit der Erststimmen auf sich zu vereinen.

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          Johannes Singhammer ist der weiße Rabe der CSU. Vor vier Jahren, bei der Bundestagswahl 2005, scheiterte er als einziger Direktkandidat seiner Partei. Sein Wahlkreis im Münchner Norden fiel der SPD zu – wie schon in den Jahren 2002 und 1998. Nur ein einziges Mal, 1994, gelang ihm, was in der CSU fast als Selbstverständlichkeit gilt: eine Mehrheit der Erststimmen auf sich zu vereinen. 2005 war sein persönliches Drama mit einem großen Schauspiel verbunden – er konnte nur über die CSU-Liste wieder in den Bundestag einziehen, weil Edmund Stoiber eine plötzliche Allergie gegen Berlin verspürte.

          Zum Außenseiter in seiner Partei ist Singhammer, der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, dadurch nicht geworden. Auch maliziöse Mitstreiter gestehen ihm zu, dass ihm die politischen Schicksalsgötter eine besondere Probe auferlegt haben, mit einem Wahlkreis, der kaum heterogener sein könnte. Zu „München-Nord“ gehört die Maxvorstadt, das Zentrum des klassizistischen München. Dort wohnen viele Akademiker und Studenten, mit einer eindeutigen parteipolitischen Präferenz: Bei der Europawahl im Juni lagen die Grünen vor der CSU.

          Den Gegenpol in Singhammers Wahlkreis bildet der Stadtteil Hasenbergl, dessen Sozialstatistiken ein Bild zeichnen fern der Leichtigkeit des Seins, mit der München gerne glänzt. In der Gesamtstadt kommen nach den jüngsten Erhebungen auf 1000 Einwohner 131 Personen, die nach statistischen Kriterien als arm gelten; im Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl, der weiter gefasst ist als das eigentliche Hasenbergl, 209 Personen. Entsprechend anders als in der Maxvorstadt fallen die Wahlentscheidungen aus; bei der Europawahl wurde in Feldmoching-Hasenbergl die CSU die stärkste Kraft, die Grünen mussten sich nach der SPD mit dem dritten Platz begnügen.

          Wird es Singhammer dieses Mal gelingen, das Direktmandat zu erobern? 2002, bei der Wahl mit dem bayerischen Kanzlerkandidaten Stoiber, war er seinem Konkurrenten um das Direktmandat, dem Sozialdemokraten Axel Berg, ganz dicht auf den Fersen: Nur 0,2 Prozentpunkte betrug der Abstand bei den Erststimmen. 2005 waren es 2,7 Prozent. In den vergangenen Wochen war es sehr schwer, im Münchner Norden Singhammer nicht über den Weg zu laufen; kein Wochenmarkt, kein Platz, kein CSU-Infostand, wo er nicht präsent war. Tausende von Hornveilchen hat er im Wahlkampf verteilt und sich darin geübt, auch mürrische Kommentare wie „Na denn“ als begeisterte Zuwendung des Souveräns, sprich des Wählers, zu empfinden. Albert Schäffer

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